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Reaktion auf "Aktenzeichen XY ungelöst": Deutschland sucht nach Maddie

Die ZDF-Sendung war ein Quotenhit, und Hunderte Hinweise gingen ein: "Aktenzeichen XY ungelöst" mit dem Fall Maddie McCann beschert Scotland Yard eine Menge potenzieller Spuren.

Kate and Gerry McCann mit einem computergenerierten Bild ihrer Tochter. So könnte die damals dreijährige Maddie heute aussehen.

Kate and Gerry McCann mit einem computergenerierten Bild ihrer Tochter. So könnte die damals dreijährige Maddie heute aussehen.

Ob die TV-Fahndung bei "Aktenzeichen XY ungelöst" nach Madeleine McCann am Ende Erfolg hat, ist völlig ungewiss. Aber die Resonanz und die Hilfsbereitschaft der deutschen Zuschauer nach der Ausstrahlung der Sendung am Mittwochabend sind überwältigend - und geben den Eltern Kate und Gerry McCann vielleicht neue Hoffnung, ihr kleines Mädchen nach all den Jahren doch noch lebend zu finden.

"Aktenzeichen XY ungelöst" lenkte hierzulande eine Menge neuer Aufmerksamkeit auf den Fall Maddie McCann. Das damals dreijährige britische Mädchen verschwand vor sechseinhalb Jahren aus der Ferienwohnung der Familie in Praia da Luz an der portugiesischen Südküste.

7,26 Millionen Zuschauer verfolgten am Mittwochabend den Auftritt von Maddies Eltern in der ZDF-Sendung. Das entsprach einem Marktanteil von 24,3 Prozent, es war die stärkste TV-Sendung des Abends. Schon bevor der Fall ausgestrahlt wurde, "liefen die Telefonleitungen im XY-Studio in Unterföhring heiß", ist in einer knappen Meldung auf der Teletext-Seite des Senders am Tag danach zu lesen. Und um 23.15 Uhr, eine Stunde nach Ende der Sendung, seien mehr als 500 Hinweise gezählt worden. "Immer noch klingeln die Telefone".

Die McCanns absolvieren derzeit einen Medienmarathon, um der Aufklärung des Schicksals ihrer Tochter neuen Schub zu geben. Seit Jahren suchen sie auch mit einer Website nach Maddie, reisten um die Welt bis zum Papst. Ähnliche Fahndungen wie die am Mittwochabend im deutschen Fernsehen hatten an den Tagen zuvor das britische und das niederländische TV ausgestrahlt - diese hatten insgesamt mehr als 1000 Hinweise erbracht.

Mann mit dem Kind auf dem Arm

Treibende Kraft hinter der aufwändigen Suche nach neuen Spuren, die auch auf Druck der britischen Regierung erfolgte, ist Detective Chief Inspector Andy Redwood von Scotland Yard. Der Mann, der in der Sendung bei Rudi Cerne am Mittwoch mit seriös-dunklem Anzug und Ringelsocken auftrat, wertete in den vergangenen Jahren Tausende Hinweise so aus, dass sich am Ende zwei Verdächtige herauskristallisierten. Deren Phantombilder werden derzeit weltweit über die Presse verbreitet.

Redwood berichtete in der ZDF-Sendung von jungen Männern, die sich in den Tagen vor Maddies Verschwinden in der Ferienanlage aufhielten und sich verdächtig benahmen. Sie sollen möglicherweise Deutsch oder Niederländisch gesprochen haben. Und er sprach von einem Mann, der beobachtet wurde, als er am Tattag zur Tatzeit mit einem Kind auf dem Arm Richtung Strand verschwand. Aus Sicht von Redwood der mögliche Täter.

Vielleicht wurde Maddie damals ermordet. Ihre Eltern indes haben Hoffnung, dass sie lebt und vielleicht bei einer anderen Familie aufwächst. "Es gibt keinen Beweis dafür, dass Madeleine tot ist", sagte Gerry McCann im ZDF. Händchenhaltend saßen er und seine Frau bei Cerne im Studio. Kate McCann appellierte an das deutsche Fernsehpublikum: "Wenn Sie irgendetwas wissen, bitte bitte trauen Sie sich und melden Sie sich. Wir brauchen Ihre Hilfe."

Brauchbare Phantombilder nach so langer Zeit?

Die neue Welle öffentlicher Fahndung wird nicht nur wohlwollend betrachtet. So kritisierte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Christian Pfeiffer, die Veröffentlichung neuer Phantombilder scharf. "Es ist kriminalistisch Unsinn zu hoffen, dass sechs Jahre nach der Tat auf der Basis von damaligen Zeugenaussagen heute Phantombilder erstellt werden können, und dass diese zweifelhaften Bilder auch noch brauchbare Hinweise bringen könnten", hatte der Experte am Mittwoch, also vor der Ausstrahlung der deutschen Sendung den "Stuttgarter Nachrichten" gesagt. Dazu sei das menschliche Gedächtnis einfach zu schlecht.

Seit dem 3. Mai 2007 fehlt von Maddie jede Spur. Während die Eltern mit Freunden zum Abendessen in einer Tapas-Bar in dem portugiesischen Ferienort saßen, verschwand das Mädchen aus der rund 50 Meter entfernten Ferienwohnung. Ihre Geschwister, ein jüngeres Zwillingspärchen, lagen dagegen in ihren Bettchen, als wäre nichts geschehen. Zwischenzeitlich gerieten sogar die Eltern in Verdacht. Die These, sie hätten ihre Tochter versehentlich getötet und die Leiche beseitigt, wurde vor einigen Jahren von der portugiesischen Polizei vertreten. Beweise gab es keine.

"Wir sind zu fünft"

Im Gespräch mit Moderator Cerne erzählten die McCanns, was sie durchmachen, seitdem ihre kleine Tochter verschwunden ist. "Wir vermissen sie jeden Tag", sagte Gerry McCann. "Es ist immer noch schwer zu verstehen, dass etwas so Katastrophales, etwas so Unfassbares mit unserer Tochter geschehen ist", ergänzte seine Frau. "Wir sind zu fünft, auch wenn derzeit nur vier von uns zusammen sind."

Von Annette Berger