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Prozessbeginn: Holocaust-Leugner vor Gericht

Vor dem Wiener Landgericht hat der Prozess gegen den britischen Historiker David Irving begonnen. Ihm wird vorgeworfen, wiederholt den Holocaust bestritten zu haben. Bei Prozessbeginn sorgte er jedoch für eine Überraschung.

Irving wird unter anderem beschuldigt, vor 16 Jahren in mehreren Vorträgen in Österreich die Existenz von Gaskammern während des Zweiten Weltkriegs bestritten zu haben. Da er wegen des gleichen Delikts in Österreich bereits zuvor verurteilt worden war, droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren.

"Ich bin kein Holocaust-Leugner"

Zu Beginn des ersten Verhandlungstages ließ Irving jedoch eine geänderte Meinung erkennen. Der Historiker sagte auf Anfrage, es habe Gaskammern in Auschwitz gegeben. Während des Nationalsozialismus seien auch "Millionen" von Juden umgebracht worden. Auf eine Zahl wollte er sich nicht festlegen. Vor Journalisten sagte er, er werde sich im Sinne der Anklage schuldig bekennen. Er erkenne inzwischen an, dass die Nazis während des Zweiten Weltkriegs systematisch Juden umgebracht hätten. Die Geschichte sei wie ein sich ständig verändernder Baum, sagte er.

Irving wird von der Staatsanwaltschaft ein Verstoß gegen das Verbot der NS-Wiederbetätigung vorgeworfen. Die Anklageschrift bezieht sich auf den Paragraph 3 dieses Gesetzes, das Leugnen des Holocausts. Der Strafrahmen dafür liegt bei einem bis zehn Jahren Haft. Der rechtsgerichtete Wissenschaftler versuchte vergeblich, gegen eine Kaution von 20.000 Euro aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden. Das Gericht wies seinen Antrag mit der Begründung ab, es bestehe Fluchtgefahr.

Nächstes Buch schon in Arbeit

Seinem Anwalt Elmar Kresbach zufolge erhält Irving jede Woche 300 Briefe aus aller Welt, in denen er für seine umstrittenen Arbeiten und Äußerungen gelobt werde. Im Gefängnis arbeitet er angeblich an seinen Memoiren unter dem Titel "Irving's War". Irving hat rund 30 Bücher geschrieben. Er vertrat die These, dass die meisten Menschen in Konzentrationslagern nicht umgebracht worden, sondern an Krankheiten wie Typhus gestorben seien.

Bereits zwei Wochen nach seiner Verhaftung am 11. November in der Steiermark ließ der Brite durch einen Anwalt mitteilen, dass er die Existenz der Gaskammern inzwischen anerkenne. Zuvor hatte er mehrfach behauptet, Adolf Hitler habe wenig über den Holocaust gewusst. Er wurde mit den Worten zitiert, es gebe keinerlei Beweis, dass die Nazis ihre so genannte Endlösung zur Vernichtung der Juden auf industrielle Weise betrieben hätten.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters