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Prozess um verbrannte Kinder von Börnicke: Angeklagter Vater wollte sich umbringen

Ein Däne, der seine beiden Töchter bei lebendigem Leib verbrannt hat, sollte im Landgericht Potsdam seiner Ex-Frau begegnen. Doch dazu kam es nicht: Der Mann hatte am Morgen versucht, sich das Leben zu nehmen.

Von Uta Eisenhardt, Potsdam

Das Warten zehrt an ihren Nerven. Immer wieder wischt Helga Schulz (Name geändert), eine schmale Frau mit dunklem Lockenhaar und blauen Augen, ein Taschentuch über das gerötete Gesicht. Sie sitzt im Potsdamer Landgericht, den Rücken zum Publikum und den Fotografen, die Bilder von ihr machen wollen.

An diesem Donnerstag soll sie von ihrem unendlichen Leid berichten: Im August brachte ihr Ex-Mann Lars Schmidt (Name geändert) ihre beiden Töchter Line, 9, und Marlene, 10, von einem Ferienausflug nicht nach Hause zurück. Statt ins dänische Öster-Hurup fuhr er mit ihnen von Hamburg aus weiter nach Süden ins Brandenburgische, wo er mitten in der Nacht auf einem Waldweg parkte, Benzin in seinem Auto verschüttete und es entzündete. Wenige Sekunden später flüchtete der Verletzte aus dem flammenden Inferno, während die beiden angegurteten Kinder auf dem Rücksitz verbrannten.

Nicht nur die Mutter der Toten, auch die Mutter des Angeklagten und dessen Tante sollten vor dem Landgericht Potsdam aussagen. "Man braucht nicht Psychologie studiert zu haben, um zu wissen, dass dieser Tag für den Angeklagten bedeutsam war", sagt Staatsanwalt Peter Petersen auf dem Gerichtsflur. In der

Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel sei man dennoch von einer abnehmenden Suizidgefahr ausgegangen - zu Unrecht, wie sich am Morgen um 5.30 Uhr zeigte.

Er schaut weg, als die Leichen auf der Leinwand erscheinen

Statt die wichtigsten Zeugen des Strafverfahrens zu befragen, verlas der Vorsitzende Richter Frank Tiemann so nur das Fax der Justizvollzugsanstalt, in dem die morgendlichen Ereignisse geschildert sind: Demnach öffneten die Beamten die Zelle 14.149 und fanden einen tief schlafenden und laut schnarchenden Untersuchungshäftling vor, der nicht ansprechbar war. Eine halbe Stunde später wurde Schmidt mit dem Verdacht auf Vergiftung ins Krankenhaus gebracht. Sein Anwalt Thomas Arndt vermutet, sein Mandant könnte die ihm verschriebenen Antidepressiva gehortet und nun auf einmal genommen haben. Mittlerweile, so steht es weiter im Fax der JVA, konnte der Patient bereits von der Intensivstation verlegt werden, sein Kreislauf sei stabil, sein Zustand nicht lebensbedrohlich.

Schon beim Verhandlungstag vor einer Woche schien es so, als würde der Angeklagte Unbehagen empfinden. Er legte sich die Hand über das Gesicht, während ein Kriminaltechniker dem Gericht anhand von Leinwand-Projektionen erläuterte, was er und seine Kollegen an dem völlig zerstörten Kleinwagen festgestellt hatten. Schmidt schaute auch nicht hin, als ein Bild von den verbrannten Leichen auf der Leinwand erschien.

Sogar seine Nachbarin ignorierte er. Er drehte sich von der Zeugin weg, obwohl diese sich sehr positiv über den 40-Jährigen äußerte, ihn als einen Vater schilderte, wie sie ihn sich für ihre Kinder gewünscht hätte. "Wir waren einander nahestehende Nachbarn und Freunde, für die Mädchen war ich eine Art Reserve-Oma", so übersetzte eine Dolmetscherin die Worte der 60-Jährigen.

