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Cyber-Mobbing Großbritannien stellt Nacktbild-Rache unter Strafe


Enttäuscht von der Ex? Sauer auf den Freund? Wer aus Rache Nacktbilder von ihr oder ihm ins Netz stellt, muss in Großbritannien mit Strafe rechnen. Die Briten orientieren sich an einem deutschen Fall.

Muss es ein Gesetz geben, dass bestraft, wenn verletzte Ex-Liebhaber peinliches oder gar pornografisches Bildmaterial im Internet verbreiten? Dinge, die entstanden, als sich die Betroffenen in einer watteweichen Wolke des Vertrauens sicher fühlten.

Dieses Gesetz muss es geben, finden britische Strafverfolger und Politiker. Ein entsprechender Entwurf durchläuft gerade das Gesetzgebungsverfahren. Schon bald, könnte zwei Jahre im Gefängnis landen, wer aus Verbitterung Nacktbilder der Ex-Freundin bei Facebook zeigt oder aus Bosheit erniedrigende Videos von Klassenkameraden verbreitet. Wer entsprechende Aufnahmen benutzt, um die Opfer zum Sex zu zwingen, muss mit bis zu 14 Jahren Freiheitsentzug rechnen.

Im englischen Sprachgebrauch gibt es für diesen Vorgang sogar einen eigenen Begriff: "revenge porn" – Rache-Porno. Laut einer Umfrage der Medienagentur Press Association, aus der mehrere britische Medien zitieren, gab es innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre 149 Fälle, die in diese Kategorie fallen, von denen gerade einmal sechs zur Anzeige gebracht wurden. Allerdings beziehen sich diese Zahlen nicht auf das ganze Land sondern lediglich auf acht von 48 Polizeiverwaltungszonen. Die tatsächlichen Zahlen werden also weitaus höher liegen. Einige der Opfer sollen gerade einmal elf Jahre alt sein. Die meisten von ihnen sind Frauen.

Fall aus Koblenz ermutigte Bürgerinitiative

Dass nur so wenige Fälle zur Anzeige gebracht würden, liege im Fehlen einer entsprechenden Gesetzgebung, sagte der britische Justizminister Chris Grayling der BBC. Betroffene hätten es zudem schwer, Bilder entfernen zu lassen, wenn es kein Gesetz gegen deren Verbreitung gäbe. Nur Israel und einige US-Bundesstaaten haben bislang speziell zugeschnittene Gesetze gegen dieses Phänomen geschaffen. In vielen anderen Ländern muss anhand des Urheberrechts entschieden werden. Was allerdings zu Problemen führt, wenn das Opfer nicht der Urheber des Bildes ist.

Vor etwa einem halben Jahr sorgte ein Fall aus Koblenz in Großbritannien für Aufsehen und verlieh einer Bürgerinitiative gegen "revenge porn" Antrieb. Damals hatte eine Frau vor Gericht gegen ihren ehemaligen Liebhaber gewonnen, der nach dem Ende der Beziehung Nacktbilder der Frau im Internet verbreitete. Die Fotos waren zwar im gegenseitigen Einverständnis entstanden und der Mann war professioneller Fotograf, das Gericht befand allerdings, dass erotische oder intime Fotos nach der Beziehung gelöscht werden sollten.

ono

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