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US-Bundesstaat Virginia: Journalisten bei Liveübertragung erschossen

Tod vor laufender Kamera: Im US-Bundesstaat Virginia sind eine TV-Reporterin und ihr Kameramann während einer Live-Schaltung erschossen worden. Der mutmaßliche Täter soll schwer verletzt im Krankenhaus liegen.

In Virginia wurden die Reporterin des lokalen Fernsehsenders WDBJ7 und ihr Kameramann während einer Live-Übertragung erschossen. Laut US-Medien handelt es sich bei dem Schützen um einen frustrierten, ehemaligen Angestellten des Senders, der Vester Lee Flanagan hieß, den aber seine Zuschauer als Bryce Williams kannten. Wie so oft füllen die Stunden nach den Schüssen mehr Fragen als Antworten. Warum feuerte der Schütze mindestens achtmal auf die 24-jährige Reporterin Alison Parker und den drei Jahre älteren Filmer Adam Ward? Und warum filmte er sich dabei anscheinend selbst und stellte das Video anschließend ins Internet?

Auch auf WDBJ7 mussten die TV-Zuschauer live mit ansehen, wie die zwei Menschen starben. Für den WDBJ7-Beitrag schwenkt der Kameramann sein Objektiv gerade über ein Einkaufszentrum im kleinen Ort Moneta, eine Frau beantwortet Fragen zum Thema Tourismus. "Sprechen Sie darüber, warum es wichtig ist, diese Unternehmensführer mit ins Boot zu holen", sagt Parker. "Dies ist unsere Gemeinde", sagt die Interviewpartnerin. "Die Menschen hier sollen sagen, dass..." Plötzlich fallen Schüsse. Die Frauen gehen schreiend zu Boden. Kurz darauf ist das Fernsehteam tot. Laut ABC wurde ein drittes Opfer durch die Schüsse verletzt.

"Uns bricht das Herz", sagte WDBJ7-Manager Jeff Marks. Parker, die vor etwa vier Jahren als Praktikantin bei dem Sender begann, sei dort ein "Rockstar" gewesen, sagte ihre Kollegin Kimberly McBroom. Ward war mit einer weiteren Mitarbeiterin des Senders verlobt, die beiden wollten bald heiraten. "Wir stehen alle unter Schock", sagte Nachrichtensprecherin Jean Jadhon. Im Studio höre man die Mitarbeiter weinen. "Wir lieben Euch, Alison und Adam", twitterte der Sender. Binnen Minuten sammelte sich dort eine Vielzahl an Kondolenztweets an. Besonders anrührend: Auch Parkers heimlicher Verlobter meldete sich auf Twitter zu Wort und machte dort seine Trauer öffentlich.

Verdächtiger wohl doch noch am Leben

Zunächst berichteten Medien, der Verdächtige habe sich selbst gerichtet. Das berichtete etwa "WHSV News" auf Twitter. Wenig später berichtete WDBJ7 unter Berufung auf die Polizei, der Mann sei schwer verletzt in ein Krankenhaus gekommen. Sein Zustand sei sehr kritisch.

Kollege bittet, Video nicht zu posten

"Dies ist ein schrecklicher Tag für unsere Family und die Gemeinde, der wir dienen", schrieb Meteorologe Brent Watts auf Twitter. Er forderte seine Twitter-Follower auch auf, das Video von der Tat nicht zu posten oder zu verbreiten.

kng/tkr/AFP/DPA
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