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Prozess: V-Mann unter Mordverdacht

Jahrelang bespitzelte ein Deutsch-Iraker die Islamisten-Szene für die Polizei, dabei lieferte er offenbar auch Informationen über die "Sauerland-Bomber." Seit Montagmorgen muss er sich vor dem Landgericht Frankenthal wegen Mordes verantworten.

Es muss wie eine Hinrichtung gewesen sein. Die Pistolenkugeln hatten Kopf und Brust zweier Männer durchbohrt, am Hals eines dritten Opfers waren Würgemale erkennbar. Die toten Körper waren in einem Arm des Altrheins versenkt worden. Die Polizei fand die Leichen der drei georgischen Autohändler in der Nähe von Mannheim, es war Ende Februar 2008. Einer der mutmaßlichen Täter war schnell gefasst, denn man hatte Blutspuren in seinem Ford Escort entdeckt: Talib O., deutscher Staatsbürger irakischer Abstammung, 40 Jahre alt.

Anklage: Gemeinschaftlicher Raubmord

Talib O., der ebenfalls als Autohändler arbeitete, hatte den drei Georgiern in Ludwigshafen am 30. Januar 2008 einen gebrauchten Mercedes angeboten. Die Männer nahm Talib O. dann ins rund 30 Kilometer entfernte Heppenheim mit, angeblich um den Mercedes zu inspizieren. Als die Georgier am nächsten Morgen noch nicht zurückgekehrt waren, erstattete ein Landsmann Vermisstenanzeige. Kurz nach der Festnahme von Talib O. Anfang Februar wurde der zweite Verdächtige inhaftiert: Ahmed H., ein 26-jähriger Somalier, der an jenem Abend in den Ford Escort von Talib O. zugestiegen war.

Die Staatsanwaltschaft im rheinland-pfälzischen Frankenthal ermittelte schnell ein Motiv: Die Georgier hatten an die 15.000 Euro in bar bei sich gehabt. Ein klassischer Raubmord also, gemeinschaftlich begangen, so heißt es nun in der Anklage gegen die beiden Männer. Seit Montagmorgen läuft der Prozess.

Doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Der andere Teil findet sich so gut wie nicht in den Ermittlungsakten, denn das rheinland-pfälzische Innenministerium hat eine Sperrung von Unterlagen veranlasst, um die "Interessen des Landes Rheinland-Pfalz" zu wahren. Diese Unterlagen erzählen die Geschichte des hochrangigen V-Manns Talib O. und des mutmaßlichen Islamisten Ahmed H., auf den er angesetzt war. stern-Recherchen zeigen nun, welch zwielichtige Gestalt jahrelang im Dienst der deutschen Polizei gestanden hat.

Kontakte zur Islamisten-Szene

Aus Ermittlungsakten des Bundeskriminalamts ergibt sich, dass ausgerechnet Talib O. als einer der zentralen Informanten gilt, der die deutschen Behörden jahrelang mit Erkenntnissen aus der Islamisten- und Terrorszene versorgt hat, so offenbar auch mit Informationen über die sogenannte Sauerland-Gruppe um die Konvertiten Fritz Gelowicz und Daniel Schneider sowie den türkischstämmigen Muslim Adem Yilmaz. Die Bundesanwaltschaft wirft dieser Gruppe, die sie im Herbst vergangenen Jahres verhaften ließ, die Vorbereitung verheerender Anschläge in Deutschland vor. Ahmed H. soll enge Kontakte zu ihr gehabt haben - so hat es offenbar der V-Mann Talib O. seinen Auftraggebern von der Polizei erzählt. Die jedoch hätte längst wissen müssen, dass ihr Informant auf eine lange kriminelle Karriere zurückblickt.

Es war Ende 1996, als der Iraker Talib O. mit seiner damaligen Frau nach Deutschland einreiste und einen Asylantrag stellte. Er hatte angegeben, er werde politisch verfolgt. Der Antrag wurde abgelehnt, dennoch durfte das Ehepaar nicht abgeschoben werden, denn im Irak herrschte der Diktator Saddam Hussein. Talib O., der angeblich Verfolgte, hatte gelogen. Ein polizeilicher Gutachter kam zu dem Schluss, dass er "eher systemnah war und über entsprechende Beziehungen im Saddam-Regime verfügte". Das belege zum Beispiel eine Urkunde des Diktators, welche die Familie O. für ihre besonderen Dienste bekommen hatte. Talib O. soll zudem geprahlt haben, eigenhändig Schiiten ermordet zu haben, Mitglieder also jener muslimischen Glaubensgemeinschaft, die von Saddam Hussein oft blutig verfolgt wurde.

Im Dezember 2001, nach den Terroranschlägen in den USA, suchten die deutschen Behörden Informationen jeder Art aus dem islamischen Milieu. Also heuerte das Polizeipräsidium in Ludwigshafen Talib O. als sogenannte Verbindungsperson an. Als Motivation gab Talib O. damals "Vorteile bei der Erlangung der Fahrerlaubnis" an. In den Polizeiakten notierten die Beamten alle bisherigen Erkenntnisse über ihn: "Dieb, Räuber, Gewaltdelikte, Körperverletzung". Nach nur einem Monat beendete die Behörde die Zusammenarbeit "wegen fehlender Szeneinformationen".

Zwei Jahre später hatte das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt (LKA) allerdings kein Problem, Talib O. erneut als Spitzel zu beschäftigen. Er habe "Angaben zu islamistischen Kreisen" angeboten, heißt es in Unterlagen der Behörde, die ihn dafür auch bezahlte: im Mai 2007 sogar mit 4500 Euro auf einmal, abzüglich zehn Prozent Steuern. Dem LKA kann nicht verborgen geblieben sein, dass es einen Verbrecher mit hoher krimineller Energie in einem hochsensiblen Bereich beschäftigte.

