VG-Wort Pixel

1000 Stockhiebe für Raif Badawi Nobelpreisträger fordern saudische Wissenschaftler zum Protest auf


In einem offenen Brief haben 18 Nobelpreisträger saudische Kollegen aufgefordert, sich deutlich von der Strafe gegen Blogger Raif Badawi zu distanzieren. Dieser ist 1000 Stockhieben verurteilt worden.

Sie sollten sich gegen die Bestrafung eines Bloggers mit Stockhieben positionieren, fordern 18 Nobelpreisträger von ihren saudiarabischen Wissenschaftskollegen. In einem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief an die König-Abdullah-Universität (Kaust) heißt es, die "grausame Verurteilung" Raif Badawis zu 1000 Stockhieben habe "einen Schock um die ganze Welt" geschickt. Durch die "schweren Einschränkungen" der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit drohe der Wissenschaftsszene Saudi-Arabiens die Isolierung.

Zu den Unterzeichnern gehören Chemiker, Physiker, Mediziner, aber auch der südafrikanische Literaturnobelpreisträger John Coetzee. Sollten sich einflussreiche Stimmen an der Kaust für das Recht auf Dissens aussprechen, dann "wird dies gehört", heißt es in ihrem Brief. Die Zeit in Saudi-Arabien sei reif für ein "neues Denken".

Badawi war wegen "Beleidigung des Islams" zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilt worden. Der Grund: Er hatte auf seiner Internetseite Liberal Saudi Network die Religionspolizei immer wieder für ihre harte Durchsetzung der strengen Auslegung des Islams kritisiert. Vor anderthalb Wochen musste Badawi auf einem Platz vor einer Moschee in Dschidda die ersten 50 Schläge über sich ergehen lassen. Die restlichen 950 Hiebe sollen in 19 weiteren Etappen folgen.

Ehefrau nach Kanada geflüchtet

Der zweite Teil der Strafe wurde am vergangenen Freitag ausgesetzt. Die Wunden der Hiebe aus der Vorwoche waren noch nicht ausreichend verheilt. Ensaf Haidar, die Ehefrau des 31-jährigen Bloggers, hofft, dass große öffentliche Aufmerksamkeit Druck auf die saudische Regierung ausüben kann. "Ich habe große Hoffnung, dass Raif keine zehn Jahre im Gefängnis verbringen muss", sagte sie gegenüber der britischen Tageszeitung "The Guardian". Sie selbst war bereits 2011 mit den drei gemeinsamen Kindern nach Kanada geflohen.

Der Fall hat international für Empörung gesorgt. Neben Amnesty International haben auch die EU-Kommission und die US-Regierung die Strafe scharf verurteilt.

ono/AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker