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Prozessbeginn: Amokläufer von Ansbach gesteht Bluttat

Gut sieben Monate nach dem blutigen Amoklauf von Ansbach hat der angeklagte Abiturient gleich zu Prozessbeginn die Tat gestanden. 13 Schüler und zwei Lehrer hatte er teilweise schwer verletzt. Mitleid empfindet der 19-jährige Täter aber immer noch nicht.

Sieben Monate nach dem Amoklauf in einer Schule im fränkischen Ansbach hat der Angeklagte vor Gericht die Tat gestanden. Der 19-Jährige ließ am ersten Prozesstag von seinem Anwalt eine Erklärung verlesen, in der er die Attacke mit 15 Verletzten zugab. Nach Angaben eines Justizsprechers korrigierte Georg R. in der nicht-öffentlichen Verhandlung am Donnerstag nur wenige Details der Anklage. So habe er die zum Tatort geeilten Polizisten nicht töten wollen, sondern gehofft, sie würden ihn erschießen.

Georg R. habe weiter geschildert, dass Mitschüler und Lehrer für ihn keine Lebewesen gewesen seien, berichtete der Justizsprecher. Sich selbst habe er aber auch nicht als Menschen gesehen, der es wert sei, zu leben. Er sei hasserfüllt gewesen und habe sich ausgegrenzt und in der Schule ungerecht benotet gefühlt. Im Rahmen einer Therapie, der sich der 19-Jährige seit Januar am Bezirksklinikum in Ansbach unterzieht, habe er aber gelernt, "sich etwas lieber zu haben".

Der Angeklagte empfindet Scham

Gefragt nach seinen Gefühlen für die Opfer sagte der junge Mann dem Sprecher zufolge, sein Mitgefühl würde sich aktuell in Grenzen halten. Georg R. hat sich bei den Opfern nicht entschuldigt. Wörtlich habe er aber gesagt, er strebe es an, Mitleid zu empfinden. Wenn er heute über seine Tat nachdenke, sei er erschrocken und empfinde Scham. Er wünsche sich, die Zeit zurückdrehen zu können. Der 19-Jährige ist derzeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Die Anklage wirft ihm unter anderem versuchten Mord in 47 Fällen vor.

Laut Anklage war Georg R. am 17. September vergangenen Jahres bewaffnet mit Molotow-Cocktails, einem Beil, einem Hammer und mehreren Messern in seine Schule eingedrungen. In zwei Klassenräumen zündete er die selbstgebauten Brandsätze, außerdem schlug er mit seinem Beil um sich. Einem Mädchen fügte er durch Axthiebe lebensbedrohliche Kopfverletzungen zu. Insgesamt verletzte der Abiturient der Anklage zufolge 13 Schüler und zwei Lehrer zum Teil schwer. Bevor der Angeklagte durch Schüsse eines Polizisten außer Gefecht gesetzt wurde, hatte er sich demnach noch versucht, sich umzubringen.

Die Anklage stuft den Täter als gefährlich für die Allgemeinheit ein. Es sei zu erwarten, dass er weitere schwere Verbrechen begehen werde, sagte Staatsanwalt Jürgen Krach.

Polizeigewerkschaft appelliert an Politik

Der bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) appellierte unterdessen an die Politik, die nach den Amokläufen von Winnenden und Ansbach angekündigten Präventionsmaßnahmen endlich umzusetzen. "Wir haben weltweit eines der schärfsten Waffengesetze, allerdings gibt es weder auf Bundesebene noch in Bayern eine zentrale Erfassung aller Schusswaffen", teilte Landesvorsitzender Hermann Benker mit.

Nach Ansicht des Gewaltforschers Jens Hoffmann zeichnet sich bei Amoktaten eine beunruhigende Entwicklung ab: "Wir haben eine massive Zunahme und einen Ansteckungseffekt", sagte der Psychologe der "Frankfurter Rundschau". Besorgniserregend sei dabei vor allem, dass Täter inzwischen eine gewisse Verehrung erfahren. Auch Georg R. hatte nach eigenen Angaben andere Amokläufer für ihren "geraden klaren Weg" bewundert.

AFP/DPA / DPA
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