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Missbrauch: Mauern des Schweigens

Jahrelang soll der Kinderpsychiater Dr. Wulf Aschoff kleine Patienten missbraucht haben. Vorgesetzte, Kollegen und Vertreter der Behörden hielten den Mund - trotz vieler Hinweise. Bevor er sich vor Gericht verantworten musste, beging der Arzt Selbstmord

Als eine Nachbarin den Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Wulf Aschoff gegen 13.30 Uhr in seiner Freiburger Wohnung fand, war er schon seit Stunden tot. Der 56-Jährige hatte sich eine Plastiktüte über den Kopf gezogen und war qualvoll erstickt. In seinem Magen fanden Gerichtsmediziner die Reste starker Beruhigungsmittel. So hatte sich 1990 auch der US-Psychoanalytiker Bruno Bettelheim umgebracht - Aschoffs großes Vorbild.

Dr. Wulf Aschoff hatte alles verloren. Seinen Job, seinen guten Ruf, die Zulassung als Arzt. Im Juli 1999 war von der Staatsanwaltschaft Hildesheim Anklage gegen den ehemaligen Leiter des Albert-Schweitzer-Therapeutikums in Holzminden erhoben worden. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch von Patienten. Nach den Ermittlungen der Polizei soll Aschoff ihm anvertraute Kinder unter dem Deckmantel ärztlicher Untersuchungen über Jahre hinweg nackt in verschiedenen Stellungen fotografiert und an ihren Geschlechtsteilen manipuliert haben. In Aschoffs Wohnung stellten die Beamten zahlreiche Nacktfotos von Kindern, Videofilme und eindeutige Tagebuchaufzeichnungen sicher.

Die Approbation war Aschoff schon ein Jahr zuvor von der Bezirksregierung Hannover entzogen worden. Damals hatte der Rostocker Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie Jörg Fegert die Untersuchungsmethoden des Psychiaters begutachtet. Das Ergebnis war schockierend. Der Klinikchef sei ein Pädophiler, der seine ärztlichen Untersuchungen jahrelang ausgenutzt habe, um eigene sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen. Aschoff wehrte sich. Er habe nur "neue Wege" in der Therapie gehen und seinen Patienten zu "einem intensiveren Körpergefühl verhelfen" wollen. Von Missbrauch könne keine Rede sein. Vor Gericht kämpfte Aschoff um seine Zulassung. Vergebens. Er sei eine "Gefahr für die Allgemeinheit" urteilten auch die Richter des Verwaltungsgerichts Hannover und bestätigten den Entzug der Approbation.

Am 22. Dezember des vergangenen Jahres sollte der Prozess gegen Aschoff in Hildesheim beginnen. Zwei Tage vorher richtete sich der Kinder- und Jugendpsychiater selbst. Die Staatsanwaltschaft hat die Akten inzwischen geschlossen. Der Fall ist erledigt. Eigentlich. Doch die Geschichte des Arztes, der jahrelang seine Patienten missbraucht hat, ist ein Lehrstück über das Wegsehen und das Schweigen. Ein Lehrstück, das zeigt, wie sehr Autorität und ein bekannter Name auch heute noch blenden können. Und wie wenige es wagen, dagegen aufzubegehren.

Seit dem Selbstmord des Mediziners klingelt bei Oberstaatsanwalt Albrecht Stange in Hildesheim fast täglich das Telefon. Noch immer melden sich ehemalige Patienten von Aschoff, die sexuelle Übergriffe anzeigen wollen. "Viele können nicht glauben, dass das Verfahren mit seinem Tod erledigt ist", sagt Stange. Einer von ihnen ist Olaf Müller*. "Jetzt wird sich niemand mehr damit auseinander setzen, was passiert ist", sagt der 22-Jährige bitter. "Und wir stehen als die Schuldigen an seinem Tod da."

"Alle haben's gewusst, keiner hat was gesagt"

Olaf Müller war zehn Jahre alt, als seine Eltern ihn zu Aschoff in die idyllisch gelegene Klinik "Lustiger Bach" in Holzminden schickten. Der "Zappelphilipp" litt unter Konzentrationsstörungen. Aschoff versprach schnelle Hilfe. "Das kriegen wir schon wieder hin", beruhigte er die Eltern. Doch Olaf Müller hat an die Therapiestunden bei dem angesehenen Psychiater nur die schlimmsten Erinnerungen. "Dr. Aschoff erklärte mir, dass ich Komplexe hätte, weil mein Penis zu klein sei. Dabei habe ich darüber nie nachgedacht", erinnert sich Olaf Müller. "Ich musste mich nackt ausziehen. Dann hat Aschoff meinen Penis in die Hand genommen und daran gerieben. 'Guck mal, wenn er steif ist, ist er ganz groß', sagte Aschoff. Dann hat er ein Lineal genommen und mein Glied gemessen."

