VG-Wort Pixel

Perm Mann schießt an Uni in Russland um sich – sechs Menschen tot, Schütze im Krankenhaus

Studenten springen während einer Schießerei aus dem Fenster einer Universität
Studenten springen während einer Schießerei aus dem Fenster einer Universität. Ein Mann hat in der russischen Stadt Perm am Ural in einer Universität um sich geschossen und mehrere Menschen getötet. 
© Alexey Romanov/Sputnik / DPA
Ein bewaffneter Mann stürmt zum Wochenbeginn eine Hochschule im russischen Perm und tötet mehrere Menschen. Es ist nicht der erste derartige Angriff auf eine Bildungseinrichtung in Russland in diesem Jahr.

Nach dem Amoklauf an einer Universität in der russischen Stadt Perm am Ural haben die Behörden die Zahl der Todesopfer nach unten korrigiert (s. Update unter Artikel). Es seien sechs Menschen ums Leben gekommen, teilte das Gesundheitsministerium am Montag der Agentur Interfax zufolge mit. Zuvor war von acht Toten die Rede gewesen. Mehr als 20 Menschen wurden demnach verletzt.

Verwirrung gab es zunächst auch um den Gesundheitszustand des Täters. Der junge Mann sei bei der Festnahme verwundet und anschließend in ein Krankenhaus gebracht worden, erklärten die Ermittler nun. Zuvor hatte die Hochschule in der rund 1200 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Stadt den Mann für tot erklärt – die Uni löschte diese Information später jedoch wieder.

Der maskierte Angreifer hatte am Morgen auf dem Campus mit einem Jagdgewehr um sich geschossen. Es soll sich um einen Studenten gehandelt haben. Medien zufolge hatte er die Tat kurz zuvor in sozialen Netzwerken angekündigt. In dem Beitrag soll er auch erklärt haben, dass er keinerlei Ideologie verfolge.

Studierende flüchten aus Fenstern

Auf Videos im sozialen Netzwerk Telegram und auf Twitter war zu sehen, wie Menschen aus Fenstern im ersten Stock des Universitätsgebäudes in der Stadt rund 1200 Kilometer östlich von Moskau sprangen und davonliefen. Im Inneren des Gebäudes verbarrikadierten Studenten mit Stühlen und Tischen die Türen. Sie waren aufgefordert worden, sich in den Hörsälen einzuschließen. Dozenten hatten sich eigenen Angaben zufolge vor dem maskierten Mann in ihren Büros verschanzt. 

Russische Staatsmedien zeigten Videoaufnahmen, auf denen der schwarzgekleidete Angreifer zu sehen sein soll, der mit Helm und Waffe über den Universitätscampus läuft. Über das Motiv des Täters ist noch nichts bekannt. Es wurden Ermittlungen wegen Mordes eingeleitet. 

Präsident Wladimir Putin drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge sagte. Regierungschef Michail Mischustin wies die Minister für Gesundheit und Bildung an, in das rund 1200 Kilomter östlich von Moskau entfernte Perm zu fliegen, um die Universität zu unterstützen. Alle Schulen und Hochschulen in Perm wurden nach Angaben der örtlichen Behörden für den Rest des Tages geschlossen.

Amokläufe an Bildungseinrichtungen in den vergangenen Jahren

In Russland gibt es wegen strikter Sicherheitsvorkehrungen an Bildungseinrichtungen und strenger Waffengesetze relativ selten Schusswaffenangriffe an Schulen oder Universitäten. In den vergangenen Jahren nahmen Gewalttaten von Schülern allerdings zu. Im Mai hatte ein 19-Jähriger neun Menschen in einer Schule in Kasan in der russischen Teilrepublik Tatarstan getötet. Die meisten Opfer waren Kinder. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt. Der Mann wurde wegen Mordes festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. 2018 hatte ein 18 Jahre alter Berufsschüler in der Stadt Kertsch auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim um sich geschossen und einen Sprengsatz gezündet. Dabei starben 20 Menschen.

Ein silber-rotes Polizeiauto steht vor einem Metallzaun mit einem roten Schild mit kyrillischer Schrift darauf

Nach dem Amoklauf in der Stadt Kasan rund 720 Kilometer östlich von Moskau gab es Forderungen nach einer stärkeren Kontrolle von Waffenbesitzern – etwa nach einer elektronischen Datenbank, in der ärztliche Untersuchungen vermerkt werden. Überprüft werden sollten demnach etwa auch die psychologische Eignung und ein möglicher Drogenkonsum. Ministerpräsident Mischustin hatte angekündigt, auch die Sicherheitsvorkehrungen an den Schulen zu überprüfen und gegebenenfalls zu verstärken. Das gelte auch für Ferienlager.

Die russischen Behörden haben nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren dutzende Angriffe in Schulen vereitelt. So wurden im Februar 2020 zwei Jugendliche festgenommen, die den Ermittlern zufolge eine Schule in Saratow mit Schusswaffen und selbstgebauten Sprengsätzen hatten angreifen wollen.

Update, 14.08 Uhr: Die Behörden haben die Zahl der Todesopfer nach dem Amoklauf an einer Universität in der russischen Stadt Perm nach unten korrigiert. Wir haben den Artikel entsprechend aktualisiert.

mad / rw / fs AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker