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Schießerei in Dossenheim: Der Feind in meinem Haus

Was treibt einen Rentner dazu, blindwütig zu morden? Die Bluttat des 71-jährigen Filip N. gibt Rätsel auf. Die Rekonstruktion der letzten Stunde des Täters macht deutlich: Er wusste genau, was er tat.

Von Ingrid Eißele und Lisa Rokahr, Dossenheim

Die sieben Eigentümer des Hauses in der Friedrich-Ebert-Straße 1 in Dossenheim waren mit ihrer Versammlung in der nahen Gaststätte "Ambiente" schon fast am Ende. Der Hausverwalter bat, über die Tagesordnung per Handzeichen abzustimmen. Doch Elektriker Filip N., der mit seiner Ehefrau erschienen war, hatte noch Fragen. Es ging um die Nebenkosten aus dem Jahr 2012, Größenordnung etwa 4000 Euro. Die Abrechnung, behauptete der Rentner, sei nicht korrekt. "Betrug!", schimpfte er.

Der Rest des Dramas ist bekannt: Als N. sich nicht beruhigte und aggressiv auf eine Nachbarin zuging, warf ihn der Hausverwalter hinaus. Filip N. fuhr nach Hause, holte seine Ceska 75, eine großkalibrige Pistole, die auch als Militärwaffe gilt. Dann kam er zurück, erschoss im Nebenraum zwei Nachbarn, verletzte vier von ihnen und außerdem eine unbeteiligte 47-jährige Frau, die mit Mann und Kindern auf der angrenzenden Terrasse zu Abend aß und von einem Querschläger am Kopf getroffen wurde. Im Nebenzimmer entkam nur eine Nachbarin dem Drama unverletzt.

War dies die "mörderische Raserei", mit der Amok oft umschrieben wird, ein besinnungsloser Blutrausch, der wahllos Bekannte und Fremde trifft? "Nein, das waren meiner Meinung nach gezielte Hinrichtungen", sagt der Wirt, in dessen Räumen sich das Drama vom Dienstagabend abspielte. Kiriakos Aidonidis stand an jenem Abend in der Küche.

Nach etwa einer Viertelstunde war Filip N. zurückgekehrt und hatte an der Theke eine Cola bestellt. Er trug einen Gegenstand in einem blauen Handtuch bei sich. Filip N. bezahlte, trug das Glas zu einem der Tische im Gastraum, setzte sich. Er habe ganz ruhig gewirkt, so fasst der Wirt die Aussagen seiner Mitarbeiter zusammen, die noch unter Schock stehen. "Er war total bei sich." Nach ein paar Minuten ging er mit dem blauen Bündel in den Nebenraum, wo seine Frau und die anderen Eigentümer immer noch zusammensaßen.

N. verletzte auch seine eigene Ehefrau

Filip N., so ergab die Rekonstruktion der Polizei, schrie drinnen: "Ich bring euch alle um." Dann schoss er, mindestens 13 Mal, denn so viele Hülsen wurden gefunden. Er zielte auf seinen Nachbarn T., 54 Jahre alt, der ein Stockwerk unter ihm wohnte. Mit ihm hatte er besonders heftigen Streit, weil T. als Kassenprüfer seiner Meinung nach die Nebenkostenabrechnung zu verantworten hatte. Der Nachbar starb. Ein Schuss tötete den 82-jährigen Nachbarn, die Frau, die er zuvor im Streit angreifen wollte, suchte Schutz unter einem Tisch, ebenso N.’s Ehefrau.

Weshalb seine Rachlust auch die eigene Frau traf, war bei der gestrigen Pressekonferenz noch ein großes Rätsel. Die Ehefrau wurde operiert, konnte aber noch nicht befragt werden. "Wir wissen nicht, ob er seine Frau treffen wollte", so Kripochef Siegfried Kollmar. Doch inzwischen sieht es danach aus, als ob der präzise Schütze, den sein Schützenverein noch vor zwei Jahren als Ausnahmetalent rühmte, mit Ausnahme der Frau auf der Terrasse keine Zufallsopfer wählte.

Der Kellner wurde verschont

Besonders abgesehen hatte er es auf Hausverwalter S., der ihm die Schmach des Rauswurfs bereitet hatte. Er verfolgte ihn mit der Waffe, als der Mann flüchten wollte. Kiriakos Aidonidis hörte von der Küche aus schnelle Schritte und Schüsse. Zwei Hülsen wurden im Gastraum gefunden. Ein Kollege, der Kellner, habe den Verfolger dort angesprochen und ihn gefragt: "Was soll die Scheiße?". Filip N. habe nur knapp erklärt, er solle ihm aus dem Weg gehen, "du hast nichts damit zu tun."

Der Hausverwalter konnte sich im Haus verstecken. Der Schütze, so berichtet der Gastwirt, rannte darauf auf die Terrasse, wo kurz zuvor etwa 15 Gäste gesessen hatten, die sich jetzt unter den Tischen verbargen oder versuchten, über eine Wendeltreppe zu flüchten. Den panischen Menschen dort habe er wie zuvor dem Kellner erklärt, er werde ihnen nichts antun.

Ob es Zufall war oder Reue - jedenfalls wurde der Täter danach sogar noch vor dem Haus gesehen. "Er hat über die Autos hinweg mit der Frau gesprochen, die er auf der Terrasse getroffen hatte," so der Gastwirt. Die Kinder des Paares hatte der Wirt zu sich in Sicherheit genommen. Dann ging Filip N. ins Haus zurück, noch einmal die Treppen hoch. Im Nebenraum lagen nur die beiden Toten.

Darauf ging er in den Eingangsraum des Restaurants und setzte sich die Waffe an die Schläfe. Als ihn Polizeibeamte um 18.57 dort fanden, zeigte er noch Lebenszeichen. Eine Wiederbelebung hatte keinen Erfolg. Filip N. hatte noch 13 Schuss Munition in seiner Waffe.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(

Von:

Ingrid Eißele und Lisa Rokahr