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Im eigenen Haus mit dem Tod bedroht: Scheinhinrichtungen bei brutalem Raubüberfall auf Senioren

Die Senioren durchleben einen Alptraum: Vier Stunden lang werden sie in ihrem Haus misshandelt und mit dem Tod bedroht. Vor Gericht geben drei Männer alles zu, für die Opfer ist das aber nur ein schwacher Trost.

Angeklagte vor Gericht

Die drei Angeklagten müssen sich vor Gericht verantworten - sie haben den Raubüberfall bereits zugegeben

Für das ältere Ehepaar und die 89 Jahre alte Schwiegermutter muss es eine Tortur gewesen sein. Vier Stunden lang sind sie in ihrem Haus in Weiden in der Oberpfalz in der Gewalt brutaler Räuber, werden gefesselt, geschlagen, getreten und bedroht.
Die Täter wollen Geld, mehr Geld als das, was sie bisher gefunden haben, daher schlagen sie immer weiter zu. Seit Dienstag müssen sich drei Angeklagte im Alter zwischen 34 und 44 Jahren vor dem Landgericht Weiden verantworten - unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubs und gefährlicher Körperverletzung.

Die Männer geben den Raubüberfall zu. Geschlagen und misshandelt hätten aber jeweils die anderen beiden, heißt es in ihren Einlassungen. "Meinem Mandanten ist nicht entgangen, dass es zu Körperverletzungen und Scheinhinrichtungen gekommen ist", sagt Rechtsanwalt Hans-Wolfgang Schnupfhagn, der den ältesten Angeklagten vertritt. So hatte einer der Räuber immer wieder mit einem Messer knapp neben die Köpfe der gefesselten Opfer eingestochen.

Anwesen wochenlang ausgekundschaftet

Wochenlang hatte das räuberische Trio das Anwesen der Familie ausgekundschaftet. Der jüngste Angeklagte kannte die Opfer und glaubte, es sei "etwas zu holen in dem Haus". Der Plan war, sich als Zusteller mit einem Geschenkpaket zu tarnen und an der Haustür zu klingeln. Am Tag vor der Tat hatten die drei schon vor der Haustür gestanden, es öffnete aber niemand. So suchten sie am Folgetag, dem 17. September 2015, eine andere Möglichkeit. Durch ein geöffnetes Fenster eines Bades stiegen sie ein.


In der Küche stoßen sie auf den Hausherren; einer der Männer schlägt den 71-Jährigen mit dem Kolben einer Schreckschusspistole nieder. Als die Räuber nicht mit der Beute zufrieden sind, beginnt nach Angaben des 71 Jahre alten Ehemanns das Martyrium. Er sei im Wohnzimmer mit Klebeband und einem Gürtel gefesselt worden. "Dann kam der kleine Dicke und hat mich mit dem Messer immer in den Fuß gestochen und an der Seite geschnitten", berichtet der Mann im Zeugenstand erstaunlich gefasst.

Staatsanwalt: Opfer leiden noch immer

Auch die 68 Jahre alte Ehefrau wird geschlagen und getreten. Mit der 89 Jahre alten Mutter der Ehefrau haben die Täter nach eigenen Angaben gar nicht gerechnet. Aber auch sie wird misshandelt. Beide Frauen werden gefesselt, und die Räuber durchstöbern in aller Seelenruhe das Haus nach Wertgegenständen. Immer wieder kommen sie zu dem Hausbesitzer, schlagen und treten ihn, weil sie mehr Geld wollen.

Als sie endlich nach mehr als vier Stunden von ihren Opfern lassen, verschütten sie Diesel im ganzen Haus und drohen es in Brand zu setzen. Der 71-Jährige kann sich schließlich befreien, löst dann die Fesseln seiner Ehefrau und Schwiegermutter und ruft die Polizei. Die Opfer erleiden Nasenbein- und Rippenbrüche sowie massive Prellungen am ganzen Körper. Noch schlimmer sind aber die seelischen Verletzungen. "Alle Opfer leiden noch immer unter den psychischen Folgen der Tat", betont Staatsanwalt Christian Hertl. Das Urteil wird Anfang Dezember erwartet. Der Geschäftsführer der Deutschen Seniorenliga, Erhard Hackler, rät Opfern derartiger Übergriffe sofort zu sozialpsychologischer Hilfe.

Gegenwehr kann zu mehr Gewalt führen

Einen hundertprozentigen Schutz vor solchen Überfällen gebe es kaum, aber einige Tipps, sagt der 66-Jährige: "Legen Sie die Kette an die Haustür, bevor Sie diese öffnen. Am späten Abend nehmen Sie das Telefon mit den eingespeicherten Notrufnummer mit zur Tür." Auch eine ausreichende Beleuchtung durch Bewegungsmelder an der Haus- und Hintertür könne schützen, damit Täter sofort im gleißenden Licht stehen.

"Solche Raubdelikt sind Einzelfälle, bei denen die Täter sehr gewaltbereit und oft zu allem entschlossen sind", erläutert Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. "Wenn der Täter überlegen ist, dann sollten besser dessen Forderungen erfüllt werden." Wertgegenstände seien schließlich ersetzbar, das Leben aber nicht. "Gegenwehr kann zur Eskalation der Gewalt führen." Im Jahr 2015 wurden in Deutschland gut 167.000 Wohnungseinbrüche registriert; das war ein Anstieg von fast zehn Prozent zu 2014. Eingebrochen wurde meist über leicht erreichbare Fenster und Wohnungs- oder Fenstertüren.


André Jahnke, DPA