Drei Jahre lang sei er regelmäßig zu Aschoff zur Therapie gegangen. Jedes Mal habe er die Prozedur über sich ergehen lassen müssen, erzählt Olaf Müller. Noch heute leide er unter den Folgen des Missbrauchs. "Ich fühlte mich jahrelang schlecht, hatte Schuldgefühle. Ich kann mich schwer auf jemanden einlassen. Meine erste Freundin hatte ich vor zwei Jahren." Damals vertraute er sich einer befreundeten Richterin an. "Längst verjährt", winkte die Juristin ab. Müller: "Da habe ich versucht, mir mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen."

Auch Anna Martens*, heute 23, war Patientin bei Dr. Aschoff. Die damals 12-Jährige litt unter Legasthenie. "Gleich bei der ersten Untersuchung sollte ich mich nackt ausziehen", erinnert sich die Studentin. "Ich hab noch gefragt: 'Auch die Unterhose?` Dr. Aschoff nickte. Dann musste ich nackt vor ihm auf- und ab laufen. Schließlich sagte er: 'Leg dich mal auf die Liege und mach die Beine breit.' Ich habe mich auf die Liege gelegt und den Kopf zur Wand gedreht, so geschämt habe ich mich. Mit den Fingern hat er meine Schamlippen gespreizt, sein Kopf ging ganz dicht runter. 'Deine Tage hast du aber noch nicht', sagte er dabei." Als Anna Martens sich Jahre später ihrer Mutter anvertraut, wendet die sich an eine Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes in Holzminden. "Da kann man nichts machen", wiegelt die Kinderschützerin ab. "Wir wissen das und wollen erst mal Fälle sammeln." Anna Martens stellt resigniert fest: "Alle haben's gewusst, keiner hat was gesagt."

14 Jahre lang war Aschoff Chef der vom Albert-Schweitzer-Familienwerk getragenen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Holzminden. In dieser Zeit sind dort etwa 500 Patienten behandelt worden. Rund 7000 wurden ambulant betreut. Darunter viele Kinder aus zerrütteten Familien, die zu Hause sexuell missbraucht worden waren. Dass Aschoff Leiter des Therapeutikums werden konnte, verdankt er dem jahrelangen Schweigen seiner Kollegen. "Es muss festgestellt werden, dass Herr Aschoff trotz zahlreicher Hinweise sehr lange in dem Glauben bleiben konnte, dass solche Vermischungen ärztlichen Handels mit sexuell motivierten Handlungen ungestraft bleiben", kritisierte Jörg Fegert in seinem Gutachten. Doch geschwiegen wurde nicht nur in Holzminden.

"Aschoff stammte aus einem guten Stall"

Heidelberg, 1983. Professor Manfred Müller-Küppers, ärztlicher Direktor der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Heidelberg, schätzt seinen Oberarzt Wulf Aschoff sehr. Seit etwa einem Jahr arbeitet der 40-Jährige jetzt in der Klinik. Er will sich habilitieren und entlastet seinen Chef deshalb, wo immer es geht.Aschoff vertritt Müller-Küppers bei den Vorlesungen an der Universität. Er schreibt Gutachten fürs Jugendschöffengericht, hält sogar einen Vortrag auf dem Kongress der europäischen Kinderpsychiater im schweizerischen Lausanne. In einer Fachzeitschrift veröffentlicht Aschoff einen Artikel. Thema: "Gedankenlosigkeiten bei der körperlichen Untersuchung von Kindern und Jugendlichen".

"Aschoff stammte aus einem guten Stall", lobt Müller-Küppers seinen ehemaligen Oberarzt noch heute. Tatsächlich ist der Name Aschoff nicht nur Medizinern ein Begriff. Aschoffs Vater, ein bekannter Professor für Nachrichtentechnik, wurde mit dem Großen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Sein Großvater war ein berühmter Pathologe, der 1904 die Rheumaknoten im Herzmuskel, die Aschoff-Tawara-Knoten, entdeckt hat. Sein Name steht sogar im Brockhaus. Wulf Aschoff schmückt sich gern mit seiner renommierten Familie. Doch den Mitarbeitern der Klinik ist der Oberarzt suspekt. "Er hat oft davon geschwärmt, wie schön er nackte Jungenkörper fände", berichtet Helmut B., damals Assistenzarzt. Sein Kollege Dieter M. wird deutlicher: "Aschoff hat oft anzügliche Bemerkungen über seine Patienten gemacht."

