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Prozess um Mord an Ägypterin: Landgericht Dresden gleicht einer Festung

Der Mord an einer schwangeren Ägypterin im Dresdner Landgericht im Sonmmer sorgte weltweit für Entsetzen und löste heftige Proteste in der islamischen Welt aus. Nun hat der Prozess gegen den Angeklagten an gleicher Stelle begonnen - aus Angst vor Racheakten unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen.

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag vor dem Dresdner Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini begonnen. Dem Angeklagten Alex W. wird vorgeworfen, die junge Muslimin im Juli während einer Gerichtsverhandlung aus fremdenfeindlichen Motiven mit einem Messer getötet und ihren Mann schwer verletzt zu haben. Die Anklage lautet unter anderem auf Mord und versuchten Mord. Nach Überzeugung der Ermittler beging der 28-jährige Russlanddeutsche die Bluttat aus Hass auf Nichteuropäer und Muslime. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

Das Verbrechen geschah vor den Augen des dreijährigen Sohnes der Familie und löste weltweit Entsetzen aus. Die 31 Jahre alte Ägypterin war im Gerichtssaal niedergestochen worden, nachdem sie als Zeugin gegen den Mann ausgesagt hatte. Der Angeklagte hatte sie zuvor auf einem Dresdner Spielplatz unter anderem als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" beschimpft. In der arabischen Welt löste die Tat heftige Proteste aus. Der Ruf nach Vergeltung wurde laut, im Vorfeld des Prozesses gab es einen Mordaufruf gegen den Angeklagten.

Scharfschützen sichern Gerichtsgebäude

Aus Sorge vor Racheakten von Extremisten gelten für die Dauer des Prozesses ungewöhnlich scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Rund 200 Beamte, darunter Scharfschützen, sichern das Gebäude. In den Verhandlungssaal wurden Panzerglasscheiben eingebaut. Zuschauer, Verfahrensbeteiligte und die 44 akkreditierten Journalisten aus dem In- und Ausland wurden streng kontrolliert, alle Sachen inklusive Schuhe wie am Flughafen durchleuchtet.

An der Verhandlung nimmt auch der Mann der getöteten 31-Jährigen teil. Er erschien am Vormittag - gestützt auf zwei Krücken - im Gericht und soll am ersten Verhandlungstag als erster Zeuge aussagen. Der Angeklagte wurde Augenzeugen zufolge in einem gepanzerten Fahrzeug und begleitet von Spezialkräften der Polizei in das Gerichtsgebäude gebracht.

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Axel Köhler, nimmt an dem Prozess als Beobachter teil. Er sagte am Rande des Verfahrens: "Wir erwarten ein hartes Urteil." Den Opfern und der Familie von Marwa El-Sherbini müsse Gerechtigkeit widerfahren. Zugleich forderte er die Politik auf, das Thema Islamfeindlichkeit auf die Tagesordnung zu setzen. Die muslimischen Frauen in der Bundesrepublik seien wegen der Tat verunsichert und hätten Angst. Seiner Einschätzung nach haben Ausfälle gegen sie seit der Tat zugenommen. Im Zuschauerraum des Gerichtsaals verfolgte auch der ägyptische Botschafter Ramzy Ezzeldin Ramzy das Verfahren.

DPA/AP / AP / DPA