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Eklat um Tarnnamen: Skandal bei Erdogan-Besuch - deutscher Polizist sollte als "Uwe Böhnhardt" zum Einsatz kommen

Als Tarnnamen für einen ihrer Kollegen wählten sächsische Polizeibeamte den des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Das Landeskriminalamt kündigt Konsequenzen an.

Spezialeinsatzkräfte der Polizei Sachsen und NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt

Spezialeinsatzkräfte der Polizei Sachsen am Rande einer Demonstration 2107, NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt

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Das Landeskriminalamt (LKA) in Sachsen hat zwei Polizeibeamte vom Dienst suspendiert, weil diese offenbar einen Kollegen für einen Einsatz zur Tarnung nach NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt benannt haben.

Die Mitarbeiter des Spezialeinsatzkommandos (SEK) waren nach Berlin beordert worden, um den Staatsbesuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan abzusichern.

Bei der Prüfung einer Liste sei der Name Uwe Böhnhardts entdeckt worden, teilte das LKA-Sprecher mit. Der Name sollte für ein Zutritts- und Berechtigungsdokument genutzt werden, so die Behörde weiter.

"Es handelt sich um einen einmaligen Vorgang. Dieses Problem hatten wir bisher noch nicht", so LKA-Sprecher Tim Bernhardt zum stern. Dass SEK-Beamte überhaupt akkreditiert werden müssen, sei zumindest für das sächsische LKA unüblich und den extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen im Rahmen des Staatsbesuches geschuldet.

Nutzung des Namens von Uwe Böhnhardt "abscheulich"

Die beiden suspendierten Beamten hätten die Liste mit den Aliaspersonalien für alle sächsischen SEK-Beamten ausgefüllt, die an dem Einsatz in Berlin teilnehmen sollten. 

"Die Beamten wurden durch das Landeskriminalamt Sachsen unverzüglich aus dem Einsatz abgezogen", so der Sprecher. "Ihnen wurde in der unmittelbaren Folge die Führung der Dienstgeschäfte untersagt." Sie sollen nun – wenn möglich – aus dem Polizeidienst entlassen werden. "Sie sind nach unser Kenntnis in der Vergangenheit nicht einschlägig in Erscheinung getreten", so Bernhardt.

Präsident des LKA Sachsen entsetzt: An Dummheit kaum zu überbieten

Patric Kleine, der Präsident des LKA Sachsen, verurteilte das Verhalten der Beamten scharf und nannte es "inakzeptabel" und "abscheulich". Es sei an "Dummheit kaum zu überbieten". Die Nutzung des Namens von Uwe Böhnhardt stelle "für die Opfer und deren Angehörige eine Missachtung höchsten Maßes dar", so Kleine. "Dafür möchte ich mich ausdrücklich bei den Betroffenen entschuldigen."

Zuerst hatte "Focus Online" über den Fall berichtet. 

Uwe Böhnhardt gehörte zusammen mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) an. Unter anderem ermordete der NSU in Deutschland von 2000 bis 2007 neun Migranten und eine Polizeibeamtin. Das Oberlandesgericht München hat Zschäpe im Juli zu lebenslanger Haft verurteilt und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Böhnhardt und Mundlos begingen im November 2011 nach einem Banküberfall in Zwickau Suizid.

+++ Mehr zur Mordserie des NSU und zum Gerichtsprozess lesen Sie hier in einem stern-Spezial +++

NSU-Chronik

Mitarbeit: Jan Rosenkranz