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Schlag gegen 'Ndrangehta: Mafia-Boss nach 17 Jahren Flucht gefasst

Er gehörte zu den meistgesuchten Verbrechern Italiens, nun ist er den Fahndern ins Netz gegangen: Giovanni Tegano, ein führendes Mitglied der kalabrischen Mafia, wurde in einem Wohnhaus in Süditalien gefasst - nach 17 Jahren auf der Flucht.

Die italienische Polizei hat den seit 17 Jahren gesuchten Mafia-Boss Giovanni Tegano festgenommen. Der 70-Jährige wurde am Montagabend in einem Wohnhaus in Kalabrien im Süden des Landes gefasst, wie italienische Medien am Dienstag berichteten.

Tegano ist ein führendes Mitglied der 'Ndrangheta, der kalabrischen Mafia. Er stand auf der Liste der 30 am dringendsten gesuchten Verbrecher Italiens. Innenminister Roberto Maroni würdigte seine Festnahme als "den härtesten Schlag, der die 'Ndrangheta heute treffen konnte". Die 'Ndrangehta machte einer Studie zufolge 2007 schätzungsweise 44 Milliarden Euro Umsatz mit Drogen- und Waffenhandel, Prostitution und Erpressungen.

Polizei geht gegen moderne Sklavenhalter vor

Mit zahlreichen weiteren Festnahmen war die Polizei in Süditalien am Montag zudem gegen die organisierte Ausbeutung von Flüchtlingen vorgegangen. Sondereinheiten der Carabinieri nahmen Medienberichten zufolge im Rahmen der Operation "Migrantes" neun Menschen fest, weitere sieben wurden demnach unter Hausarrest gestellt und ihre Betriebe beschlagnahmt. Insgesamt 20 Landwirtschaftsbetriebe und 200 Grundstücke im Wert von 10 Millionen Euro seien in der Gegend um den kleinen Ort Rosarno an der Westküste nördlich von Reggio Calabria beschlagnahmt worden. Den Festgenommenen werde die brutale Ausbeutung von ausländischen Tagelöhnern und Schwarzarbeit vorgeworfen, hieß es. Medien sprachen von "modernen Sklavenhaltern".

Im 16.000 Einwohner zählenden Rosarno leben je nach Erntezeit bis zu 5000 Immigranten - zum Großteil aus Afrika. Bei Schwerstarbeit am Tag hausen sie nachts unter unvorstellbaren Bedingungen in ehemaligen Fabriken oder einfachen Baracken - ohne Matratzen, Licht und Heizung, oftmals mit nicht mehr als einer einzigen chemischen Toilette für 200 Menschen. Der durchschnittliche Verdienst liegt bei 20 Euro pro Tag, von denen die örtliche Mafia in der Regel noch 5 Euro "Aufenthaltssteuer" einbehalte.

Rosarno war Anfang Januar durch einen Tagelöhneraufstand zu trauriger Berühmtheit gelangt: Nach Protesten von rund 2000 zumeist afrikanischen Immigranten gegen ihre unmenschlichen Lebensbedingungen war es damals zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Einwanderern und der Bevölkerung gekommen.

APN/AFP/DPA / DPA