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Razzia bei Schwaben-Punks: Hausdurchsuchung aus der Zeitmaschine

"Haut die Bullen platt, wie Stullen": Vor 30 Jahren grölte die Punkband "Normahl" gegen Polizisten an. Nun holt sie ihre Vergangenheit ein, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Musiker.

Von Frank Brunner

Lars Besa ist auf dem Weg zur Arbeit, als vier Polizisten gegen sechs Uhr morgens an seiner Haustür im baden-württembergischen Winnenden klingeln. Deshalb öffnet seine Frau den Beamten. Die präsentieren einen Durchsuchungsbeschluss, wühlen sich durch Besas Plattensammlung, beschlagnahmen seinen Computer. Es ist der 31. Januar 2013 und die Ordnungshüter vermuten in der Wohnung des 47-jährigen Familienvaters CDs mit verbotenen Gewaltdarstellungen. So steht es in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Besa ist Sänger von "Normahl", eine der dienstältesten Punkcombos des Landes.

Arbeitsethos statt Punkrock

1983 veröffentlicht die Band die Songs "Bullenschweine" und "Pflasterstein flieg", in denen die Musiker – damals noch Teenager – zu wildem Gitarrengeschrammel "Haut die Bullen platt, wie Stullen" und "Doch wir werden siegen, wenn die Steine fliegen" grölen. Besa singt von blutigen Köpfen, einem brennenden Rathaus und halluziniert von brechenden Schädeln. Jahre später erkennt ein Ermittlungsrichter darin eine "besonders rücksichtslose Gesinnung" und ordnet die Beschlagnahmung aller Tonträger mit diesen Titeln an.

Darum stehen die Polizisten an jenem Morgen nicht nur in Besas Wohnzimmer, sondern durchsuchen zeitgleich auch die Häuser der übrigen Bandmitglieder. Der "Normahl"-Sänger hält das für überzogen. "Solche Zeilen sind eine satirische Überhöhung, wie sie typisch ist für Punkrock", sagt Besa gegenüber stern.de. Von Gewalt distanziere er sich entschieden. Entstanden seien beide Stücke seinerzeit als künstlerische Reaktion auf eine sehr aggressive Staatsmacht, die Punks allein wegen ihres Aussehens verhaftet habe.

Doch das ist lange her und auch Punker werden älter. Lars Besa führt mittlerweile den elterlichen Sanitärbetrieb in Leutenbach bei Winnenden und kümmert sich um Heizungen, Wannen und Wärmepumpen seiner Kunden. "Traditionell solides Handwerk und ständige Innovationen sind die Herausforderungen an den modernen Haustechniker", schreibt er auf der Internetseite seiner Firma. Schwäbisches Arbeitsethos statt Punkrockattitüde.

Mit "Normahl" spielt er nur noch wenige Konzerte im Jahr; die Musik ist melodiöser, die Texte sind differenzierter. Die Band ist aktiv in der "Stiftung gegen Gewalt an Schulen" und engagiert bei "Bunt statt braun" – einer Initiative, die unter anderem vom Bundesfamilienministerium und der Polizei unterstützt wird. Warum also interessiert sich die Staatsanwaltschaft in Stuttgart für drei Jahrzehnte alte Lieder?

"Strafrechtlich relevante Liedtextinhalte"

Die Geschichte dieser Ermittlungen beginnt im August 2011 etwa 400 Kilometer nordöstlich, in Callenberg, einer 5000-Seelen-Gemeinde in Sachsen. Es gibt dort ein stillgelegtes Sägewerk, einen Stausee und ein Schulmuseum, die Gegend gilt bislang nicht als sozialer Brennpunkt. Wäre da nicht der Jugendclub. Den hat die Abteilung "Politisch motivierte Kriminalität Links" des Sächsischen Landeskriminalamts (LKA) im Visier. Warum ausgerechnet Callenberg?

"Die ganz große Mehrzahl von Konzerten oder Jugendclubs sind für die Polizei nicht relevant", erklärt ein Polizeisprecher auf Anfrage von stern.de. Ein "polizeiliches Tätigwerden" erfolge nur, wenn man wisse, dass als "extremistisch eingestufte Bands oder einzelne, extremistisch eingestufte Bandmitglieder" auftreten oder es einen Verdacht auf "extremistische beziehungsweise strafrechtlich relevante Liedtextinhalte" gebe. Im konkreten Fall "lagen Informationen vor", das die Band "Normahl" in Callenberg gastiere, begründet die Polizei den Einsatz.

Sicher ist: Im Sommer 2011 recherchiert ein LKA-Beamter auf den Internetseiten des Dorfvereins. Während sich zu diesem Zeitpunkt nur knapp 30 Kilometer entfernt, in Zwickau, drei Neonazis des "Nationalsozialistischen Untergrunds" verstecken, ermittelt der Kriminalist die Bandmitglieder und weitere Auftrittsorte. Dann informiert er die Staatsanwaltschaft Dresden. Die Liedtexte seien "nicht mehr vom Grundrecht der freien Meinungsäußerung gedeckt", heißt es in einer Einschätzung der Staatsschützer.

Mitleid mit den Fahndern

Im September 2011 übernimmt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft den Fall und ermittelt zusätzlich wegen "Aufstachelung zum Rassenhass". Wenn Besa davon erzählt, wirkt er noch immer fassungslos. "Dieser Vorwurf war besonders absurd". Tatsächlich gehörte der Sänger 1992 zu den Initiatoren von "Kein Hass im wilden Süden", eine der größten Aktionen deutscher Musiker gegen Ausländerfeindlichkeit. Der stern verlieh Besa für seinen Einsatz gegen Rassismus seinerzeit den "Stern der Woche" und der damalige baden-württembergische Kultusminister Gerhard Mayer-Vorfelder (CDU) gab einen Tag schulfrei, damit die Schüler an der großen Kundgebung in Stuttgart teilnehmen konnten, wo vor 40.000 Menschen neben "Normahl" auch "Pur" und "Die Fantastischen Vier" auftraten. Zuletzt unterstützte die Gruppe junge Künstler beim Musikwettbewerb "Mach dein Ding gegen Rechts".

Es ist das Bundeskriminalamt (BKA), das schließlich den Irrtum aufklärt. Zwar seien in der Datenbank Rechtsextremismus mehrere Lieder mit dem Titel "Bullenschwein" registriert. "Leider handelt es sich um andere Interpreten und auch andere Tonträger", so das BKA. Die Ermittlungen wegen der Gewaltdarstellungen gegen Polizisten gehen indes weiter. Dabei hat der Alt-Punker sogar Verständnis für jene Beamten, die im Morgengrauen seine Wohnung filzten. "Die Polizisten", sagt Lars Besa, "die bei uns die Hausdurchsuchung durchführen mussten, taten uns fast leid."

P.S. Was sagen Sie zu dieser Justizposse? Müssen Sie als Ex-Punk womöglich auch die Staatsanwaltschaft fürchten? Verraten Sie es uns, auf unserer Facebook-Seite.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(