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Prozess um Prostituierten-Affäre von Ottfried Fischer: Sex, Boulevard und Kreditkartenbetrug

In München steht ein ehemaliger "Bild"-Journalist vor Gericht, weil er Schauspieler Ottfried Fischer zu einem Exklusivinterview genötigt haben soll. Sein Druckmittel: Ein heimlich gefilmtes Video, das Fischer beim Sex mit Prostituierten zeigt.

Es geht um Sex mit Prostituierten, heimlich gefilmte Videos und Nötigung. Was klingt wie das Drehbuch zu einer neuen Folge von "Der Bulle von Tölz", ist das reale Leben von Schauspieler Ottfried Fischer. Der 56-Jährige steht heute als Zeuge vor dem Münchner Amtsgericht. In dem Prozess um ein heimlich aufgenommenes Video, das Fischer beim Sex mit Prostituierten zeigt, müssen sich zwei Frauen und zwei Männer sowie ein ehemaliger Mitarbeiter der "Bild"-Zeitung verantworten. Die vier Angeklagten sollen Fischer im Sommer 2009 beim Sex gefilmt und das Video für 3500 Euro an den früheren "Bild"-Mann verkauft haben. Ihm wird Nötigung und "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs" vorgeworfen. Dem Journalisten drohen dafür eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft, die anderen vier Angeklagten müssen mit einer Geldstrafe rechnen.

Auslöser für die Aufnahme des Sexvideos war der Staatsanwaltschaft zufolge ein versuchter Kreditkartenbetrug. Laut Anklage wollte eine inzwischen in die Türkei geflohene ehemalige Bekannte Fischers mit Hilfe von falschen Unterschriften mehr als 74.000 Euro als Prostituiertenlohn kassieren, der demnach aber nicht vereinbart war. Nachdem Fischer der Zahlung widersprochen hatte, soll die Bekannte zusammen mit einer anderen Frau das Sexvideo angefertigt haben. Bilder daraus wurden danach als Beleg für den Anspruch auf die Zahlung an die Kreditkartenfirma geschickt.

Der angeklagte Journalist soll Fischer mit einem Hinweis auf das Video zu einem Exklusivinterview genötigt haben. Der Axel-Springer-Verlag weist die Vorwürfe zurück. "Nach unserem Kenntnisstand finden sich in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft keinerlei Anhaltspunkte, die die Vorwürfe stützen", erklärte Verlagssprecher Tobias Fröhlich im Vorfeld. Die Anklage kriminalisiere die journalistische Recherche und gefährde die Pressefreiheit, sagte Fröhlich. Fischers PR-Agentin habe ausgesagt, dass sie nach Absprache mit dem TV-Star von sich aus das Interview vorgeschlagen habe, hieß es bei Springer. Sie habe dem Interview nur zugestimmt, um eine Veröffentlichung des Sexvideos zu verhindern, so die Agentin.

Im Oktober 2009 erschien dann in der "Bild"-Zeitung ein Interview, in dem Ottfried Fischer offenherzig über die Prostituierten-Affäre plauderte. Dass der Schauspieler ausgerechnet dem Blatt sein Herz ausschüttete, das ihn wenige Wochen zuvor mit der Prostituierten-Geschichte aufgezogen hatte, verwunderte sogar Talkmaster Reinhold Beckmann. "Ich habe beschlossen, mich mit der 'Bild'-Zeitung zu vertragen", sagte Fischer als er in der ARD-Sendung von Beckmann zu Gast war. Gut ein Jahr später sieht Fischer das ganz anders und zieht gegen den früheren "Bild"-Mitarbeiter vor Gericht. Zunächst ist in München nur ein Prozesstag angesetzt. Ein Urteil wird im Laufe des Tages erwartet.

jum/AFP/DPA / DPA