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Gewalt in Sicherheitsdiensten: Rechtsradikal steht nicht in der Bewerbungsmappe

In Wachschutzunternehmen kommt es immer häufiger zu Übergriffen von gewaltbereitem und rechtsradikalem Personal. Ein Grund sind die laschen Überprüfungsmechanismen bei der Einstellung.

Von Maren Christoffer

Wachmann in Berlin

Wachmann in Berlin

Ein Bild hat Deutschland in den letzten Tagen bewegt. Es ist das Bild eines Asylbewerbers, der auf dem Boden liegt. Ein Wachmann steht über ihm, seinen Fuß in den Nacken des Gefesselten gesetzt. Der Ort des Geschehens: Ort der Demütigung: Burbach in Nordrhein-Westfalen.

Übergriffe und Attacken auf Flüchtlinge und Asylanten sind in Deutschland keine Seltenheit. Ist Wachpersonal involviert, stellt sich im Nachhinein oft heraus, dass sie rechtem Gedankengut anhängen. Es gibt viele Beispiele.

Einige davon:

Auf die Frage warum sich Rechte häufig bei Sicherheitsdiensten sammeln, sagt Silke Wollmann, Sprecherin des Bundesverbandes Sicherheitswirtschaft (BDSW): "Dafür gibt es die Mechanismen der Sicherheitsprüfung. Wenn da alles ordnungsgemäß läuft, sollten die eigentlich greifen." Bei dieser Überprüfung werden Auszüge aus dem polizeilichen Führungszeugnis angefordert. Darin spiegeln sich allerdings nicht alle Informationen, die der Polizei vorliegen. Vorstrafen bis zu einer Haftstrafe von drei Monaten auf Bewährung werden nicht erwähnt. Ob Kontakte zur rechtsradikalen Szene bestehen, lässt sich für den Arbeitsgeber so ebenfalls nicht überprüfen. Zuständig ist der Landesverfassungsschutz, der in der Regel jedoch nicht angefragt wird. Nur in Sachsen ist der Verfassungsschutz standardmäßig eingeschaltet.

Prüfung hat in Burbach versagt

Auch bei Vorstellungsgesprächen ist es nach Wollmanns Ansicht schwer möglich herauszufinden, ob es sich um einen Bewerber mit rechtsradikalen Tendenzen handelt. "Jeder versucht sich im besten Licht zu positionieren. Der vom tiefsten Herzen rechtsradikale Mensch wird da nicht in Springerstiefeln und Bomberjacke auftreten."

Das große Problem der Branche: Es fehlen die Bewerber. Bei einer Abfrage Mitte 2014 stellte der BDSW fest, dass rund 10.000 Stellen zu vergeben sind. Es ist daher durchaus möglich, dass manchmal nicht ganz genau auf die Sicherheitsprüfung geschaut wird. Diese hat "bei Fällen wie in Burbach schlichtweg versagt", sagt Wollmann.

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