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Prozessauftakt gegen Martin N.: "Maskenmann" muss sich den Eltern der Opfer stellen

Jahrelang hatte die Polizei vergeblich nach dem "Maskenmann" gefahndet, im Frühjahr endlich wurde der mutmaßliche Kinderschänder und Mörder Martin N. gefasst. Nun steht der Pädagoge in Stade vor Gericht und muss die Blicke der Eltern aushalten, deren Söhne nicht mehr leben.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder und Kinderschänder Martin N. hat am Montag im niedersächsischen Stade begonnen. Der 40-jährige gebürtige Bremer habe aus niedrigen Beweggründen getötet, um andere Straftaten zu vertuschen, sagte der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung vor dem Landgericht.

Der Pädagoge hatte kurz nach seiner Festnahme im April in Hamburg gestanden, zwischen 1992 und 2001 drei Jungen in Norddeutschland entführt und später ermordet sowie rund 40 missbraucht zu haben. Die Hälfte der sexuellen Übergriffe ist inzwischen verjährt. Angeklagt ist er wegen insgesamt 23 Straftaten. Martin N. erschien mit einem langen Bart und teilweise ergrautem Haar im Gerichtssaal und verfolgte die Ausführungen der Staatsanwaltschaft weitgehend regungslos.

Vergebliche Suche nach dem Serientäter

Viele Jahre hatte die Polizei vergeblich nach dem als "Maskenmann" bekannt gewordenen Serientäter gesucht. Dieser hatte sich getarnt mit einer Maske nachts in Kinderzimmer, Schullandheime und Zeltlager geschlichen und sich an Jungen vergangen. Drei Kinder entführte und tötete er. Den 13-jährigen Stefan J. holte er 1992 aus einem Internat in Scheeßel (Kreis Rotenburg), den achtjährigen Dennis R. 1995 aus einem Zeltlager bei Schleswig und den neunjährigen Dennis K. aus einem Schullandheim nahe Bremerhaven.

Die Eltern der drei getöteten Jungen und ein Missbrauchsopfer treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Sie erschienen am ersten Verhandlungstag im Gerichtssaal. Bis Anfang Dezember hat die Kammer zehn weitere Termine angesetzt.

Pannen bei den Ermittlungen

Vor Beginn des Prozesses hatte der stern über eine mögliche Ermittlungspanne berichtet. In den Resten des Hausstandes, die ein Entrümpler dem Magazin für 500 Euro überließ, fanden sich mehrere Gegenstände, die in Zusammenhang mit den Taten des mutmaßlichen Mörders stehen könnten und die die Ermittler nicht beschlagnahmt hatten.

Am vergangenen Freitag, nachdem der Bericht erschienen war, holte die "Soko Dennis" mehrere Gegenstände aus der stern-Redaktion ab, darunter eine "Top Secret"-Verschlüsselungssoftware, mit der Martin N. hochsensible Daten auf seinem Computer schützen wollte. Ebenso abgeholt haben die Ermittler ein Schachspiel, in dem sich eine Liste von Kindern einer Ferienreise befand, auf der auch der Name eines späteren Opfers steht. Auch eine Einwegspritze und eine Schaufel mit Sandresten, die sich unter den Besitztümern des mutmaßlichen Kinderschänders befanden, überließ der stern den Ermittlern.

mlr/DPA / DPA