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Prozess um Sex-Video Fischer sieht sich von Bild-Zeitung genötigt


"Ich bin nur darauf eingestiegen, weil ich Panik hatte": Kabarettist Ottfried Fischer fühlte sich durch ein Sex-Video stark unter Druck. Den Vorwurf der Erpressung hielt die Staatsanwaltschaft am Mittwoch nicht mehr aufrecht.

Im Prozess um ein Sex-Video von Ottfried Fischer fühlte sich der Schauspieler nach eigener Aussage "unter Druck gesetzt". Der 57-Jährige sagte am Mittwoch als Zeuge vor dem Münchner Landgericht: "Von dem Moment an, als ich wusste, dass die "Bild"-Zeitung das Video hat, habe ich Angst gehabt." Fischer, der in dem Verfahren Nebenkläger ist, habe sich auf Interviews mit der "Bild"-Zeitung nur eingelassen, weil er wusste, dass dort das Sex-Video vorlag.

"Das war für mich der Schock schlechthin. Ich dachte, das hat keiner", sagte er. Fischer ("Der Bulle von Tölz") war 2009 beim Sex mit Prostituierten in seiner Wohnung gefilmt worden. Das Video ging für ein Honorar an die "Bild"-Zeitung. Der angeklagte Journalist soll den Schauspieler damit - über Fischers damalige PR-Agentin - zu einem Exklusiv-Interview genötigt haben, behauptet der Schauspieler. "Ich wusste, wenn das veröffentlicht wird, dann kannst du einpacken, dann bist du und die Karriere am Ende."

In einer E-Mail seiner früheren Agentin an ihn schrieb sie, dass sie mit der "Bild"-Zeitung drei exklusive Artikel vereinbart habe. Darin sollte Fischer selbst zu Wort kommen und sich nach der Affäre ins rechte Licht rücken können. Danach solle er das Video von der Zeitung bekommen. "Ich bin darauf eingestiegen, weil ich Panik bekommen habe, dass mein Privatleben vollständig an die Öffentlichkeit gezerrt wird", sagte Fischer. "Das war meine einzige Chance, erhobenen Hauptes durch diese Schlammschlacht zu kommen."

Fischer sagte weiter: "Ich hätte diese Interviews auf keinen Fall gemacht, wenn es dieses Video nicht gegeben hätte." Um sich zu rehabilitieren, hätte er lieber mit anderen Zeitungen zusammengearbeitet. Fischer äußerte die Meinung, dass das Video als Druckmittel geplant war: "Warum kauft denn einer ein Video für 3500 Euro, wenn er es nicht verwenden will?"

Die Verteidigung des Journalisten hatte in dem erneuten Verfahren zuvor ausgesagt, Fischer sei nicht genötigt worden. Er und seine damalige Agentin hätten sich vielmehr zu dem Interview entschlossen, weil sie sich Vorteile aus einer offensiven Pressearbeit versprochen hätten. Zum Auftakt des Berufungsprozesses hatte die ehemalige PR-Agentin ebenfalls gesagt, der Reporter habe praktisch keinen Druck ausgeübt, um an ein Interview mit Fischer zu kommen.

Der Staatsanwalt nahm einen Antrag zurück, mit dem er prüfen lassen wollte, ob Fischer eventuell nicht nur genötigt wurde, sondern sogar von der "Bild"-Zeitung erpresst. Fischer hatte zuvor gesagt, er habe von dem Blatt niemals Geld für seine Interviews bekommen.

Der inzwischen beim Bauer-Verlag tätige Journalist war in erster Instanz wegen Nötigung und "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch unbefugte Bildaufnahmen" zu einer Geldstrafe von 14 400 Euro verurteilt worden. Dagegen hatten er und auch die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel eingelegt.

DPA DPA

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