Eines Abends erscheint Aschoff gegen 21 Uhr auf der Station. "Der Martin* soll dann mal allein zu mir nach oben kommen", sagt der Oberarzt zur Nachtwache. Der Pfleger denkt sich nichts dabei und ruft den Jungen.

Wenige Tage später begleitet die Sozialpädagogin Andrea V. ein 13-jähriges Mädchen zur Untersuchung. "Plötzlich bleibt das Kind abrupt stehen, zieht mich am Arm und sagt: 'Ich lass mich aber nicht nackt fotografieren'", erinnert sich Andrea V. Die Sozialpädagogin versucht, das Kind zu beruhigen. "'Hier wird doch niemand nackt fotografiert, wie kommst du denn darauf?', habe ich gefragt. Aber das Mädchen war ganz aufgeregt. Es hat gesagt: 'Die Jungs haben erzählt, dass Dr. Aschoff sie nackt fotografiert'."

Uungläubig geht Andrea V. dem Hinweis nach. Der Pfleger bestätigt ihr, dass Aschoff tatsächlich abends mit einer Kamera auf die Station gekommen sei. Auch der Junge, den er zu sich gerufen hatte, erzählt, dass er von Aschoff nackt fotografiert worden sei. Andrea V. weiht eine Psychologin und den Assistenzarzt Dieter M. ein. Gemeinsam stellen sie Aschoff zur Rede. Der verbittet sich die Nachfrage. Die Frauen gehen zu Müller-Küppers. Doch auch beim Chef finden sie kein Gehör.

"Aschoff war ein Pädophiler, der seine Stellung ausgenutzt hat"

Am Tag darauf lenkt Aschoff plötzlich ein. Der fragliche Film soll ins Labor geschickt werden. Doch als der Film zurückkommt, ist er schwarz, so, als wäre er nie belichtet worden. Noch bevor die Sache endgültig geklärt werden kann, kündigt Aschoff - von heute auf morgen. Müller-Küppers stellt keine Fragen, sondern schreibt ihm ein gutes Zeugnis. "Insbesondere im therapeutischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen war er überdurchschnittlich erfolgreich", lobt der Chef den Kollegen - und schweigt.

"Aschoff war ein Pädophiler, der seine Stellung als Arzt ausgenutzt hat", sagt Müller-Küppers. Der heute 75-Jährige ist inzwischen im Ruhestand. Auf die Frage, ob er diesen Verdacht schon damals hatte, gibt er eine bemerkenswert offene Antwort. "Ja, in der letzten Phase hatte ich diesen Verdacht." Und warum hat er Aschoff nicht gestoppt? "Rechtlich gesehen hatte er einen Anspruch auf ein gutes Zeugnis, und ich wusste ja auch nie genau, was damals wirklich geschehen war", sagt Müller-Küppers. "Ich bin ja jetzt ein alter Mann. Niemand wird mir mehr einen Vorwurf machen - außer ich mir selbst vielleicht."

Wulf Aschoff findet schnell einen neuen Job. Er wird Leiter eines Kinderdorfes im bayerischen Naila bei Hof. Dort lernt er den Sozialarbeiter Heiner Theiss kennen. Der Geschäftsführer des Albert-Schweitzer-Familienwerks in Niedersachsen will in Holzminden eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufbauen und sucht noch einen Leiter. Aschoff scheint für diesen Job genau der richtige Mann zu sein. Theiss: "Er hatte die besten Zeugnisse. Ich war richtig stolz, so eine Koryphäe für uns zu gewinnen."

Aschoff zieht mit seiner Familie nach Holzminden, eine Stadt mit 22.000 Einwohnern im Weserbergland. Das alte Fachwerkhaus, in dem die Klinik untergebracht werden soll, wird von Grund auf renoviert. Aschoff gestaltet die Klinik nach seinen Vorstellungen. Anregungen holt er sich aus dem Buch "Der Weg aus dem Labyrinth" von Bruno Bettelheim. Holzgetäfelte Decken und Wände schaffen eine gemütliche Atmosphäre. Die geräumigen Badezimmer sind mit bunten Kacheln bestückt. Im Keller gibt es eine Sauna und einen Swimmingpool. Das Untersuchungszimmer liegt etwas abseits. Es ist durch eine Doppeltür und einen kleinen Vorraum von den übrigen Räumen getrennt.

