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Prügelstrafe für Chorschüler: Auch Papstbruder verteilte Ohrfeigen

Der Skandal um Prügel und Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen macht auch vor dem früheren Domkapellmeister Georg Ratzinger nicht halt. Der Bruder von Papst Benedikt hat nun zugegen, bei Chorproben früher selbst ein paar Ohrfeigen verteilt zu haben.

Im Zuge der Missbrauchsvorwürfe gegen kirchliche Einrichtungen hat nun auch Papstbruder Georg Ratzinger zugegeben, Zöglinge geohrfeigt zu haben. Außerdem habe er von den Prügel-Praktiken in der Internatsvorschule der Regensburger Domspatzen gehört, sei aber nicht eingeschritten.

Der "Passauer Neuen Presse" sagte der Bruder von Papst Benedikt XVI. mit Blick auf den Internatsleiter: "Das Ausmaß dieser brachialen Methoden von Direktor M. war mir nicht bekannt. Wenn ich gewusst hätte, mit welch übertriebener Heftigkeit er vorging, dann hätte ich schon damals etwas gesagt." Er verurteile das Geschehene und bitte die Opfer um Verzeihung.

Sänger-Klagen auf Konzertreisen

Der frühere Domkapellmeister gab der Zeitung zufolge zu, bis zum Ende der 70er Jahre in den Chorproben selbst hin und wieder Ohrfeigen verteilt zu haben, doch habe er nie jemanden grün und blau geschlagen. Zur Begründung seiner damaligen Verhaltensweise sagte der langjährige Chorleiter: "Früher waren Ohrfeigen einfach die Reaktionsweise auf Verfehlungen oder bewusste Leistungsverweigerung." Doch sei er froh gewesen, als zu Anfang der 80er Jahre körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber ganz verboten wurden: "Daran habe ich mich striktissime gehalten, und ich war innerlich erleichtert."

Ratzinger räumte ein, einige seiner Sänger hätten ihm auf Konzertreisen erzählt, wie es ihnen in der Vorschule ergangen sei. Doch seien bei ihm diese Berichte nicht so angekommen, "dass ich glaubte, etwas unternehmen zu müssen". Außerdem sei die Internatsvorschule eine völlig selbstständige Institution gewesen, in die man nicht habe hineinregieren können.

Vatikan begrüßt Runden Tisch

Unterdessen hat auch der Vatikan einen Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch in Deutschland bejaht. Dies sei ein richtiger Weg, um das Problem des Missbrauchs "umfassend und angemessen" mit sozialen und in der Erziehung tätigen Gruppen anzugehen, sagte Sprecher Federico Lombardi am Dienstag in Rom. "Natürlich ist die Kirche bereit, daran teilzunehmen und sich zu engagieren", fügte er an. "Wahrscheinlich kann ihre schmerzliche Erfahrung ein nützlicher Beitrag auch für andere sein."

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte einen umfassenden Runden Tisch zum Thema Missbrauch für den 23. April angekündigt.

Lombardi trat Vorwürfen entgegen, die Kirche habe angesichts der Welle von Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen nicht entschlossen genug gehandelt. Das Problem sei von der Kirche "entschieden und prompt" angegangen worden, sagte er. "Die Anschuldigungen jetzt allein auf die Kirche zu konzentrieren, das führt dazu, die Sicht zu verfälschen", heißt es in der Stellungnahme Lombardis für Radio Vatikan außerdem. Denn die Missbrauchsfälle beträfen nicht allein die katholische Kirche.

DPA/APN / DPA