Prozessbeginn Zeitsoldat schweigt zu Mordvorwürfen


In Kiel beginnt der Prozess gegen einen Soldaten aus Mecklenburg-Vorpommern, der seine Kameradin in ihrer Kabine ermordet haben soll. Die Anklage stützt sich auf die Speichelprobe.

Acht Monate nach dem Mord an einer 19-jährigen Marinesoldatin beginnt an diesem Dienstag (17. August) der Prozess gegen einen gleichaltrigen Kameraden des Opfers. Der Angeklagte muss sich wegen Mordes vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Kiel verantworten.

Angeklagter schweigt zu den Vorwürfen

Der Zeitsoldat soll die Obermaatin Saskia S. (19) im Dezember 2003 auf dem Minensucher "Mühlhausen" in ihrer Kabine auf dem Schiff erdrosselt haben, nachdem sie offenbar seine sexuellen Annäherungsversuche abgewiesen hatte. Bislang schweigt der aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Soldat zu den schweren Vorwürfen.

Nach Angaben eines Sprechers des Landgerichts hat sich die zuständige Jugendstrafkammer auf einen langen Indizienprozess eingerichtet und bis Ende Oktober terminiert. Die Eltern des aus dem Ammerland (Niedersachsen) stammenden Opfers werden an dem Prozess als Nebenkläger teilnehmen. Für die Verhandlung hat das Gericht strenge Sicherheitsvorkehrungen angeordnet.

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Mord-Anklage vor allem auf eine DNA-Analyse. Unter den Fingernägeln der 19-Jährigen, die in der fraglichen Nacht mit mehreren Besatzungsmitgliedern in einer Eckernförder Großdiscothek gefeiert hatte, sollen sich Hautreste des bislang unbescholtenen Angeklagten befunden haben. Der seit Dezember in Untersuchungshaft sitzende Soldat war damals festgenommen worden, nachdem von sämtlichen Besatzungsmitgliedern Speichelproben untersucht worden waren. Im Falle eines Schuldspruchs muss er mit bis zu zehn Jahren Jugendstrafe rechnen.

Sexuelle Übergriffe auf Soldatinnen häufen sich

In seiner Vorgeschichte ist dieses Schicksal einer deutschen Soldatin jedoch kein Einzelfall. Denn seitdem Frauen in der Bundeswehr zur Tagesordnung gehören, steigt auch die Zahl der sexuellen Übergriffe auf die weiblichen Rekruten in Heer, Marine und Luftwaffe. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Willfried Penner (SPD), zählte seit 2001 mehr als 120 Verstöße gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmug. Belästigungen und Übergriffe seien zwar nicht die Regel, aber auch keine Einzelfälle, so die Leiterin der "Arbeitsgruppe Soldatinnen" beim Bundeswehrverband, Oberleutnant (w.) Katja Roeder. Viele Soldatinnen würden sexuelle Übergriffe nicht melden, weil sie Nachteile befürchten.

DPA DPA

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