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Gefängnis in Kalifornien "Rache für die Opfer": Mithäftling tötet Serienkiller nach monatelanger Vorbereitung

Jason B. (l.) und Roger Recce Kibbe, bekannt als "I-5-Würger"
Jason B. (l.) und Roger Recce Kibbe, der als "I-5-Würger" traurige Berühmtheit erlangte
© California Department of Corrections and Rehabilitation
Ende Februar starb der als "I-5-Würger" bekannte Serienkiller Roger Kibbe in seiner Zelle. Jetzt hat ein Mithäftling in einem Brief an eine Zeitung gestanden, sich das Vertrauen des 81-Jährigen erschlichen zu haben, nur um ihn zu töten.

In Kalifornien hat ein Gefängnisinsasse offenbar nach monatelanger Tatvorbereitung einen Serienkiller getötet. Der in Anspielung auf den Interstate-Highway Nr. 5, wo mehrere seiner Opfer gefunden worden waren, als "I-5-Würger" bekannte Mehrfachmörder Roger Reece Kibbe war am 28. Februar leblos in seiner Zelle entdeckt worden. Kibbes Zellengenosse Jason B. wurde seither verdächtigt, den 81-Jährigen getötet zu haben. Wohl zu Recht, wie sich jetzt herausstellte. In einem fünfseitigen Brief an die kalifornische Zeitung "The Mercury News" gestand B. die Tat und erklärte, dass er sein Opfer monatelang für den Mord "präpariert" habe.

Demnach hatte B. sich bereits im vergangenen November dazu entschieden, Kibbe umzubringen. Die Monate danach habe er damit verbracht, sich das Vertrauen des Serienkillers zu erschleichen, um mit ihm gemeinsam in einer Zelle des Mule Creek State Prisons untergebracht zu werden. Noch am Tag ihrer Zusammenlegung habe er seinen Mitbewohner dann "mit einem Dreiecks-Würgegriff" erdrosselt. Anschließend habe er "ein grobes, umgedrehtes Pentagramm (ohne Kreis darum herum)" in Kibbes Körper geschnitzt.

Rache für die Opfer von Roger Kibbe 

Für die Tat nannte Budrow der "Mercury News" zufolge zwei Motive: Ursprünglich habe er nur in einer Einzelzelle untergebracht werden wollen, aber als er mehr über Kibbes Fall erfahren habe, sei aus seinem Vorhaben eine Rachemission für die vom "I-5-Würger" ermordeten Mädchen und Frauen geworden. In einem TV-Special über Kibbe habe er mit "entsetzlichem Ekel und herzzerreißender Empathie" von dessen Taten erfahren und "es war der Bericht über sein jüngstes Opfer, der mich am tiefsten berührte." Die "zufällige" Ausstrahlung der Sendung sei "ein dunkles Omen und eine spirituelle Berufung" für ihn gewesen, die später durch zwei "Traumvisionen" untermauert worden sei.

"Was als mein ursprünglicher Minimalplan begann, einen unkomplizierten Mord an einem Zellengenossen zu begehen, um meinen Einzelzellenstatus zu erhalten, entwickelte sich zu einer Mission, dieses jüngste Mädchen und alle anderen Opfer von Roger Kibbe zu rächen", schrieb der 40-Jährige nach Angaben der Zeitung. "Meine Handlungen wurden mit spezifischer Absicht und kognitiver Komplexität ausgearbeitet und waren insgesamt schändlicher als ein willkürlicher mörderischer Streit."

Samuel Little hat 93 Menschen ermordet

Kibbe saß seit 1991 in einem staatlichen Gefängnis und verbüßte mehrere aufeinanderfolgende lebenslange Haftstrafen unter anderem wegen mehrerer Morde. Er soll mindestens sieben Frauen und Mädchen vergewaltigt und getötet haben. Sein Modus Operandi war es, einem potenziellen Opfer eine Mitfahrgelegenheit anzubieten und es in einer abgelegenen Gegend zu ermorden. Kibbe war dafür bekannt, dass er seinen Opfern Stücke von Haaren oder Kleidung als Trophäe abschnitt. Ursprünglich für den Mord an einem 17-jährigen Mädchen verurteilt, gestand er 2009 sechs weitere Morde aus den Jahren 1977 bis 1986 in einem Deal, um die Todesstrafe zu vermeiden. Seine Opfer lebten alle entweder in Nordkalifornien oder waren auf der Durchreise, darunter zwei Frauen, die er angeblich von Orten in der Bay Area entführt hatte.

B. rechnet nicht mit Todesstrafe

Der damals bereits vorbestrafte B. war im Juni 2011 wegen Mordes an einer Frau in Südkalifornien zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. In seinem Brief mit der Überschrift "Himmelfahrt ... mögen ihre Seelen in den Himmel kommen ..." schrieb er nach Angaben der "Mercury News", dass er sich keine Sorgen über rechtliche Konsequenzen mache. Sollten die Behörden beschließen, ihn wegen des Mordes an Kibbe mit der Todesstrafe zu belangen, könnten sie das ruhig tun. "Ich bin bereit, meine Theorie zu testen, dass keine Jury bei der Strafmaßfestsetzung während meines möglichen Strafprozesses jemals dafür stimmen wird, mich für den Mord an Roger Kibbe, dem 'I-5 Würger', hinrichten zu lassen."

B. bat dem Bericht zufolge in seinem Schreiben bei "Ärzten, Professoren und Ausbildern" um Entschuldigung, mit denen er in den letzten acht Jahren in verschiedenen Erziehungsprogrammen für Gefängnisinsassen zusammengearbeitet habe, und räumte ein, dass er "Menschen, die sich als meine Freunde und Fürsprecher betrachteten, belogen und getäuscht" habe. Der 40-Jährige betonte: "Ich habe das nicht getan, um Aufmerksamkeit zu bekommen, und ich denke auch nicht, dass man mir Komplimente machen sollte."

Er glaube, dass die Seelen von Kibbes Opfern "aus dem Besitz ihres Mörders befreit worden sind" und "bete, dass sie nun ruhen", rechtfertigte B. seine Tat. "Was mich betrifft, so habe ich jetzt meinen Einzelzellenstatus."

Quellen: "The Mercury News", Associated Press, California Department of Corrections and Rehabilitation

mad

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