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Prozess wegen angeblicher Kujau-Bilder Fälschten Fälscher den Fälscher?


Mit dem Namen Konrad Kujau ließ sich auch über seinen Tod hinaus Geld verdienen. Deshalb steht nun eine angebliche Großnichte des Meisterfälschers vor dem Landgericht Dresden. Sie soll Hunderte von Kunden mit gefälschten Kujaus betrogen haben.
Von Uta Eisenhardt

Der Name Kujau hat immer noch einen besonderen Klang. Unvergessen bleibt der Skandal um die Hitler-Tagebücher, die sich als meisterhafte Fälschungen des Kunstmalers Konrad Kujau entpuppten. Viereinhalb Jahre Gefängnis waren die Quittung für den Betrug. Der Fälscher selbst profitierte bis zu seinem Tod im Jahr 2000 von seinem zweifelhaften Ruhm. Nun scheint der Fälscher selbst Opfer von Fälschern geworden zu sein.

Vor dem Landgericht Dresden nimmt zurzeit Petra Kujau Platz - eine Großnichte des Fälschers, wie die 51-Jährige behauptet. Ihr Familienname ist echt, eine nahe Verwandtschaft aber "nicht ermittelbar", wie Lorenz Haase, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden sagt. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem 54-jährigen Dieter G., muss sich Petra Kujau wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und Betruges rechtfertigen. Das Paar soll mit dem Verkauf von etwa 750 gefälschten Kujaus über eine halbe Million Euro ergaunert haben.

Sauler beginnt die Kunst der Fälschung zu erlernen

Die Geschichte dieses Coups beginnt in Stuttgart, wo Gabriele Sauler lebt. 1988 beginnt sie bei dem gerade aus der Haft entlassenen Konrad Kujau die Kunst der Fälschung von Bildern zu erlernen: Eine ganz legale Sache, solange neben dem Namen des berühmten Malers der des Kopisten steht. 15 Jahre später beginnt die Schülerin ihre kopierten Klimts, Cezannes und Gauguins bei Ebay anzubieten. Sie wirbt für sich mit dem Namen ihres Meisters: Konrad Kujau.

Irgendwann fällt ihr die von Petra Kujau geführte "Galerie Konrad Kujau" auf. Die Dresdnerin handelt mit "echten Kujaus" und bietet auf Ebay gefälschte Meisterwerke mit Kujaus Signatur an - das Stück zwischen 500 bis 3500 Euro. Und obwohl der Hitler-Tagebuch-Fälscher zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre tot ist, scheint der Nachschub weiterhin zu sprudeln. Meisterschülerin Gabriele Sauler wird skeptisch. Als sie bei einem dieser Kujaus eine Jahreszahl hinter der Signatur entdeckt, witttert sie Betrug, denn eine solche Datierung wäre dem Fälscherkünstler zu plump gewesen. Ende 2005 erstattet sie deshalb Anzeige gegen Petra Kujau.

Gekaufte Fälschungen mit Kujau-Schriftzug signiert

Die Ermittlungen der Dresdener Staatsanwaltschaft erhärteten diesen Verdacht: Die Kunsthändlerin habe sich in Asien Kopien von bekannten Ölgemälden zum Preis von sechs bis 30 Euro das Stück beschafft. Dann habe sie diese in Dresden auf Rahmen getacktert und mit Kujaus Schriftzug signiert.

Mehr als zwei Jahre dauerten die Ermittlungen, 2008 war die 48-seitige Anklageschrift fertig. Weil Urkundenfälschung und Betrug nach fünf Jahren verjähren, beschränken sich die Vorwürfe auf die seit 2003 verübten Taten, das sind 301 Bilder und 290.000 Euro Schaden. Sollten die Richter zum gleichen Ergebnis kommen wie die Staatsanwaltschaft, muss Petra Kujau für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Die Beschuldigte bestreitet die Strafbarkeit ihres Tuns: Ihr Großonkel selbst habe die Billigkopien mit seiner Unterschrift veredelt, als er dringend Geld benötigte. Ob der Fälscher wirklich seine Kunden betrogen hat, oder seine angebliche Großnichte einfach nur eine einfallsreiche Betrügerin ist - diese Frage muss nun das Gericht klären.


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