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Rockerboss in U-Haft auf Mallorca: Gefangen im Ferienparadies

Er war der mächtigste Rocker der "Hells Angels" in Deutschland, nun sitzt Frank Hanebuth auf Mallorca wegen Drogenhandels, Geldwäsche und Zuhälterei im Knast. Er nennt das "Urlaubsverlängerung".

Über Jahre galt Frank Hanebuth als mächtigster "Hells Angel" Deutschlands, in Hannover kontrollierte er das Geschäft mit Prostitution, Menschenhandel und Drogen. Selbst die ARD kam an dem Rockerkönig nicht vorbei: Im Dezember widmete sie dem Treiben der "Hells Angels" in Hannover eine "Tatort"-Doppelfolge mit Maria Furtwängler ("Wegwerfmädchen", "Das goldene Band") - und spielte mit der Figur des Rotlichtkönigs "Uwe Koschnik" deutlich auf Hanebuth an. Der befindet sich nun in Schwierigkeiten. Ausgrechnet auf der Urlaubsinsel Mallorca steckte ihn die spanische Polizei ins Gefängnis.

Am Donnerstag Morgen gegen zehn Uhr fährt vor dem Justizgebäude in Palma ein Gefangenentransporter vor. Auf der Rückbank sitzt Hanebuth, 1,98 groß, 140 Kilogramm schwer, einst Schwergewichts-Boxer. Schwer bewaffnete Polizisten führen den 48-Jährigen in Handschellen zum Gericht. Der gibt sich demonstrativ gelassen. "Alles bestens!", ruft er Reportern zu.

Finca des Rockerkönigs auf Mallorca durchsucht

Am Dienstag hatten spanische Polizisten Hanebuth bei einer Razzia auf seinem Anwesen auf Mallorca festgenommen. Mehr als 200 Polizisten durchsuchten rund 30 Wohnungen und Häuser, darunter Hanebuths Finca "San Paradiso". Dabei stellten die Beamten 50.000 Euro in bar, zehn Autos, sieben Motorräder, ein Gewehr und drei Pistolen sicher, dazu Juwelen, Boote, Luxusuhren, Kokain, Anabolika und Marihuana. 25 Rocker nahmen sie fest, vier sind wieder auf freiem Fuß - nicht aber Hanebuth.

Die Vorwürfe der spanischen Justiz gegen ihn wiegen zu schwer: Sie lastet ihm Geldwäsche, Drogenhandel, Zuhälterei, Erpressung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung an. Vor dem Richter schwieg Hanebuth. Die Vorwürfe seien zu pauschal, ließ sein Anwalt verlauten, der Beschuldigte könne sich dazu nicht äußern. In die spanische Justiz habe Hanebuth aber Vertrauen. Der sitzt nun weiter in Untersuchungshaft. Auf die Frage einen Reporters nennt er das "Urlaubsverlängerung".

Laut dem spanischen Innenministerium haben Hanebuth und seine Kumpanen auf Mallorca mehrere Millionen Euro Schwarzgeld gebunkert. Wichtigste Einnahmequelle sei das Geschäft mit Prostitution und Menschenhandel sowie Schutzgelderpressung. Der Behörde zufolge wollten die "Hells Angels" das Geld in den Bau einer Formel-1-Strecke auf Mallorca investieren und so waschen. Hanebuths Anwalt bezeichnet das in der "Süddeutschen Zeitung" als "Quatsch". Fest steht, dass sich viele Hells Angels in den vergangenen Jahren auf der Ferieninsel niedergelassen haben. Vor drei Jahren gründeten sie ihr erstes Clubhaus und wurden seitdem immer öfter mit ihren Motorrädern an der Strandmeile Playa de Palma gesichtet. Im Sommer 2010 lieferten sich die Rocker mit einer rivalisierenden Bande eine Straßenschlacht.

Respektiert von Hannovers feiner Gesellschaft

Allerdings treiben sich die Rocker nicht freiwillig auf Mallorca herum, vielmehr gerieten sie in Deutschland stark unter Druck. Dort hatten sich die "Hells Angels" über Jahre ausgebreitet: In Hannover stieg Hanebuth Anfang der Neunziger Jahre zum Präsident der "Hells Angels Charters" auf und schuf im Rotlichtmilieu am Steintor ein Imperium aus Bars und Bordellen. Als es dem "Steintorkönig" gelang, die von Türken, Russen und Albanern umkämpfte Gegend zu befrieden, zollte ihm selbst die Polizei Respekt - und Hanebuth wurde in Hannover zur gesellschaftlichen Größe. Erst als zwischen den Hells Angels und den konkurrierenden "Banditos" ein blutiger Bandenkrieg ausbrach, begannen die Behörden härter durchzugreifen.

2012 wähnte sich die Polizei im Glauben, Hanebuth dingfest machen zu können. Nachdem ein Kronzeuge ausgesagt hatte, Hanebuth habe angeordnet, einen Rivalen in Kiel zu ermorden, griffen sie zu. Elitepolizisten der Spezialeinheit GSG-9 landeten per Hubschrauber auf seinem Anwesen in Hannover und erschossen dabei seinen sechs Monate alten Hund. Doch der Zeuge hatte gelogen, eine Leiche fanden die Ermittler nicht. Kurz darauf musste das Verfahren gegen Hanebuth eingestellt werden. Der aber war stinksauer - und setzte sich nach Mallorca ab.

as