HOME

Prozess um Holocaust-Leugner: Juristische Scharmützel um Williamson dauern an

Der Fall Williamson hat die katholische Kirche erschüttert - aber mittlerweile ist es ruhig geworden um den britischen Holocaust-Leugner. Juristisch wird allerdings weiter gestritten.

Am Amtsgericht Regensburg streiten Verteidigung und Staatsanwaltschaft an diesem Mittwoch darum, ob ein Bericht der "Tagesthemen" in Augenschein genommen werden darf. Die Anwälte lesen lange Anträge vor, zitieren aus der Fachliteratur und werfen der Staatsanwaltschaft schlechte Arbeit vor. Ein Fall, der vor vier Jahren die katholische Kirche bis ins Mark erschüttert hat, ist zum juristischen Scharmützel geworden: Verhandelt wird die Holocaust-Leugnung des früheren Bischofs der Piusbruderschaft, Richard Williamson - bereits zum zweiten Mal.

Es war im November 2008, als Williamson in einem bei Regensburg aufgezeichneten Interview für das schwedische Fernsehen die Existenz von Gaskammern und den millionenfachen Mord an Juden bestritt. Letztlich wird er dafür an nur einem Prozesstag zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt (90 Tagessätze zu je 20 Euro). Im ersten Verfahren waren es noch 6500 Euro gewesen - wegen der veränderten Vermögensverhältnisse des 72-Jährigen senkt die Richterin im neuen Urteil die Gesamtsumme deutlich.

Piusbrüder schließen Williamson aus der Gemeinschaft aus

Als Williamsons Äußerungen einst publik wurden, näherte sich der Vatikan gerade den ultrakonservativen Piusbrüdern an und hob sogar die Exkommunikation Williamsons und anderer Bischöfe auf. Der Skandal war perfekt, der öffentliche Aufschrei gewaltig: "Papst Benedikt XVI. begnadigt Holocaust-Leugner!" Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sah sich veranlasst, in diesem Fall Stellung zu beziehen.

Und heute? Die Piusbruderschaft hat inzwischen die Notbremse gezogen und Williamson vor die Tür gesetzt. Eigentlich ist es ruhig geworden um die Traditionalisten und den Vatikan. Die Debatten verlaufen wieder kirchenintern.

Williamson aber kämpft mit seinen Anwälten immer noch gegen die Regensburger Staatsanwaltschaft, die ihm Volksverhetzung vorwirft. Die Geldstrafe von 6500 Euro hat Williamson nicht akzeptiert, und das Oberlandesgericht Nürnberg kassierte die Entscheidung wegen Verfahrensmängeln. Also trifft man sich an diesem Mittwoch erneut vor Gericht - und Williamson selbst ist wieder nicht dabei.

Ein Ende des Falls ist nicht in Sicht

Umso engagierter kämpfen seine Verteidiger. Ihre Argumentation: Williamson sei vom schwedischen TV-Team getäuscht worden. Das Interview, damals geführt im Priesterseminar der Piusbrüder in Zaitzkofen nahe Regensburg, habe sich eine Stunde lang nur um kirchliche Fragen gedreht - dann sei Williamson vom fragenden Journalisten eine Falle gestellt worden. Ihr Mandant könne nichts dafür, wenn die Aussagen zum Holocaust in Deutschland zugänglich gemacht wurden. Weder in Großbritannien noch in Schweden seien die Passagen strafbar. Das Gericht sieht das anders: Williamson sei sich der Bedeutung seiner Worte sehr wohl bewusst gewesen.

Ein Ende des Falls ist auch nach diesem zweiten Urteil nicht abzusehen. Die Verteidiger wollen es erneut anfechten.

Williamson lebt momentan in London, wie seine Rechtsanwälte berichten. Da er nicht mehr in Räumen der Piusbruderschaft wohnen dürfe, sei er bei Freunden untergekommen. "Er hat derzeit kein Einkommen." Deshalb hat das Gericht die Geldstrafe schon deutlich gesenkt. Seinen Anwälten reicht das nicht - ihr Ziel: Freispruch.

Kathrin Zeilmann, DPA / DPA