Ein Leben ohne die Mädchen konnte er sich nicht vorstellen

Sie hatte das Paar vor zwölf Jahren kennengelernt, als es seinen Hof gegenüber dem ihren bezog. Sie war bei der Hochzeit von Schulz und Schmidt dabei und hatte oft deren Töchter gehütet. Man habe sich täglich gesehen, "die Mädchen sind bei mir ein und aus gegangen", sagte die Nachbarin.

Das Paar sei fröhlich und kontaktfreudig gewesen. Als es immer mehr Probleme in der Ehe gab, hätten sie viel getan, um die Ehe aufrecht zu erhalten, berichtete die Nachbarin. Schmidt sei sogar zum Psychiater gegangen, "um Helga entgegen zu kommen und um eine bessere Familie zu werden".

Dennoch trennte sich das Paar vor zwei Jahren. Streit gab es fortan um die Kinder, die abwechselnd je eine Woche bei der Mutter und beim Vater lebten, obwohl Schmidt das Recht hatte, den Wohnsitz der beiden Mädchen zu bestimmen. Im Frühjahr 2011 beschloss er, seinen Wohnort und den seiner Töchter nach Fredericia, in die Mitte von Dänemark zu verlegen. Der unausgebildete Lehrer war gerade arbeitslos geworden und wollte eine pädagogische Ausbildung absolvieren, um Arbeit zu finden.

Doch die Situation eskalierte, denn die Töchter, insbesondere die Jüngste, wollten keinen Neubeginn. Sie hatten Angst vor dem Verlust der Heimat und der Freunde. Auch die Ex-Frau Helga Schulz war nicht begeistert von der Vorstellung, ihre Töchter nur noch am Wochenende und in den Ferien sehen zu können. Sie erwirkte bei der Stadtverwaltung einen Bescheid, dass sie fortan den Wohnsitz der Mädchen festlegen dürfe. Alle Pläne des Vaters waren damit hinfällig, denn allein wollte er nicht nach Fredericia ziehen - ein Leben ohne seine Mädchen habe er sich nicht vorstellen können.

"Das Wasser sah mir zu kalt aus, zu unheimlich"

"Lars war sehr traurig, er hat nicht mehr von der Zukunft gesprochen", sagte die Nachbarin. Sie habe ihn öfter depressiv erlebt, dann habe er sich zurück gezogen und wollte allein sein. "Er konnte sich nicht zusammenreißen", sagt die Nachbarin und hat damit wohl Recht. Immer wieder in seinem Leben fasste Schmidt so radikale wie unüberlegte Entschlüsse, die er nicht zu Ende führte. Einmal, als Teenager, floh er nach Oslo und fuhr wieder nach Hause, nachdem er beinahe von einem Schneepflug überfahren worden wäre. Ein anderes Mal brach er einen Selbstmordversuch aus kurios klingenden Gründen ab: Er habe am Ufer gestanden und wollte sich mit einer Flasche auf den Kopf schlagen, ins Wasser fallen und ertrinken. "Aber das Wasser sah mir zu kalt, zu dunkel, zu unheimlich aus", sagte Schmidt am ersten Verhandlungstag.

Auch der Umzug nach Fredericia war so ein radikaler Plan, den er sich nur aus einer, nämlich seiner, Perspektive überlegt hatte. Er reagierte mit einem weiteren, unüberlegten Plan, den er diesmal leider zu Ende führte. Er kostete seine Töchter das Leben.

Das Gericht will sich durch seinen Versuche, sich mit Tabletten zu töten, nicht abhalten lassen, weiter gegen ihn zu verhandeln, möglicherweise sogar in dessen Abwesenheit. Seine Ex-Frau wird nun erst Anfang Mai aussagen. In der nächsten Woche soll es weiter gehen - mit Zeugen aus dem Bekanntenkreis des Angeklagten.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.