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Rauschgiftschmuggel: Transitstrecke für Dealer

An der deutsch-niederländischen Grenze gehören Drogenfunde zur Normalität, Kokain ist gegenwärtig besonders beliebt. Die Fahnder führen einen Kampf gegen Windmühlenflügel.

"Spike" ist wie aufgezogen, als sein Herrchen Jürgen Faets ihm "grünes Licht" zum Schnüffeln an der Autokarosserie gibt. Der belgische Schäferhund springt der Reihe nach an alle vier Radkästen, reibt seine geschulte Nase an den Türen und wird schließlich unter der vorderen Stoßstange fündig. Ein dort verstecktes Päckchen riecht nach Haschisch. Der Rauschgiftspürhund des Zollfahndungsamtes Essen hat einen Drogenschmuggler auffliegen lassen. Für "Spike", Faets und die Kollegen von der Zollfahndung ist diese Arbeit Alltag. An der deutsch-niederländischen Grenze gehören Drogenfunde zur Normalität.

Am deutschen Grenzabschnitt wurden im vergangenen Jahr Schmuggler mit 33 Kilogramm Heroin, 98 Kilogramm Kokain und mehr als 1,5 Tonnen Cannabis-Drogen erwischt. Die Haftrichter schickten 524 Verdächtige in Untersuchungsgefängnisse. Allein im Zuständigkeitsgebiet des Zollfahndungsdienstsitzes Nordhorn wurden 2004 zwischen Leer in Ostfriesland und Oeding in Nordrhein-Westfalen 6,5 Kilogramm Heroin, 24 Kilogramm Kokain, 328 Kilogramm Haschisch und 224,5 Kilogramm Marihuana gefunden. Hinzu kamen 21 Kilogramm Amphetamine und 186.000 Ecstasy-Tabletten.

"Immense Dimension"

"Die Dunkelziffer ist hoch", sagt Oberamtsrat Heinrich Rabe, Leiter des Zollfahndungsamtes in Nordhorn. Schätzungen gehen davon aus, dass den Fahndern und Kontrolleuren von Zoll, Bundesgrenzschutz und Polizei lediglich zwei bis drei Prozent des tatsächlich geschmuggelten Rauschgifts in die Hände fallen. "Die Dimension, die eingeschmuggelt wird, ist immens", sagt der Zollfahnder.

Die Autobahn 30 Amsterdam-Osnabrück ist nach Angaben von Haro Häfner, Sprecher des Zollfahndungsamts Essen, eine der Hauptstrecken der Drogenschmuggler. Bei Bad Bentheim kommen die Kuriere - vom Profi-Kriminellen über Lehrer bis zu Geschäftsleuten ist die Bandbreite groß - aus den Niederlanden über die Grenze nach Deutschland und verteilen den oft todbringenden Stoff auf den deutschen, aber auch auf den Drogenmärkten vieler anderer europäischer Länder. Rund 60 Fahnder setzt der Zoll dagegen. Sie sollen versuchen, die größeren Fische aus dem Verkehr zu ziehen. Hinzu kommen die mobilen Kontrollgruppen der Hauptzollämter, in Niedersachsen vor allem Osnabrück. Sie stoppen Autos und hoffen auf eher zufällige Funde.

Oberamtsrat Rabe hat in seinen langen Berufsjahren in Nordhorn schon viel erlebt. "Modedrogen" kamen und gingen, genauso wie immer neue Tricks der Schmuggler. "Die Osteuropäer präparieren ihre Fahrzeuge sehr aufwendig, mit ausgeklügelten Verstecken", weiß er aus Erfahrung. So würden etwa Tankzylinder mit doppeltem Boden versehen oder Bodenplatten eingesetzt. Andererseits sei auch bei Schmugglern ein Trend zur Lässigkeit erkennbar. "Viele haben das Zeug einfach in einer Tüte auf dem Rücksitz liegen - so hat es offenbar schon öfter problemlos geklappt." Gegenwärtig ist Kokain besonders beliebt. "Das ist mittlerweile zu einem günstigen Preis zu haben", sagt Rabe. LSD-Trips, in den 70er Jahren besonders berüchtigt, seien dagegen "out".

Kampf gegen Windmühlenflügel

Rabe weiß, dass er mit seinen Leuten einen Kampf gegen Windmühlenflügel führt. In den Niederlanden und auch in Deutschland wird auf großen, illegalen Plantagen teils gewerbsmäßig Haschisch angebaut. Das so genannte "Nederwiet" ("niederländisches Gras") hat einen viel größeren Wirkstoffgehalt als Cannabisprodukte etwa aus den Ländern Nordafrikas. Zunehmend versuchen die Fahnder, auch verdeckt tätig zu werden. Ist ein Verdacht erhärtet, versuchen die Zöllner, Schmuggler möglichst auf frischer Tat zu überführen. Dann kommt wieder die große Stunde von Spürhund "Spike". Seit drei Jahren tut der Vierbeiner inzwischen für den Zoll seinen Dienst.

Michael Donhauser/DPA / DPA