Aus dem Ärzteblatt erfahren Aschoffs ehemalige Kollegen, dass ihr Oberarzt Chef einer Kinderklinik in Holzminden geworden ist. "Da muss man doch was machen", sagt Andrea V. zu Dieter M. Der fragt zurück: "Aber was?" Die Ex-Kollegen schweigen. "Heute bereue ich das", sagt Dieter M., "wenn wir Anzeige erstattet hätten, wäre das Rad wenigstens mal ins Rollen gekommen."

Aschoff lebt sich gut in Holzminden ein. Der Klinikchef verkehrt in den besten Kreisen. Er geht beim Gemeindepfarrer ein und aus. Mit dem Oberkreisdirektor ist er per du. Die Klinik hat inzwischen 21 Betten. Mit eigener Schule, Bewegungszentrum und Pferdestall wird das Therapeutikum als Vorzeigeeinrichtung des Albert-Schweitzer-Familienwerks über die Grenzen Holzmindens bekannt. Aschoff gründet einen Arbeitskreis gegen sexuellen Missbrauch. Er hält Vorträge vor Jugendrichtern, Staatsanwälten und Mitarbeitern von Beratungsstellen, tritt als Gutachter vor Gericht auf.

Doch hinter vorgehaltener Hand wird über die Untersuchungsmethoden des Psychiaters getuschelt. Im "Lustigen Bach" ist es üblich, dass die Kinder gemeinsam mit ihren Betreuern nackt baden. Vor dem Schlafengehen werden sie mit Öl eingerieben. Einem Vater, der sich darüber wundert, dass Aschoff Fotos von seinem Sohn schießt, als der nackt im Sand spielt, erklärt der Arzt, er brauche die Fotos für wissenschaftliche Zwecke. Ihnen sei nie etwas aufgefallen, betonen Mitarbeiter Aschoffs noch heute. Dabei haben sich mehrere Eltern bei Aschoffs Stellvertreter, Dietrich A. beschwert. Doch der leitet die Beschwerden nur an den Chef weiter - und schweigt.

Alle schweigen. Jahrelang. Nichts geschieht.

Die Kripo Holzminden ermittelt im Lauf der Jahre mehrfach gegen Aschoff. Doch die Verfahren werden immer wieder eingestellt. 1988 beauftragt die Staatsanwaltschaft sogar den Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Christian Schnetzer aus Hannover damit, Aschoffs merkwürdige Untersuchungsmethoden zu überprüfen. "Ich habe damals schon mein Befremden über solche Praktiken geäußert", erinnert sich Schnetzer. Doch auch diesmal verläuft die Sache im Sande.

Auf einer Tagung nimmt Aschoffs ehemaliger Vorgesetzter Müller-Küppers den bekannten Kinder- und Jugendpsychiater Professor Dr. Friedrich Specht aus Göttingen zur Seite. Specht ist Sprecher des Niedersächsischen Arbeitskreises für Kinder- und Jugendpsychiatrie. "Wie kommen Sie denn mit dem Aschoff zurecht?", will Müller-Küppers "von Kollege zu Kollege" wissen. Specht: "Ich wusste damals gar nicht, was er meinte. Er hat das auch nicht weiter konkretisiert. Hätte er mir doch bloß einen Wink gegeben."

Bei den Kinderärzten in Holzminden und Umgebung melden sich Eltern, deren Kinder nach der Untersuchung bei Aschoff völlig verstört sind. Sie berichten, der Arzt habe an den Geschlechtsteilen manipuliert und sie nackt fotografiert. "Ich habe keine Patienten mehr zu Aschoff überwiesen", sagt ein Kinderarzt. "Aber beweisen konnte man nichts, und Aschoff war wer." Er habe Aschoffs Methoden in der Gruppe der Pflege- und Adoptiveltern immer wieder zur Sprache gebracht, erzählt ein Vater. Doch Luise Ahaus, Leiterin der städtischen Pflegekinder- und Adoptionsvermittlung, habe derlei Bedenken stets zerstreut. "Stimmt nicht", wehrt sich Ahaus, "es gab jahrelang nur so nebulöse Aussagen, mit denen man nichts anfangen konnte." Alle schweigen. Jahrelang. Nichts geschieht.

