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Eklat im Prozess: Angebliches NSU-Opfer existiert gar nicht

Verwirrung beim NSU-Prozess in München: Ein vermeintliches Opfer eines Nagelbombenanschlags in der Kölner Innenstadt gibt es offenbar gar nicht. Einer der Anwälte legt sein Mandat nieder.

Ein Bild der Zerstörung bot sich nach einem Nagelbombenanschlag in der Kölner Kreupstraße (Archivfoto). 22 Menschen waren verletzt worden.

Ein Bild der Zerstörung bot sich nach einem Nagelbombenanschlag in der Kölner Kreupstraße (Archivfoto). 22 Menschen waren verletzt worden.

Meral K. soll bei einem Nagelbombenanschlag des NSU-Trios im Jahr 2004 verwundet worden sein - angeblich. Nun kam heraus: Die Nebenklägerin ist wohl nur ein Phantom. Nach Aussage ihres Anwalts ist Frau K. "offenbar gar nicht existent". Das sagte der Jurist Ralph Willms gegenüber Spiegel Online. Er sei von einem anderen vermeintlichen Opfer des Bombenanschlags an der Kölner Kreupstraße im Jahr 2004 getäuscht worden, so Willms. Dieser Mann, der ebenfalls als Nebenkläger im NSU-Prozess auftrete, habe vorgegeben, die Frau zu kennen. Er habe Willms auch ein Foto von ihr gezeigt, hieß es in der von Willms Verteidiger verbreiteten Erklärung.

Anwalt steigt aus Prozess aus

"Zufällig" habe sich jetzt herausgestellt, dass dieser Mann dasselbe Foto auch einem anderen Anwalt gezeigt, es dabei allerdings mit einer anderen Identität versehen habe. In der Mitteilung ist von "betrügerischen Machenschaften" dieses Mannes die Rede. "Spiegel Online" berichtet indes, Anwalt Willms habe sein Mandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt und das Oberlandesgericht München um seine Entbindung als Nebenklagevertreter im NSU-Verfahren gebeten. Er habe zudem Strafanzeige gegen den anderen Nebenkläger bei der Staatsanwaltschaft Köln erstattet.

Willms vertritt die wohl gar nicht existierende Frau seit Beginn des NSU-Prozesses im Mai 2013. Die Affäre war in dieser Woche vom Vorsitzenden Richter Manfred Götzl ins Rollen gebracht worden. Götzl forderte Willms auf, zu klären, wo sich seine Mandantin aufhält. Er habe mehrmals vergeblich versucht, sie als Zeugin zum Prozess zu
laden. 

las/DPA / DPA