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Rockerclubs Hells Angels und Bandidos: Born to be lovely?

Die bislang verfeindeten Rockergangs Hells Angels und Bandidos haben angekündigt, ihren Krieg zu beenden. Wer allerdings glaubt, dass Deutschland damit ein Problem weniger hat, täuscht sich gewaltig.

Ein Kommentar von Manuela Pfohl

Wenn zwei Männer, zwei Clubs, zwei Welten, eins werden, wenn sie Hass und Misstrauen überwinden, sich die Hand reichen, ein Bier auf die Brüderschaft trinken und anschließend, beseelt vom neuen Geist der Liebe, eine Botschaft in die Welt hinaus tragen, die da heißt: es soll nie wieder Krieg sein zwischen Hells Angels und Bandidos, dann darf der staunende Beobachter durchaus skeptisch werden. Denn die Hoffnung, dass ein Ende des seit Jahren währenden und immer erbitterter ausgetragenen Rockerkrieges dem Wonnemonat Mai und den möglicherweise herumbaldovernden Frühlingsgefühlen zweier älterer Herren zu verdanken ist, wäre zu schön und zu simpel, um wahr zu sein.

Von wegen Frühlingsgefühle

Warum also haben die beiden Rockerbanden erklärt, dass von jetzt an Frieden zwischen ihnen herrschen soll? Ein ganz und gar unsentimentaler, dafür aber umso pragmatischerer Grund dürfte die Innenministerkonferenz der Länder sein, die am Donnerstag in Hamburg beginnt. Auf der Tagesordnung steht auch ein mögliches bundesweites Verbot der Hells Angels. Dafür plädieren zumindest schon mal die Regierungen aus Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Seit Jahren sind die Höllenengel bereits in Hamburg verboten, und auch Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) ließ im April zwei Ortsvereine der Hells Angels und der Bandidos verbieten, weil sie den "tatsächlichen Zweck" hätten, "in einem bestimmten Gebiet kriminelle Macht zu entfalten und die Gebiets- und Machtansprüche gegen den jeweils anderen Verein mit Waffengewalt durchzusetzen".

Eine heikle Angelegenheit für die Rocker. Denn würden die Bundesländer ein generelles Verbot beschließen und hätte dieses vor Gericht Bestand, wäre es vorbei mit der schönen wilden Männer-Freiheitsromantik, vorbei mit Massenkeilereien und auch vorbei mit der einen oder anderen lukrativen Einnahmequelle.

Ruinöser Machtkampf

Ein jetzt, gerade zur rechten Zeit platzierter Handschlag der Versöhnung ist taktisch also durchaus sinnvoll. An den Verhältnissen an sich dürfte er allerdings herzlich wenig ändern. Denn nüchtern betrachtet ist der zarte Liebesschwur nicht mehr als ein Waffenstillstandsangebot, das beide Seiten bitter nötig haben, um sich nicht weiter aneinander aufzureiben. Denn dass in den vergangenen Monaten immer wieder Schwerverletzte und sogar Tote in beiden Reihen zu verzeichnen waren, machte nicht nur den Ruf der Rockergruppen nach außen hin kaputt. Es ruinierte auch die Stimmung im eigenen Lager und schwächte die Herren in den Auseinandersetzungen mit weiteren sich in Deutschland tummelnden Rockergruppen.

Kein Grund zur Beruhigung

Dass gerade die Hells Angels trotz aller launigen Frühlingsgefühle nicht an einer strukturellen Orientierungslosigkeit leiden, zeigt die vorläufige Festnahme von 15 Mitgliedern, die am Wochenende in Berlin aufgegriffen worden waren, als sie auf dem Weg zu den verfeindeten "Chicanos" waren. Bei der Durchsuchung ihrer Autos seien eine Machete, ein Baseballschläger und weitere Schlag- und Stichwerkzeuge gefunden worden, hieß es von den Ermittlern.

Zeigt die Führungsspitze beider Clubs jetzt demonstrative Einigkeit, und kommt es wie angekündigt am Mittwoch zum Friedenschluss zwischen Höllenengeln und Banditen, dürfte das zumindest die polizeilichen Ermittler nicht beruhigen.