1995 feiert das Albert-Schweitzer-Therapeutikum sein zehnjähriges Bestehen. Zur Feier lädt Aschoff auch Müller-Küppers ein. Sein ehemaliger Chef soll die Festrede halten. Doch der will nicht. "Ich habe ihm geschrieben, dass ich nicht kommen würde, weil die Vorwürfe aus seiner Heidelberger Zeit ja noch immer nicht geklärt seien", sagt er. Zum Jubiläum gibt Aschoff ein Buch heraus: "Pubertät - Erregungen um ein Lebensalter". Das Buch sollte informieren über das, "was man als Erwachsener wissen sollte, wenn man Verantwortung hat für Heranwachsende".

Unter den Autoren ist auch der Kinder- und Jugendpsychiater Friedrich Specht. Als das Buch 1996 erscheint, melden sich Kollegen bei dem Psychiater und erzählen ihm von den fragwürdigen Untersuchungsmethoden des Klinikchefs. Da fällt Specht die merkwürdige Begegnung mit Müller-Küppers ein. Und er schreibt Aschoff einen Brief. "Im Lauf der vergangenen Monate habe ich mehrere Mitteilungen erhalten ... Es ging dabei jeweils um Zweifel an der Notwendigkeit des Umfangs der von Ihnen selbst vorgenommenen körperlichen Untersuchungen, insbesondere auch im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane." Er fordert Aschoff "mit aller Bestimmtheit" auf, die Untersuchungen auf das medizinisch Notwendige zu beschränken.

Etwa zur gleichen Zeit, im September 1996, besichtigen vier Mitglieder der Besuchskommission für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung im Regierungsbezirk Hannover die Klinik. Das ehrenamtliche Gremium, in dem Psychologen, Ärzte, Sozialarbeiter, Juristen und Angehörige von Psychiatrie-Patienten sitzen, kontrolliert im Auftrag des niedersächsischen Sozialministeriums solche Einrichtungen. Der Besuch in Holzminden ist nicht angemeldet. Aschoff ist zunächst sichtlich überrascht, führt die Kontrolleure aber dann durchs Therapeutikum. Obwohl die Klinik auf den ersten Blick wie ein Paradies für Kinder aussieht, werden die Besucher skeptisch. "Es herrschte so eine ganz eigentümliche Stimmung in der Klinik. Irgendwas stimmte da nicht", sagt die Psychologin Gisela Hirschler. Nach dem Besuch erkundigen sich die Kommissionsmitglieder bei den Kinderärzten nach dem Therapeutikum.

Wie die Mauer des Schweigens bröckelt

Plötzlich bröckelt die Mauer des Schweigens. Ein Kinderarzt stellt den Kontakt zu Eltern her, die sich beschwert haben. Die Kommission sammelt die Fälle und bittet Aschoff um eine Stellungnahme. Doch der reagiert nicht. Immer mehr Eltern, ehemalige Patienten, Sozialarbeiter und Kollegen von Aschoff melden sich.

Im Dezember 1996 schickt die Besuchskommission einen Bericht an den Vorstand des Albert-Schweitzer-Therapeutikums, an die Bezirksregierung Hannover und an die Staatsanwaltschaft Hildesheim. Nichts geschieht. Die Kommission schreibt die Ärztekammer, das Sozialministerium und die Bezirksregierung an. Zunächst reagiert niemand. Auch der Vorstand des Albert-Schweitzer-Therapeutikums rührt sich nicht. "Aschoff hat mich damals angelogen", verteidigt sich Heiner Theiss, Geschäftsführer des Familienwerks. "Er hat gesagt, er würde nur Porträtfotos von den Kindern machen." Die Ärztekammer will den Vorfall diskret erledigen. Aschoff wird zum Gespräch beim Präsidenten geladen und streitet alles ab. Auch dass gegen ihn ermittelt wird, scheint ihn nicht zu beunruhigen: "Es gibt verschiedene Therapie-Ansätze, das verstehen einige eben nicht."

Im Juli kommt der Bescheid von der Staatsanwaltschaft. Es sei "nicht Aufgabe des Strafrechts, wissenschaftlich möglicherweise umstrittene Methoden zu prüfen", teilt die Behörde mit. Die angeführten Fälle seien verjährt, die Beweislagen schlecht. Außerdem hält der Staatsanwalt Aschoff zugute, dass er vor Jahren den Artikel zum Thema "Gedankenlosigkeiten bei der körperlichen Untersuchung" geschrieben habe.

