Raubüberfall auf Pokerturnier "Eine neue Dimension von Dummheit"


Die Täter, die ein Pokerturnier in Berlin überfallen haben, hinterließen "Berge von Spuren". Trotzdem hat die Polizei noch keine Spur von ihnen.

Auch zwei Tage nach dem spektakulären Raubüberfall auf ein Pokerturnier in Berlin tappt die Polizei noch im Dunkeln. "Es gibt noch keine heiße Spur", sagte ein Polizeisprecher am Montagnachmittag. Für die Polizeigewerkschaft haben die Täter "eine neue Dimension von Dummheit" an den Tag gelegt, weil sie den Überfall vor laufenden Kameras begingen. Der Veranstalter kündigte schärfere Sicherheitsmaßnahmen an. Das nächste Turnier findet am 21. März im österreichischen Wintersportort Saalbach-Hinterglemm statt.

Vor laufenden Kameras hatten am Samstag vier bewaffnete und maskierte Männer das internationale Pokerturnier in einem Berliner Luxushotel überfallen und dabei rund 200.000 Euro erbeutet. Auf dem Turnier entstand eine Panik. Sieben Teilnehmer wurden leicht verletzt. Die Gangster konnten unerkannt entkommen. Der Coup wurde aber mehrfach gefilmt, und es gab Hunderte Zeugen. Trotz Schocks bei einigen Teilnehmern wurde weitergespielt.

Sieger des größten Pokerturniers Deutschlands wurde schließlich der US-Amerikaner Kevin MacPhee. Er bekam eine Siegprämie von einer Million Euro. Die Veranstalter teilten mit, nach dem Überfall sehe man sich gezwungen, "die bereits strengen Sicherheitsvorkehrungen noch weiter zu erhöhen".

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, kam zu dem Schluss, die Tat sei offensichtlich nicht von Profis, sondern von Dilettanten verübt worden. "Sowohl die Bewaffnung als auch das Vorgehen der Täter als auch die Berge von Spuren, die sie ganz offensichtlich hinterlassen haben, die deuten schon darauf hin, dass die Polizei diese Täter sehr schnell ermitteln wird.

Wendt bescheinigte den Tätern "eine neue Dimension von Dummheit, vor laufenden Kameras eine solche Tat zu begehen". Er riet den Räubern, sich gleich der Polizei zu stellen und die Beute gleich mitzubringen. "Vielleicht gibt es ein paar Jahre weniger Knast."

Wendt sagte, ein Veranstalter, der auf einem internationalen Turnier eine Million Euro in bar offen herumliegen lasse, der müsse auch Sorge dafür tragen, dass genügend Sicherheitspersonal da sei. "Ein einziger Wachmann und ein Hotelpraktikant reichen da wirklich nicht aus", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende.

Die Täter hatten laut "Bild"-Zeitung genau den Moment abgepasst, in dem zwei Sicherheitsleute essen waren und zwei weitere die Startgelder des Turniers vom Neben- in den Haupttresor bringen wollten. Der 36 Jahre alte Sicherheitsmann, der eine Absperrstange und einen Laptop auf die Täter geschleudert hatte, um sie aufzuhalten, sagte dem Blatt: "Meine Kollegen und ich waren ohne Waffen. Das muss extra gebucht werden."

Der Wachmann hatte einen der Täter zunächst überwältigen und zu Boden bringen können. Dabei landete nicht nur der Revolver des Räubers, sondern auch ein Geldkoffer, in dem der Hauptteil der Beute gewesen sein soll, auf dem Boden. Ein Hotelpage konnte den Geldkoffer in Sicherheit bringen.

Doch als zwei bewaffnete Täter zurück ins Hotel stürmten, ließ der Wachmann den maskierten Mann wieder aus dem "Schwitzkasten" frei. "Ich bin mutig, aber nicht lebensmüde", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Vera Fröhlich, APN APN

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