"Unvergleichliche Kraft und Aggression"

Schon im Februar 1999 wurde Talib O. vorgeworfen, nach einem Ladendiebstahl zwei Polizisten angegriffen zu haben. Der Richter attestierte ihm eine "unvergleichliche Kraft und Aggression". 2004 hatte ihn seine Exfrau wegen Bedrohung und Körperverletzung angezeigt, eine ähnliche Anzeige erstatte im Jahr 2007 sein ehemaliger Vermieter. Mindestens drei Ermittlungsverfahren liefen gegen Talib O. in seiner Zeit als V-Mann. Auch als Schleuser soll Talib O. tätig gewesen sein und mit gefälschten irakischen Pässen gehandelt haben. Trotzdem wurde er 2007 eingebürgert.

Zudem soll Talib O. versucht haben, Prüfer und Sachverständige zu bestechen, um den Führerschein zu bekommen. Er war spielsüchtig und hoch verschuldet. Auch sein angeblicher Komplize Ahmed H. forderte von Talib O. Geld, der Somalier sprach in Vernehmungen von 1000 und sogar 5000 Euro. In einem abgehörten Telefongespräch vom 25. Januar 2008 habe Talib O. dem jungen Somalier angekündigt, die 1000 Euro zurückgeben zu wollen, ergaben Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Demnach versprach Talib O. die Zahlung ausgerechnet für den 30. Januar - dem Tag des Dreifachmordes.

Ministerium sperrt Akte

Die Kripo-Ermittler aus Kaiserslautern, das Landgericht Frankenthal und auch der Verteidiger des Somaliers Ahmed H. wollten sich vor dem anstehenden Prozess ein umfangreiches Bild von Talib O. machen, dessen allgemeine V-Mann-Tätigkeit schon kurz nach dem Mord an den Georgiern bekannt geworden war. Also versuchte man, Einblick in die Unterlagen des V-Manns zu bekommen. Doch das Innenministerium ließ die Akte sperren. Auf sechs Seiten erläutert es seine Entscheidung mit Verweis auf die Terroranschläge von New York, Madrid und London. Grundtenor: Bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus spielten verdeckte Ermittlungen eine zentrale Rolle. Wenn die Unterlagen über die Tätigkeit eines V-Mannes offen gelegt würden, gefährde das die weitere Arbeit.

Zumindest einen Fragenkatalog der Mordermittler zu Talib O. beantwortete das LKA Rheinland-Pfalz. Doch jede zweite Frage wurde mit einem schlichten Nein abgeblockt. Man habe nichts von der Geldnot oder den Passfälschungen des Mannes mitbekommen. Gerhard Härdle, der Verteidiger von Ahmed H., hält diese Stellungnahme für eine "Missachtung der Justiz". Selbst der Anwalt von Talib O., Stefan Allgeier, übt Kritik an der Verweigerungshaltung des LKA: "Die Informationen vom LKA reichen nicht aus. Wir haben ein Interesse an einer umfassenden Aufklärung der V-Mann-Tätigkeit."

In den Polizeivernehmungen hatten sich die beiden Tatverdächtigen gegenseitig belastet. Der Somalier Ahmed H. sagte aus, Talib O. habe die Georgier alleine umgebracht. Es sei ums Geld gegangen. Talib O. habe ihn nach der Tat gezwungen, die Leichen mit beiseite zu schaffen. Der 40-jährige V-Mann dagegen berichtete von einem islamistisch inspirierten Ritualmord. Unterstützt von zwei vermummten Komplizen habe Ahmed H. die drei Georgier getötet, weil sie Christen seien. Als einen der beiden Vermummten nannte Talib O. einen gewissen Mohamed S.. Die Staatanwaltschaft Frankenthal lässt in der Anklage aber keinen Zweifel daran, dass dieser Mann nichts mit dem Mord zu tun hat. Was sie nicht erwähnt: Bei Mohammed S. handelt es sich nach stern-Recherchen, wie bei Ahmed H., um die Zielperson ein und desselben V-Mannes - Talib O. Die Folgerung der Staatsanwaltschaft: Talib O. wolle mit der Vermummten-Story seinem Arbeitgeber in Mainz genau den islamistischen Hintergrund präsentieren, den er als V-Mann liefern soll.

Angeklagte beschuldigen sich gegenseitig

Talib O. selbst will an dem Dreifach-Mord unbeteiligt gewesen sein. Allerdings belastet ihn eine Zeugenaussage schwer. Ein junger Iraker sagte aus, der V-Mann habe ihm kurz nach der Tat die Tötung der Georgier gestanden, heißt es in der Anklage. Talib O. habe ihm Gewalt angedroht, falls er über dieses Geständnis mit jemandem sprechen sollte. Die Staatsanwaltschaft aber glaubt nicht an eine alleinige Tat von O..

Unabhängig davon, wie der Mordprozess vor dem Landgericht Frankenthal jetzt ausgehen wird: Mit Blick auf das Verfahren gegen die Sauerland-Gruppe stehen das Bundeskriminalamt und die Generalbundesanwältin vor einem Problem. Denn ihre Erkenntnisse basieren offenkundig auch auf Angaben eines V-Mannes, der vor allem als spielsüchtiger und notorisch klammer Lügner, Betrüger und Gewalttäter aufgefallen ist.

Malte Arnsperger, Martin Knobbe und Rainer Nübel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(