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"Ich war ein Zombie": Ihre Töchter erstachen den eigenen Vater - nun legt ihre Mutter eine Lebensbeichte ab

Jahre lang lebten Angelina, Christina und Maria unter der Tyrannei ihres Vaters. Bis sie ihn erstachen. Nun versucht ihre Mutter zu erklären, warum sie ihre Kinder alleine mit einem Mann gelassen hat, der sie selbst vergewaltigt und geschlagen hatte. 

Aurelia Dunduk in der Sendung "Der direkte Draht"

Aurelia Dunduk in der Sendung "Der direkte Draht". Ihre Töchter haben gestanden, ihren eigenen Vater getötet zu haben. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft. 

Sind Angelina, 18, Christina, 19, und Maria, 17, drei brutale Mörderinnen oder drei bemitleidenswerte Opfer? Über diese Frage diskutiert seit Tagen ganz Russland. Am 27. Juli erstachen die drei jungen Frauen ihren eigenen Vater. Mindestens 36 Mal stachen sie auf ihn ein, zertrümmerten mit einem Hammer seinen Kopf. Mindestens zehn Mal schlugen sie zu. Ihre Tat zeugt von der unglaublichen Wut und Verzweiflung, die sich in den vergangenen Jahren angestaut haben muss. Denn Michail Chatschaturjan herrschte über seine Töchter wie ein grausamer Despot. Dies belegen nicht nur Tonaufnahmen, auf denen der Vater seinen Töchtern Vergewaltigung und Mord androht, dies bezeugen auch zahlreiche Nachbarn, Bekannte, Freunde und Lehrer. Und die der Mädchen.

In der Sendung "Der direkte Draht", einer der populärsten Shows des russischen Fernsehens, berichtete Aurelia Dunduk über ihr Leben mit Chatschaturjan. Sie erzählte, wie sie selbst Jahre lang von dem Vater ihrer  gequält wurde. "Ich war ein Zombie. Ich habe niemanden gesehen, habe nichts um mich herum bemerkt. Es gab keine Freude, es gab nichts. Ich denke, dass die Hölle nicht schlimmer sein könnte", erzählte die Moldauerin.   

Alles habe angefangen, als Aurelia 17 Jahre alt war. Der viel ältere Chatschaturjan habe sich das Vertrauen der Familie erschlichen, berichtete Larissa Dunduk, die Mutter von Aurelia. "Er ging mit meiner Tochter spazieren und sagte immer 'Ihr wird nichts geschehen. Das schwöre ich bei meiner Mutter'". Bis Larissa eines Tages feststellen musste, dass ihre Tochter schwanger war. 

Geschlagen, gewürgt, vergewaltigt

"Er hat mich vergewaltigt", sagt Aurelia heute. In dem zutiefst konservativen Kulturkreis aus dem sie stammt, ist es tatsächlich unwahrscheinlich, dass sie freiwillig eine uneheliche Verbindung eingegangen wäre. Und selbst wenn: Nach russischem Recht ist der Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen für Erwachsene strafbar, unabhängig davon, ob er einvernehmlich war oder nicht. Chatschaturjan hat sich also damals in jedem Fall strafbar gemacht. Doch Aurelia geht nicht zur . Zu groß ist die Schande einer außerehelichen Schwangerschaft.

Aurelia bekommt ihr erstes gemeinsames Kind, einen Sohn; zieht bei dem Armenier ein, ohne dass er sie zur Frau nimmt. Von Anfang an habe er sie geschlagen, gewürgt, erniedrigt, ihr den Kontakt zu ihrer Familie untersagt, erzählte sie nun. Er habe sie wie seine Sklavin gehalten, die ihn Tag und Nacht bedienen musste. Ständig habe er ihr mit dem gedroht, sollte sie nicht gehorchen. "Er sagte ständig, dass er überall Verbindungen habe. Dass er niemals betraft wird, selbst wenn er mich tötet. Niemand würde ihn jemals verfolgen." Auch gegen ihre Familie habe es Drohungen gegeben.

Bekannter Drogendealer mit Verbindungen

Tatsächlich sieht es so aus, als ob Chatschaturjan nicht nur Verbindungen zum organisierten Verbrechen hatte, sondern auch zur Polizei. Mehrere Nachbarn berichteten, sie hätten sich mehrmals in verschiedenen Fällen, an die Polizei gewandt, ohne dass Ermittlungen gegen den Armenier eingeleitet worden wären. Mal habe er einer Frau ins Bein geschossen, mal einer anderen Nachbarin eine Waffe an die Schläfe gehalten. Die gesamte Nachbarschaft habe in Angst vor ihm gelebt, berichten alle Zeugen einstimmig. Dass Chatschaturjan ein Drogenhändler war, hätten alle gewusst. "Die Behörden haben ihn gedeckt", sagen die Nachbarn einstimmig. Viele von ihnen haben selbst nach seinem Tod offenbar noch Angst vor Vergeltung, verhüllen bei Interviews ihre Gesichter, verheimlichen ihre Namen. Doch um zu beweisen, dass sie die Wahrheit sagen, haben einige sich bereits öffentlich einem Lügendetektortest unterzogen - der den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen bestätigte. 

Auch Aurelia hat Angst vor der Verwandschaft von Chatschaturjan. "Er hat immer gesagt, dass selbst wenn er tot ist, man mich finden und ermorden würde", erzählte sie unter Tränen. Vor drei Jahren habe er aber schließlich genug von ihr gehabt und habe sie mit ihrem Sohn vor die Tür gesetzt. 

 "Mama, es ist so schrecklich"

Aber wie konnte sie ihre drei Töchter in der Obhut eines solchen Mannes lassen, fragen jetzt viele. "Er hat gedroht nicht nur mich, sondern auch die Kinder umzubringen, sollte ich nicht gehen", antwortet Aurelia. "Außerdem haben meine Töchter gesagt, sie könnten nicht länger mit ansehen, wie er mich quält. Ich wusste ja nicht, dass er sie anstatt mich quälen würde, wenn ich gehe", versucht sie ihre Entscheidung zu erklären.

Was ihre Töchter die ganze Zeit hätten durchmachen müssen, habe sie erst jetzt erfahren. Doch in diesem Punkt macht Aurelia widersprüchliche Angaben. "Mama, es ist so schrecklich, dass es besser ist, wenn du es nicht weißt", hätten ihre Töchter zu ihr stets gesagt. Sie hätten nicht gewollt, dass sie sich Sorgen macht. Doch nach einer solchen Aussage, hätte sie direkt zu Polizei gehen müssen, sagen nun viele. Doch Aurelia hatte Angst. "Er hat mich einmal direkt auf einem Polizeirevier verprügelt, ohne dass er deswegen belangt wurde", erzählte sie. Nun bittet sie ihre Töchter um Vergebung. "Verzeiht mir, dass ich euch nicht gerettet habe. dass ich nicht immer da war. Es wäre besser gewesen, ich wäre damals geblieben und er hätte mich umgebracht, als dass meine Töchter so sehr leiden mussten."

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