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Prozess um Mordfall Mirco Olaf H. bricht sein Schweigen


Der mutmaßliche Mörder des kleinen Mirco, Olaf H., hat zum ersten Mal im Prozess gegen ihn ausführlich ausgesagt. Auch seine Ex-Kollegen kamen zu Wort - und schilderten unterschiedliche Eindrücke des Angeklagten.

Der mutmaßliche Mörder des kleinen Mirco hat sein Schweigen gebrochen und erstmals im Prozess ausführlich zum Geschehen vor der Tat Stellung genommen. Er habe sich am Tattag frei genommen, weil seine Tochter krank gewesen sei, sagte der damalige Telekom-Manager vor dem Krefelder Landgericht. Dennoch habe ihn sein Chef an jenem Freitag angerufen und einen neuen Statusbericht über ein Projekt von ihm verlangt.

Als er ihn daran erinnert habe, dass er frei habe und sich um seine kranke Tochter kümmern müsse, sei der Vorgesetzte ausfallend geworden. "Es ist mir scheissegal, was mit deiner blöden Tochter ist", habe er gesagt. Er habe dann das Telefonat beendet und den Bericht angefertigt, sagte der 45-Jährige. Der Vorsitzende Richter Herbert Luczak zeigte sich verwundert, dass der Angeklagte erst jetzt mit Details des Telefonats aufwartete.

Kollegen zeichnen unterschiedliche Bilder des Angeklagten

Olaf H. hatte in seinem Geständnis bei der Polizei angegeben, Mirco umgebracht zu haben, um beruflichen Stress und Druck abzureagieren. Eine Ex-Kollegin sagte aus, der Beschuldigte habe ständig mit kuriosen Ausreden Termine platzen lassen. So habe er in kurzer Zeit zwei Mal seine Abwesenheit mit Fehlgeburten seiner Frau begründet. Daraufhin ergriff der Angeklagte das Wort und betonte, dass es sich nicht um Ausreden gehandelt habe: Seine Frau sei nach einer künstlichen Befruchtung mit Zwillingen schwanger gewesen. Beide Föten habe sie nacheinander verloren. Danach sei sie psychologisch betreut worden.

Mehrere Exkollegen sagten schon am vergangenen Verhandlungstag, dass Olaf H. als Telekom-Manager überfordert gewesen sei. Dies sei auch der Grund für seinen zur Tatzeit bereits feststehenden Wechsel innerhalb des Unternehmens gewesen. "Der Olaf hat sich zuviel zugemutet", sagte ein ehemaliger Vorgesetzter.

"An seine Grenzen gestoßen"

"Man sah ihm an, dass er gestresst war", sagte eine Kollegin. Sein damaliger Vorgesetzter in München sei kein einfacher Chef gewesen und schon mal polternd. Olaf H. sei "an seine Grenzen gestoßen" und unglücklich mit der Situation gewesen, sagte ein 41-jähriger Kollege. Er habe ihm zum Wechsel geraten, weil Projektergebnisse "katastrophal" gewesen seien. Der Angeklagte sei auch zu einem "Personalgespräch" in eigener Sache nach München geflogen.

Schon am vergangenen Verhandlungstag war der damalige Telekom-Manager von seinen Kollegen sehr unterschiedlich beurteilt worden: Die Zeugenaussagen variierten zwischen "nett, lustig und hilfsbereit" bis "Blender, Lügner, unsympathisch, machtbewusst und eiskalt". Auch über die Frage, wie sehr der Angeklagte zur Tatzeit unter Stress stand, gingen die Meinungen auseinander. Während Kollegen von "extremem Druck" berichteten, beschrieben andere den 45-Jährigen als faul und unzuverlässig.

Olaf H. hat sich in Widersprüche verwickelt

Olaf H. hat die Tat zwar gestanden, sich aber in Widersprüche verwickelt. Mirco wurde am 3. September 2010 auf dem Nachhauseweg entführt und ermordet. Fünf Monate danach nahmen die Ermittler den bis dahin unbescholtenen Familienvater in Schwalmtal fest. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Dann sollen die Vorgesetzten des Angeklagten als Zeugen gehört werden. Mit dem Urteil wird Ende September gerechnet.

tkr/DPA DPA

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