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Mord in Salzgitter Familiengericht entscheidet über 13-jährigen Verdächtigen – und im Internet tobt der Hass

Blumen und Kerzen Fundort des getöteten Mädchen ins Salzgitter; Facebook-Suchaufruf
Trauernde haben am Fundort des Leichnams in Salzgitter-Fredenberg Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet (Foto vom Donnerstag). Auch über die sozialen Medien war nach der ermordeten 15-jährigen A. gesucht worden.
© Julian Stratenschulte / DPA
Fassungslosigkeit, Trauer, aber auch Hass. Salzgitter-Fredenberg kommt nach dem Mord an einer 15-Jährigen nicht zur Ruhe. Der 13-jährige Tatverdächtige soll unterdessen in die Psychiatrie eingewiesen werden, sein mutmaßlicher Komplize sitzt in U-Haft.

Nach dem Mord an einer 15-jährigen Schülerin in Salzgitter prüft das Familiengericht nach Angaben vom Freitag, ob der 13-jährige Tatverdächtige in die geschlossene Unterbringung einer Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen wird. Eine Entscheidung über den Eilantrag des Jugendamtes in der niedersächsischen Großstadt wird in Kürze erwartet.

Der mutmaßliche Mörder des Mädchen ist als Kind nach deutschem Recht nicht schuldfähig. Daher ist das Jugendamt und nicht etwa die Staatsanwaltschaft oder gar ein Strafgericht für die weiteren Schritte zuständig (lesen Sie hier weitere Hintergründe zum Umgang mit kriminell gewordenen Kindern).

Polizei spricht von "angespannter Stimmung" in Salzgitter

Der 14-jährige mutmaßliche Komplize des Jungen kam indes in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Als Motiv vermuten die Behörden eine "Feindschaft" zu ihrer Mitschülerin, wie der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters am Donnerstag mitteilte (lesen Sie hier mehr dazu). Das Opfer sei erstickt worden. Zum weiteren Erkenntnisstand hielt sich die Staatsanwaltschaft zurück. Die beiden Teenager sollen bislang zu den Vorwürfen geschwiegen haben.

Während Ermittlerinnen und Ermittler weiter versuchen, anhand von Spuren und Aussagen von Zeuginnen und Zeugen das Geschehen zu rekonstruieren, kommt der Stadtteil Salzgitter-Fredenberg auch Tage nach der Tat nicht zur Ruhe.

"Wir sind mit erhöhter Präsenz vor Ort, versuchen mit den Menschen zu sprechen und die Lage zu beruhigen", sagte Polizeisprecher Matthias Pintak am Freitag laut Nachrichtenagentur DPA. Auch an den Schulen seien Beamte im Einsatz, um auf Ängste und Unsicherheiten einzugehen.

Vor allem in Internet häufen sich derweil die Aufrufe zur Selbstjustiz, insbesondere an dem nicht schuldfähigen 13-Jährigen. Der stern konnte zahlreiche entsprechende Postings sichten. Unter anderem kursierte ein Foto eines völlig Unbeteiligten mit falschen Verdächtigungen sowie Mordaufrufe. Von einer "angespannten Stimmung" spricht die Polizei. "Es werden nicht nur Fotos geteilt, es werden auch Dinge verbreitet, die zum Teil beleidigend sind, aber zum Teil wird auch zu Hassdelikten, zu Gewaltdelikten aufgerufen", sagte Pintak dem Norddeutschen Rundfunk. "Das ist ein Pulverfass, dass vielleicht nicht mehr eingeholt werden kann", warnte er vor Selbstjustiz und falschen Verdächtigungen – ebenfalls Straftaten.

Die Trauer um die ermordete 15-Jährige ist in Salzgitter unterdessen weiterhin groß. Am Rande der verwilderten Grünfläche, wo das tote Mädchen am Dienstag entdeckt wurde, legen immer mehr Menschen Blumen ab. Auch rote und weiße Grablichter sowie ein kleiner Engel sind dabei. Wann die Schülerin beigesetzt wird, steht noch nicht fest.

Lesen Sie auch die wichtigsten Frage und Antworten: Warum werden Kinder zu Gewaltverbrechern?

Quellen: Staatsanwaltschaft Braunschweig, Norddeutscher Rundfunk, Nachrichtenagentur DPA


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