Schießerei in Duisburg Check-out in den Tod


Er kam am Montag, bezahlte am Dienstag und verschwand am Mittwoch. Was blieb, waren zehn Patronenhülsen, eine meterlange Blutspur und ein Dutzend Einschusslöcher in einem Duisburger Hotel. Am Donnerstag wurde rund 30 Kilometer entfernt eine Leiche gefunden: Männlich, farbig, unbekannt. Der mysteriöse Hotelgast?
Von Manuela Pfohl

Die Frühschicht des Zimmerservices im Duisburger Etap-Hotel hatte gerade begonnen, als die Mitarbeiterinnen in den frühen Montagmorgenstunden im Erdgeschoss Blut entdeckten. Die Spuren führten von Zimmer 142 über den Flur bis zur Straße. Darüber hinaus fanden sich insgesamt zehn Patronenhülsen vom Kaliber 7,65, einige Einschusslöcher und eine blutverschmierte Brille. Die eiligst herbeigerufene Geschäftsleitung befürchtete Schreckliches. Das Zimmer, vor dem die Blutspuren beginnen, war am Dienstag von einem Schwarzafrikaner gemietet worden. Für eine Nacht. Als die eiligst um 6.50 Uhr herbeigerufene Polizei das Hotelzimmer betrat, war der Gast verschwunden.

Einen Tag später, am Mittwochabend, fanden Passanten rund 30 Kilometer entfernt an einem Waldweg einen toten schwarzen Mann. Erschossen, wie die Obduktion ergab. "Wir gehen davon aus, dass es eine Verbindung gibt, zwischen dem Leichenfund und den Geschehnissen in dem Duisburger Hotel", teilte die Polizei am Donnerstag mit. Was genau zwischen dem Einchecken des mysteriösen Gastes, dem Verschwinden und seinem Auffinden geschah, muss die extra eingerichtete Mordkommission "Falkstraße" noch ermitteln.

Keiner hörte den Schuss

Fakt ist nur, dass er am Montag in Begleitung eines anderen Schwarzafrikaners im Hotel erschien und ein Zimmer für die Nacht zum Mittwoch buchte. Am Dienstag erschien er an der Rezeption und bezahlte. Die Angestellte konnte nichts Auffälliges an ihm entdecken. Sie erinnert sich, dass der hochgewachsene und breitschultrige Gast einen beigefarbenen dreiteiligen Anzug trug und mit einem "südländisch aussehenden Mann" auf das Zimmer ging. Seine Begleitung in den Tod?

Um 22 Uhr war am Dienstag Feierabend an der Rezeption. Keiner im fast ausgebuchten Hotel hörte den Schuss, den ein Anwohner eine Stunde später, kurz nach 23 Uhr, bei der Polizei meldete. Als die Beamten bei ihm eintreffen, erzählte er aufgeregt, er habe auf der Straße vor dem Hotel zwei Personen gesehen, die mit einem Auto davon gefahren seien. Polizeisprecher Ramon van der Maat: "Als die Kollegen eintrafen, konnten sie allerdings nichts Ungewöhnliches entdecken."

Erst bei der Spurensicherung am Mittwoch fanden die Ermittler vor dem Hotel drei zusammengesteckte Kabelbinder. Sogenannte "Einwegfesseln". An zweien klebte Blut. Jetzt fragen sich die Polizisten: Welche Hintergründe hat die Schießerei, die im Hotel selbst niemand gehört haben will? Wurde der Gast angeschossen und gefesselt aus dem Haus gebracht und wenn ja, warum wurden die Fesseln auf der Straße abgenommen und weggeworfen?


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