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Salvo Riina: Sohn von brutalem Mafia-Boss entsetzt Italien mit Interview

Sein Vater war der gefürchtetste Mafia-Boss Italiens, doch Salvo Riina verliert in einem Fernsehinterview kein schlechtes Wort über ihn oder die Mafia. Nun bekommt der Sender Rai 1 nicht nur die Empörung von Mafia-Opfern zu spüren.

In einem Fernsehstudio von Rai 1 kam der Sohn von Mafia-Boss Riina zu Wort

In einer Sendung von Rai 1 befasste sich Moderator Bruno Vespa (M.) ausführlich mit Salvo Riina (l. im Hintergrund) und seinem neuen Buch

Kaum jemand hat so viel Angst und Schrecken verbreitet wie er: Salvatore "Totò" Riina war nicht irgendein Mafia-Boss. "Il capo dei capi" nannten ihn die Italiener, "Boss der Bosse". Er war der meistgesuchte Verbrecher Italiens. Nun hat sein Sohn Giuseppe Salvatore "Salvo" Riina ein Buch geschrieben und ein Fernsehinterview gegeben, das dem Sender reichlich Ärger einbringt.

Denn im Interview beim italienischen Sender Rai 1 kam Salvo Riina kein schlechtes Wort über seinen Vater über die Lippen. "Es ist nicht meine Aufgabe, über die Taten meines Vaters und meiner Familie zu urteilen". Ihn interessiere vielmehr, dass ihm seine Familie Liebe und Respekt für bestimmte Werte weitergegeben habe. Er schwärmte von seiner ungewöhnlichen, aber glücklichen Kindheit als Sohn des wohl verrufendsten Mafia-Bosses, den Italien je gesehen hat.

Verantwortlich für mehr als 1000 Tote

"Totò" Riina war vor seiner Festnahme 1993 als Chef der Cosa Nostra 24 Jahre auf der Flucht. Er wurde für zahlreiche Mordanschläge verurteilt, darunter die Attentate auf die Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992. Er sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis und ist heute 85 Jahre alt. Ermittler schätzen, dass mehr als 1000 Menschen in den frühen 1980er-Jahren im Mafia-Krieg starben, aus dem Riina als "Boss der Bosse" hervorging.

Im Interview wollte sein Sohn nicht einmal die Existenz der Mafia eingestehen. Stattdessen sagte er den kryptischen Satz: "Sie könnte alles sein oder gar nichts."

Senderchefs vor Parlamentsausschuss geladen

Falcones Schwester Maria sagte der Nachrichtenagentur Ansa, die Ausstrahlung des Interviews sei des öffentlich-rechtlichen Auftrags von Rai unwürdig. Und mit dieser Meinung steht sie nicht alleine: Der Anti-Mafia-Parlamentsausschuss des Landes hat die Rai-Präsidentin Monica Maggioni und den Intendanten Antonio Campo Dall'Orto zu einer Anhörung vorgeladen.

tkr mit DPA