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Reichenhaller Eishallenprozess: Anwälte verlangen Unterbrechung

Im Prozess um den Eishalleneinsturz in Bad Reichenhall haben die Verteidiger am Montag die Aussetzung der Verhandlung verlangt. Hintergrund sind Nachermittlungen, über die das Gericht die Anwälte nicht informiert habe.

Nach krankheitsbedingter Unterbrechung ist der Prozess um den Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall fortgesetzt worden. Am dritten Verhandlungstag erwarten die Prozessbeteiligten mit Spannung die Aussage von Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier. Der langjährige Rathauschef des Kurortes muss mit unangenehmen Fragen der Nebenkläger zu seiner Verantwortung als oberster Dienstherr des städtischen Gebäudes rechnen. Hinterbliebene der Todesopfer werfen dem inzwischen pensionierten Oberbürgermeister vor, nichts gegen den maroden baulichen Zustand der aus den 1970er Jahren stammenden Halle unternommen zu haben. Die Staatsanwaltschaft führte Heitmeier jedoch nie als Beschuldigten, der Ex-OB wird lediglich als Zeuge vernommen.

Allerdings haben die Verteidiger am Montag die Unterbrechung der Verhandlung verlangt. Hintergrund sind Nachermittlungen, über die das Gericht die Anwälte nicht informiert habe. Die Staatsanwaltschaft hatte am vergangenen Mittwoch mit einem Beschluss der Großen Strafkammer ein Ingenieurbüro durchsuchen lassen, das in Zusammenhang mit der Olympiabewerbung Bad Reichenhalls 1992 stand. Die Anklagebehörde hatte gehofft, an Unterlagen zur eingestürzten Einsporthalle zu gelangen.

Das Gericht schlug nunmehr vor, den Anwälten einen kleinen Teil des 14 Aktenordner umfassenden Materials zur Verfügung zu stellen. Die Anwälte von Angeklagten wie Nebenklägern lehnten dies jedoch als unzureichend ab. Sie verlangten volle Akteneinsicht. Dass sie von den Nachermittlungen nicht gleich zu Beginn der Hauptverhandlung am dritten Verhandlungstag informiert worden waren, bezeichneten die Verteidiger der Angeklagten als "unverschämten" und "unzulässigen" Vorgang. Die Staatsanwaltschaft habe damit einen Wissensvorsprung.

Bauingenieur ist wieder verhandlungsfähig

Wegen fahrlässiger Tötung sind vor dem Landgericht Traunstein drei Ingenieure und Architekten im Alter zwischen 54 und 67 Jahren angeklagt. Am 2. Januar 2006 waren beim Einsturz des Hallendaches 15 überwiegend junge Menschen ums Leben gekommen. Nach Auskunft des Gerichts ist der vergangenen Montag erkrankte angeklagte Bauingenieur wieder verhandlungsfähig. Der 67-Jährige hatte vor mehr als 35 Jahren das Hallendach konstruiert und die Statik erstellt.

DPA/spi / DPA