Schießerei in Duisburg Mysteriöse Blutspuren im Hotel


Zehn Patronenhülsen, eine meterlange Blutspur, ein Dutzend Einschusslöcher - und keine Leiche. Noch ist die Duisburger Polizei am Anfang ihrer Ermittlungen. Allerdings weist das, was sich in einem Hotel in Duisburg-Duissen abspielte, auf ein Kapitalverbrechen hin.
Von Manuela Pfohl

Die Frühschicht des Zimmerservices im Duisburger Etap-Hotel hatte gerade begonnen. In den meisten Zimmern war es noch still, als die Mitarbeiterinnen in helle Aufregung versetzt wurden. Der Grund: In den frühen Morgenstunden des Mittwochs entdeckten sie im Erdgeschoss Blut. Die Spuren führten von einem Zimmer über den Flur bis zur Straße. Darüber hinaus fanden sich insgesamt zehn Patronenhülsen vom Kaliber 7,65, einige Einschusslöcher und eine blutverschmierte Brille. Die eiligst herbeigerufene Geschäftsleitung befürchtete Schreckliches. Das Zimmer, vor dem die Blutspuren beginnen, war am Dienstag von einem farbigen Mann gemietet worden. Für eine Nacht. Ein Fall für das Duisburger Polizeipräsidium.

"Um 6.50 Uhr rief die Geschäftsleitung bei uns an", berichtet Polizeisprecher Ramon van der Maat, der inzwischen vor Ort ist, und erklärt: "Wir haben sofort eine Mordkommission eingerichtet und versuchen zurzeit Zeugen zu ermitteln." Viel wisse man zwar noch nicht, aber eines ist schon jetzt klar: Die ganze Angelegenheit ist reichlich mysteriös. Bislang jedenfalls konnte weder eine Leiche noch ein Verletzter gefunden werden. Interessant ist aber, dass am Dienstagabend, kurz nach 23 Uhr, beim Polizeipräsidium ein Notruf einging. Der Anwohner meldete aufgeregt, dass er einen lauten Knall gehört habe, der wie ein Schuss klang.

Wer ist Opfer, wer ist Täter?

Auf der Straße vor dem Hotel habe er dann zwei Personen gesehen, die mit einem Auto davon gefahren seien. Van der Maat: "Als die Beamten eintrafen, konnten sie allerdings nichts Ungewöhnliches entdecken." Der Empfang des Hotels war in der Nacht nicht besetzt. Nun fragen sich die Mordermittler, ob es nicht doch einen Zusammenhang mit den mysteriösen Blutspuren gibt. Ist der verschwundene Mieter des Zimmers Opfer oder Täter? Welche Hintergründe hat die nächtliche Schießerei, die im Hotel selbst niemand gehört haben will?

Nach Angaben der Polizei reservierte der farbige Mann am Montag persönlich das Zimmer. "Das könnte dafür sprechen, dass er aus Duisburg oder der Umgebung kam", meint van der Maat. Das letzte Mal gesehen wurde er am Dienstag vom Empfang des Hotels. Da war er in Begleitung einer weiteren männlichen Person und zahlte das Zimmer. Zu diesem Zeitpunkt deutete nichts auf eine Gefahrensituation hin. "Wir sind jetzt auf jede Info angewiesen, die uns weiterhilft", sagt der Polizeisprecher.

Der Flur und das Zimmer im Erdgeschoss sind ebenso abgesperrt, wie der Eingang zum Hotel. Davor entdeckten die Ermittler drei zusammengesteckte Kabelbinder, an zweien von ihnen befanden sich ebenfalls Blutspuren. Die Ermittler hoffen, Hinweise zu finden, die ihnen helfen, den Fall aufzuklären. Für die Frühschicht des Zimmerservices ist erstmal Pause angesagt.


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