HOME

Ruby-Prozess: Berlusconi will "brutales Urteil" nicht hinnehmen

Empörung bei Silvio Berlusconi: Nach seiner Verurteilung im Ruby-Prozess zu sieben Jahren Haft spricht der Ex-Regierungschef von Verfolgung durch die Justiz und kündigt Widerstand an.

Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi will mit aller Macht gegen seine Verurteilung im sogenannten Rubygate-Prozess vorgehen. Das von einem Gericht in Mailand verhängte Urteil sei "brutal", beklagte sich der 76-Jährige in einer am Montagabend veröffentlichten Stellungnahme und kündigte Revision an. Er sei "absolut unschuldig".

"Ein unglaubliches Urteil ist gefällt worden, von unerhörter Brutalität, um mich aus dem politischen Leben dieses Landes zu eliminieren", empörte sich Berlusconi. "Ich war davon überzeugt, freigesprochen zu werden, weil es absolut keine Möglichkeit für einen auf Beweisen basierenden Schuldspruch gab."

Das Gericht hatte den früheren Ministerpräsident zuvor in erster Instanz wegen Sex mit einer Minderjährigen und Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft und dem Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern verurteilt. Es ging damit über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die neben einem lebenslangen Amtsverbot sechs Jahre Haft verlangt hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Bis der Richterspruch rechtskräftig ist, tritt die Strafe aber nicht in Kraft.

"Ich bin absolut unschuldig"

Berlusconis Anwalt Niccolo Ghedini nannte die Entscheidung des Gerichts "unlogisch" und "fern jeder Realität". Berlusconi selbst warf den drei Richterinnen in seiner Erklärung vor, ihn zu jagen. "Ich habe vor, mich der Verfolgung zu widersetzen, weil ich absolut unschuldig bin, und ich will meinen Kampf nicht aufgeben, aus Italien ein wahrhaft freies und gerechtes Land zu machen."

Berlusconi soll im Jahr 2010 in seiner Villa Sex-Partys veranstaltet haben und dabei auch die damals 17-jährige Karima al-Mahrough alias Ruby für Sex bezahlt haben. Al-Mahrough und Berlusconi selbst bestreiten eine sexuelle Beziehung. Später soll Berlusconi als Ministerpräsident bei der Polizei darauf hingewirkt haben, dass die wegen des Diebstahls eines 3000 Euro teuren Armbandes festgenommene Ruby freigelassen wurde, daher die Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs. Der von zahlreichen Skandalen umwitterte Berlusconi stand bereits mehrfach vor Gericht - wegen Steuerhinterziehung, Bestechung, Bilanzfälschung.

Berlusconi könnte Koalition platzen lassen

Die ohnehin fragile Koalition von Ministerpräsident Enrico Letta, in der Berlusconis Mitte-Rechts-Partei mitregiert, könnte das Urteil weiter in Bedrängnis bringen. Berlusconi hatte der Staatsanwaltschaft eine politisch motivierte Kampagne gegen ihn vorgeworfen. Nun könnte der schwerreiche Medienunternehmer zu dem Schluss kommen, die Regierung gewähre ihm keinen rechtlichen Schutz und dem Ruf mehrerer Parteifreunde nach einem Bruch der Koalition folgen. In seiner Reaktion auf das Urteil äußerte sich Berlusconi nicht zur Zukunft der Koalition. Der rechte Senator Lucio Malan sprach dagegen von einem "regelrechten Attentat auf die Demokratie". Berlusconi sitzt seit der Parlamentswahl im Februar für seine konservative Partei Volk der Freiheit (PdL) im Senat.

mad/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters