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Rostocker Entführungsfall: 17-jährige Rebecca durchlebte tagelanges Martyrium

Drei Tage war Rebecca verschwunden, bevor sie verletzt auf einem Fabrikgelände gefunden wurde. In einer Wohnung wurde die 17-Jährige mehrfach vergewaltigt. Der mutmaßliche Täter ist vorbestraft.

Tagelang hielt die Suche nach der 17-jährigen Rebecca ganz Rostock in Atem. Nach dem Besuch eines Szene-Clubs am Stadthafen war die als zuverlässig geltende Schülerin in der Nacht zum Samstag nicht nach Hause gekommen - erst am Dienstagmittag wurde sie auf einem Fabrikgelände an einer vielbefahrenen Straße entdeckt, nur wenige Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt. Drei Stunden später nahm die Polizei Mario B. fest - der 28-Jährige hatte sein Opfer in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus festgehalten.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt mitteilten, wurde Rebecca mehrfach sexuell missbraucht. Das Mädchen hatte sich selbst aus der Wohnung seines mutmaßlichen Peinigers, der seine Taten teilweise gestanden hat, befreien können - sie war aus einem Fenster im ersten Stock geklettert, als Mario B. sie allein in der Wohnung zurückließ. Der Verdächtige ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. Er war erst im vergangenen Jahr aus dem Gefängnis entlassen worden und stand unter Führungsaufsicht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun Vergewaltigung in drei Fällen, Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor. Gegen den Beschuldigten wurde Haftbefehl beantragt.

Bedroht, gefesselt, geschlagen

Rebecca wird ärztlich und psychologisch betreut, sie hatte die Tortur leicht verletzt überstanden und war ansprechbar, als sie gefunden wurde. Nach den bisherigen Ermittlungen sprach Mario B. sie an einer Brücke an, als er mit dem Fahrrad unterwegs zum Zigarettenholen war. Er verletzte sie mit einem Messer und vergewaltigte sie zum ersten Mal. Danach nahm der mutmaßliche Täter sie mit in seine Wohnung und missbrauchte sie erneut. Der Verdächtige habe sie weiter mit dem Messer bedroht und auch gefesselt und geschlagen, berichtete die Polizei und sprach von einem "Martyrium". "Die Schäden, die sie durch diese fürchterliche Tat erlitten hat, können wir uns alle wahrscheinlich nur begrenzt vorstellen", sagte der Rostocker Polizeipräsident Thomas Laum.

Mario B. gab zu, die 17-Jährige angegriffen und festgehalten zu haben, zu den Sexualdelikten sagte er nichts. Der Beschuldigte sei bereits 1999 unter anderem wegen Vergewaltigung zu einer Jugendstrafe verurteilt worden, berichtete Staatsanwalt Andreas Gärtner. Zum Tatzeitpunkt sei er gerade einmal 14 Jahre alt gewesen. Danach habe es weitere Verurteilungen unter anderem wegen Raubes, räuberischer Erpressung und Körperverletzung gegeben.

"Im Rahmen dieser Führungsaufsicht sind keinerlei Beanstandungen seitens der Führungsaufsichtsstelle bekanntgeworden", sagte Staatsanwalt Gärtner. "Er hat sich bislang gut bewährt. Er hat eine Ausbildung zum Koch absolviert und es traten keinerlei Auffälligkeiten hervor, die Anlass zu der Annahme gaben, dass er weitere Straftaten begehen wird, insbesondere Sexualdelikte."

Verdächtiger wäre überprüft worden

Zu der Frage, warum nicht gleich nach dem Verschwinden Rebeccas auch der einschlägig bekannte Mario B. überprüft worden sei, sagte ein Sprecher der Rostocker Polizei, er sei überzeugt, dass die Polizei den mutmaßlichen Täter auch schnell im Rahmen der Fahndung selbst gefunden hätte. Er gehörte in die Gruppe der Männer, die überprüft worden wären.

Nachdem die junge Frau nach dem Disco-Besuch die Verabredung mit einem Freund nicht eingehalten und auch nicht heimgekehrt war, suchte von Sonntag an ein Großaufgebot der Polizei nach der Vermissten. Die Ermittler durchkämmten unter anderem eine Industriebrache östlich des Stadthafens. Auch Taucher und Feuerwehrleute waren im Einsatz. Angehörige und Freunde suchten mit Plakaten und über das Internet nach Hinweisen auf den Verbleib der Gymnasiastin. Am Dienstag gelang es ihr nach ihrer Flucht, einen Autofahrer anzuhalten, der sie der Polizei übergab.

Der Polizeipräsident sprach von Erleichterung und Freude, dass Rebecca noch am Leben und nun bei ihrer Familie ist. "Allerdings fällt es mir schwer, von einem guten Ende zu sprechen."

mlr/DPA/AFP / DPA