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Sachsen-Anhalt: Kinderschänder gefasst

Eine Lehrerin hat in Sachsen-Anhalt einen mutmaßlichen Kinderschänder erkannt und so entscheidend zu dessen Verhaftung beigetragen. Eine wichtige Rolle hat dabei auch eine ungewöhnliche Fahndungsmethode gespielt, die extra vom Kultusministerium genehmigt woden war.

Nach der bisher einmaligen Befragung hunderter Lehrer an Grundschulen in Sachsen-Anhalt hat die Polizei einen mutmaßlichen Kinderschänder gefasst. Die außergewöhnliche Fahndungsmethode war vom Kultusministerium erstmals genehmigt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle, Klaus Wiechmann. Er bestätigte damit einen Bericht des Radiosenders MDR Info. Der 37 Jahre alte Mann aus Günthersdorf (Saalekreis) soll seinen Sohn mindestens sechs Jahre missbraucht und Fotos davon im Internet veröffentlicht haben. Eine Lehrerin erkannte den ehemaligen Schüler auf einem Bild. Die Polizei nahm den Vater in Leipzig fest. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Angesichts der Beweise soll er die Taten eingeräumt haben.

Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt hatte mit richterlicher Genehmigung Anfang April einen Brief mit einem Bild des Jungen an rund 600 Schulen geschickt und bat die Lehrer um Mithilfe. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (DPA) zeigt das aus dem Jahr 2003 stammende Foto ein etwa neun Jahre altes Kind. Es gehörte zu einer Serie kinderpornografischer Bilder, die die kanadische Polizei Ende 2007 im Internet entdeckt hatte. Die Lehrerin erkannte den Jungen und nannte den Vater als Erziehungsberechtigten. Diesen identifizierten die Ermittler schließlich als den mutmaßlichen Kinderschänder, weil das Material auch den Täter zeigte. Dessen Gesicht war nach Informationen der "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle unkenntlich gemacht worden, habe jedoch rekonstruiert werden können.

Bundesweite Suche nach dem Täter

"Eine Anfrage auf Amtshilfe dieses Umfangs ist bisher einzigartig und wurde erstmals von uns geleistet", sagte die Sprecherin des Kultusministeriums, Kathrain Graubaum, der dpa. "Der Erfolg gibt dem Vorgehen Recht. Wir würden in einem gleich gelagerten Fall sicher wieder Amtshilfe leisten." Die außergewöhnliche Methode sei ihm Rahmen einer bundesweiten Suche der Aktion "Pino" vor etwa drei Wochen vom Landeskriminalamt herangetragen worden. "Die Schulen wurden gebeten, auch zu melden, wenn sie den Jungen nicht kennen. Das der Treffer der Suche aus Sachsen-Anhalt kam, ist aber Zufall." Auch Schulen in anderen Bundesländern seien angefragt worden.

Erste Kenntnisse von dem Missbrauch erhielten deutsche Behörden von ihren kanadischen Kollegen Anfang des Jahres. Der Tatort konnte unter anderem deshalb eingegrenzt werden, weil auf den Aufnahmen eine Flasche Himbeerbrause einer deutschen Marke zu sehen war. Das Produkt wird fast ausschließlich in Ostdeutschland vertrieben. Auch ein in den Aufnahmen entdecktes Schulbuch wird dem Zeitungsbericht zufolge ausschließlich in Ostdeutschland benutzt. Schließlich konzentrierte sich die Suche auf Sachsen-Anhalt, Nordthüringen, Sachsen und Brandenburg. Etwa zehn Tage nachdem die Lehrer vom LKA um Unterstützung gebeten worden waren, wurde der Mann festgenommen.

"Durch die beispiellose Zusammenarbeit von Bundeskriminalamt, Landeskriminalamt, Polizei und Kultusministerium ist es gelungen, einen andauernden sexuellen Missbrauch nach sechs Jahren zu beenden", sagte der Oberstaatsanwalt von Halle, Peter Vogt.

Der Junge lebte bei seinem arbeitslosen Vater. Die Mutter soll sich nicht um ihn gekümmert haben. Der Mann soll bis 2007 als Trainer einer Fußballmannschaft im Kinderbereich und als Schwimmtrainer von Sieben- bis Neunjährigen gearbeitet haben, berichtet die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung". Die Staatsanwaltschaft wollte keine Angaben dazu machen, wo sich der heute 14 Jahre alte Junge aufhält.

DPA / DPA