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Russland: 24 Jahre lang versteckt sich ein Mörder in Sibirien – bis die Flut ihn aus dem Wald treibt

Nikolaj Nikolaewich wurde wegen Mordes verurteilt und wegen zwei weiterer versuchter Morde gesucht. Nun hat eine Überschwemmung sein Jahrzehnte dauerndes Versteckspiel beendet. 

Russland: Dieses vom russischen Katastrophenschutzministerium zur Verfügung gestellte Bild zeigt ein überschwemmtes Gebiet in der Region Irkutsk

Russland: Dieses vom russischen Katastrophenschutzministerium zur Verfügung gestellte Bild zeigt ein überschwemmtes Gebiet in der Region Irkutsk

DPA

Eine Naturkatastrophe verhalf der russischen Polizei zu einem überraschenden Erfolg. Sie konnte einen Mann festnehmen, der seit 24 Jahren auf der Fahndungsliste stand - wegen versuchten Doppelmordes.

Die ganze Zeit über hielt sich der Gesuchte in den Wäldern rund um die Stadt Irkutsk versteckt, berichten russische Medien. Als es aber Anfang Juli dort zu Überschwemmungen kam, wurde er zusammen mit vielen anderen Einwohnern in Sicherheit gebracht. 

Nach Überschwemmung: Mann kommt ins Krankenhaus

Mit zahlreichen Blutergüssen, Abschürfungen und einer schweren Unterkühlung sei er in eine Klinik in der Stadt Tulun eingeliefert worden, berichtet die Nachrichtenagentur RIA. Er hatte demnach keine Dokumente bei sich gehabt, teilte den Ärzten jedoch seinen Namen und grundlegende Informationen über sich selbst mit. Und schon bald standen Ermittler am Krankenbett des Rentners.

Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem Patienten um Nikolaj Nikolaewich. 1995 soll er nach Angaben des russischen Ermittlungskomitees seine damalige Lebensgefährtin und ihre sechsjährige Tochter mit einem Messer angegriffen und mehrmals auf sie eingestochen haben. Schließlich habe er sich selbst verletzt, um seine Tat zu verschleiern. Alle drei Verletzten seien daraufhin in ein örtliches Krankenhaus eingeliefert worden. Aber Nikolaewich konnte aus der Klinik fliehen.

Er versteckte sich in den Wäldern der Taiga und führte seitdem ein Einsiedlerleben. Durch den Verkauf von erlegtem Wild verdiente er sich ein paar Rubel dazu. Bis die Flut ihn aus den Wäldern trieb.

Schon einmal wegen Mordes verurteilt 

Nach seiner Identifizierung gestand er nun, den Angriff vor 24 Jahren verübt zu haben. "Während des Verhörs gestand er alles und erklärte, dass er all die Jahre seine damalige Lebensgefährtin und ihre Tochter für tot gehalten habe. Er war überzeugt, für ihren Tod verantwortlich zu sein", erklärte ein Ermittler gegenüber der Zeitung" Komsomolskaja Prawda". Die Frau habe ihn damals aus dem Haus geworfen, ein anschließender Streit sei das Tatmotiv gewesen. Die beiden Opfer überlebten aber.

Der heute 72-Jährige wird nun wegen des "Mordversuchs an zwei oder mehr Personen, einschließlich einer minderjährigen Person" angeklagt. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Sollte er verurteilt werden, wird es nicht die erste Haftstrafe für Nikolaewich sein. In den 70er Jahren wurde er bereits wegen Mordes verurteilt. Damals arbeitete er als Wärter in einem Gefängnis, geriet mit einem Kollegen in Streit und erschlug ihn. Die Strafe für dieses Verbrechen hat er bereits verbüßt. 

Quellen: RIA, "Komsomolskaja Prawda"

ivi