HOME

Prügelattacke gegen Jonny K.: Staatsanwalt fordert fünfeinhalb Jahre Haft

Jonny K. starb nach einer Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz. Die Staatsanwaltschaft fordert fünfeinhalb Jahre Haft für den mutmaßlichen Haupttäter. Die Verteidigung plädiert auf Bewährung.

Nach der tödlichen Prügelattacke gegen Jonny K. am Berliner Alexanderplatz hat die Staatsanwaltschaft fünfeinhalb Jahre Haft für den mutmaßlichen Haupttäter gefordert. Onur U. sei der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, sagte Ankläger Michael von Hagen am Montag in seinem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht. Der 20-jährige Angeklagte habe den Angriff auf den jungen Berliner mit einem Faustschlag ins Gesicht begonnen und die anderen Verdächtigen angestachelt. Die Tat sei völlig grundlos gewesen. Für fünf Mitangeklagte beantragte der Staatsanwalt Haftstrafen zwischen zweieinhalb und drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung.

Keine lückenlose Aufklärung

Die Angeklagten hatten zwar Schläge und Tritte gegen Jonny K. eingestanden, aber keine Verantwortung für seinen Tod übernommen. Jonny K. starb im Oktober 2012 an Gehirnblutungen. Laut Staatsanwaltschaft konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob diese durch den Sturz auf den Boden oder Tritte gegen den Kopf ausgelöst wurden. Auch konnte das Gericht nicht klären, welcher Angeklagte für welche Tritte und Schläge verantwortlich ist.

Der 20-jährige Jonny K. war im Oktober vergangenen Jahres unweit des Alexanderplatzes in Berlin-Mitte durch Tritte gegen den Kopf so schwer verletzt worden, dass er an den Folgen verstarb. Sein Freund Gerhard C. wurde verletzt. Der Fall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Verteidiger beantragt Bewährungsstrafe

Laut Plädoyer von Verteidiger Axel Weimann ist eine Schuld von Onur U. in Bezug auf Jonnys Tod nicht nachzuweisen. Sollte das Gericht dennoch zu einem anderen Schluss kommen, sei aus einer Sicht nur eine Bewährungsstrafe denkbar. Wegen der Prügel gegen Jonnys Freund beantragte der Verteidiger eine Strafe, die auf Bewährung auszusetzen sei. Onur U. hatte eigenen Angaben zufolge Jonny K. nicht geschlagen, sondern dessen Freund. Der Anwalt von Jonny K.s Familie machte alle Angeklagten verantwortlich. Das Verhalten nach der Tat "war feige und ohne Ehre", sagte Jörg Rehmsmeier. Die jungen Männer hatten sich nicht gekannt. Sie waren nach Feiern in Lokalen am Alexanderplatz zufällig aufeinandergetroffen.

Auch Nebenkläger Roland Weber betonte, egal, wie das Urteil ausfalle, alle seien an einem ungeheuerlichen Geschehen beteiligt. "Ein junger Mann wird einfach so totgeschlagen, in der Öffentlichkeit und aus völlig banalem Anlass", begründete Weber die enorme Anteilnahme. Viele haben sich gefragt, ob der Alexanderplatz ein Hort des Verbrechens sei. Wann das Urteil verkündet wird, ist bisher unklar.

ds/DPA/AFP / DPA