Jetzt meldet sich bei der Erziehungs- und Beratungsstelle Holzminden ein Junge, der behauptet, von Aschoff missbraucht worden zu sein. Das Jugendamt leitet die Beschwerde an die Bezirksregierung weiter. Die gibt im Oktober 1997 Professor Dr. Jörg Fegert aus Rostock den Auftrag, die Untersuchungsmethoden Aschoffs genau zu prüfen. Fegert spricht mit Zeugen, unterzieht sie einem Glaubwürdigkeitstest und erhält Kopien der Ermittlungsakten. Vier Monate später legt er sein Gutachten vor. Für ihn besteht kein Zweifel: Aschoff ist ein Pädophiler, der sich unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit über Jahre hinweg eine perfekte Tarnung zugelegt hat. Seine Untersuchungsmethoden seien eindeutig sexualbezogen und hätten keinen medizinischen Hintergrund: "Es kann davon ausgegangen werden, dass Herr Aschoff durch solche pädophilen Handlungen mehreren Patienten nachhaltig geschadet hat."

Mit der Staatsanwaltschaft, die das Verfahren auch mit dem Hinweis auf Aschoffs Aufsatz eingestellt hat, geht Fegert hart ins Gericht. Es sei "gängiges forensisches Fachwissen, dass sich unter den Subgruppen pädophiler Täter auch eine Gruppe meist hochintelligenter Pädagogen befindet, die die spezielle Vertrauensstellung ihres Berufes nutzt".

Trotz des eindeutigen Gutachtens dauert es noch vier Monate, bis Aschoff im Mai 1998 die Zulassung entzogen wird. Wenige Tage später verabschiedet sich der Klinikchef plötzlich aus Holzminden. Er wolle sich selbstständig machen, erklärt er den verdutzten Kollegen. Die Mitarbeiter organisieren für ihren Chef ein Abschiedsfest.Aschoff lässt sich nichts anmerken. Unter seiner Führung sei die Klinik "von der kränkelnden Frühgeburt zum vitalen, psychisch wie physisch gesunden Kind geworden", lobt er sich selbst. Aschoff zieht nach Freiburg - in das Haus seines berühmten Großvaters. Auf dem Anrufbeantworter läuft die Ansage: "Sie sind verbunden mit der Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie von Dr. Wulf Aschoff."

Zwei Wochen nachdem der Arzt Holzminden verlassen hat, sickert der wahre Grund für seinen überstürzten Abschied durch. Die "Neue Westfälische" veröffentlicht Teile des Fegert-Gutachtens. Bei der Staatsanwaltschaft melden sich zwei weitere Jungen, die behaupten, während der Untersuchung missbraucht worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft durchsucht Aschoffs Wohnung und findet die Nacktfotos. Im Juli 1999 wird Anklage gegen den Arzt erhoben. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagt Aschoff vor seinem Freitod dem stern, "vor Gericht werde ich das beweisen." Dazu kommt es nicht mehr.

"Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin", heißt es im Psalm 139, den Aschoffs Familie für seine Todesanzeige ausgesucht hat. In der Kirche werden Kerzen für den Arzt angezündet. "Für die Opfer hat niemand eine Kerze angezündet", empört sich Olaf Müller. Kurz nach Aschoffs Tod hat er einen anonymen Anruf bekommen. "Du hast das Leben der Familie zerstört", zischte der Anrufer. Olaf Müller ist danach aus Holzminden weggezogen.

Kürzlich erschien eine großformatige Anzeige in der Zeitung. "Wir trauern mit der Familie um Dr. med. Wulf Aschoff. Sein Tod hat uns tief erschüttert." Unterschrieben haben ein Zahnarzt, eine Lehrerin und der Gemeindepfarrer Joachim Franke, einer der Autoren in Aschoffs Buch.

"Aschoff war immer jemand, der ungewöhnliche Wege ging", sagt der Pfarrer. "Was wollen Sie eigentlich noch?", fragt er plötzlich. "Der Fall ist doch erledigt." Wirklich?

18jähriger Kater und Welpe geht das?
Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich eigentlich nicht So gut auf Hunde zu sprechen also wenn ein Hund an seinem Garten vorbeigeht springt er schon hinterm Zaun ein bisschen hoch und fängt an zu fauchen. Denkt ihr nicht das Man wird vorsichtiger Eingewöhnung es schaffen könnte dass die beiden sich verstehen? LG und danke im Voraus