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Rosenkrieg um Lottogewinn Zu spät geschieden, eine Viertelmillion verloren


Acht Jahre lebte ein Renter getrennt von seiner Frau, dann bescherte ihm das Schicksal einen Lottosechser. Weil er die Scheidung erst danach einreichte, konnte die Ex jetzt ordentlich abkassieren.

Auf viel Glück folgte viel Ärger: Ein Rentner aus Mönchengladbach muss seiner Ex-Frau die Hälfte seiner halben Lottomillion abtreten. Dies entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe am Mittwochnachmittag und sprach der Klägerin einen Betrag von 242.500 Euro zu. Als der Mann im November 2008 einen Sechser im Lotto erzielte, lebte er bereits acht Jahre von seiner Ehefrau getrennt. Der Scheidungsantrag erreichte die Mutter der drei gemeinsamen Kinder allerdings erst zwei Monate nach dem Lottogewinn.

Mit ihrem noch unbegründeten Urteil folgten die Richter der üblichen Rechtsauffassung. Danach gilt die Zustellung als Stichtag, an dem im Scheidungsfall das Vermögen zweier Parteien gegeneinander aufgerechnet wird. Der Überschuss muss geteilt werden. Ausnahmen sind Schenkungen, Erbschaften und Ausstattung.

Der Anwalt des Mannes, Reiner Hall, hatte dagegen die Position vertreten, dass Rechtssicherheit kein Selbstzweck sei. "Der Bund der Ehe war nur noch ein formaler", betonte er. Der in einer Tippgemeinschaft mit seiner neuen Lebenspartnerin des Mannes gewonnene Betrag stehe in keinerlei Beziehung mehr zur einstigen Ehe.

Wie fair ist die Zugewinn-Regel?

Der Streit hatte sich über mehrere Jahre und Instanzen hingezogen: Während die erste Instanz, das Amtsgericht Mönchengladbach, der üblichen Rechtsauffassung folgte, fand das Oberlandesgericht Düsseldorf es "grob unbillig", den Gewinn nach so langer Trennungszeit teilen zu müssen. Der BGH kassierte diese Mindermeinung nun ein.

Das Urteil war in Rechtskreisen auch deshalb mit Spannung erwartet worden, weil bei einer Abweichung sämtliche Scheidungsfolgen hätten neu geordnet werden müssen. Es sei ja gerade der Charme des Zugewinnausgleichs, dass er bislang "simpel und überschaubar" berechnet werden könne, sagte Eva Becker, die im Deutschen Anwaltsverein der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht vorsitzt, im Vorfeld.

Unter Juristen wird jedoch seit langem immer wieder diskutiert, ob neben Erbschaften und Schenkungen nicht auch Vermögen wie ein Lottogewinn oder etwa Schmerzensgeld vom Zugewinn ausgenommen werden sollten - also Vermögen, dessen Erwerb mit der Ehe nichts zu tun hat. Zuvor hatte der BGH in einem fast 40 Jahre alten Urteil klargestellt, dass ein Lottogewinn sehr wohl zum Zugewinn gehört.

jwi/DPA DPA

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