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Urteil im Prozess: "Kind war der Beziehung im Wege": Die tragische Geschichte des getöteten Juri

Die Mutter blieb bis zum Schluss bei der Meinung, der Tod des kleinen Juri sei ein Unfall gewesen. Doch die Richter sind überzeugt, dass die Frau ihren Sohn 2016 umgebracht hat. Aus ziemlich niedrigen Beweggründen.

Prozess Juri

Die 34-jährige Mutter verbirgt neben ihrem Anwalt im Landgericht in Lübeck im Dezember zum Prozessauftakt ihr Gesicht hinter einem Aktenordner

Achteinhalb Jahre Gefängnis - im Prozess um den Tod des kleinen Juri aus Schleswig-Holstein hat das Lübecker Landgericht die Mutter härter verurteilt als von der Staatsanwaltschaft verlangt. Die 34-Jährige hat den zweieinhalb Jahre alten Juri laut dem Urteil vom Dienstag erdrosselt, weil das Kind ihr auf die Nerven gegangen sei und ihre Beziehung zu ihrem Lebensgefährten gefährdet habe.

Die Angeklagte nahm die Verurteilung wegen Totschlags ohne sichtbare äußere Regung auf. Noch vor kurzem hatte sie in ihrem Schlusswort unter Tränen beteuert, sie hätte ihrem Kind nie etwas antun können.

Richter: "Die Angeklagte erdrosselte Juri"

"Wer in der Hauptverhandlung nur die Aussagen der Angeklagten gehört hat, mag sich fragen, ob diese zurückhaltende junge Frau tatsächlich ihr Kind umgebracht haben kann", sagte der Vorsitzende Richter Christian Singelmann. Doch die gesamte Beweisaufnahme seit Prozessbeginn Mitte Dezember habe ein anderes Bild ergeben.

Danach sahen es die Richter als erwiesen an, dass die 34-Jährige aus Eutin im Kreis Ostholstein ihren Sohn am Abend des 13. April 2016 Juri mit einem Schlafsack getötet hat. "Die Angeklagte erdrosselte Juri, weil der in seiner Entwicklung etwas zurückgebliebene und sehr lebhafte Junge die Beziehung zu ihrem Freund belastete", sagte Singelmann. Er sprach von ziemlich niedrigen Beweggründen. 

Nach Aussagen eines Gerichtsmediziners starb das Kind zwischen 20 und 22 Uhr. "Die Aussage der Angeklagten, Juri habe noch gelebt, als sie in der Nacht noch einmal ihm gesehen habe, kann also definitiv nicht stimmen", unterstrich der Vorsitzende. Vor Gericht hatte die Angeklagte Juris Tod bis zuletzt als Unfall dargestellt. Dafür habe es allerdings nach Aussagen des Gutachters keine Anhaltpunkte gegeben, betonte der Vorsitzende.  

In ihrer Aussage am 10. Februar hatte die 34-Jährige erklärt: "Ich habe diese Tat nicht begangen, weil so was nicht in meiner Natur liegt." Zahlreiche Zeugen hatten dagegen vor Gericht einen alles andere als liebevollen Umgang der Mutter mit ihrem Kind geschildert. Da war von Schlägen und Beschimpfungen die Rede. "Einmal kam Juri zu ihr und wollte mit ihr schmusen. Doch sie hat ihn weggestoßen und ihm eine Ohrfeige gegeben", hatte sich eine Zeugin empört. 

Unfähig zu tieferen emotionalen Bindungen

Bereits 2006 hatte das Jugendamt der Mutter ihre beiden 2002 und 2005 geborenen Kinder entzogen. In einem dazu erstellten Gutachten war die Rede davon, dass die damals 24-Jährige das Leben einer Jugendlichen geführt habe. Auch im aktuellen Gutachten kam die psychiatrische Sachverständige zu dem Ergebnis, die Angeklagte verhalte sich kindisch, habe ein gestörtes Sozialverhalten und sei unfähig zu tieferen emotionalen Bindungen.

Eine verminderte Steuerungsfähigkeit der Angeklagten, wie sie die Sachverständige aufgrund einer Persönlichkeitsstörung der Angeklagten für möglich hielt, sah das Gericht nicht. Auch für die von der Gutachterin angeregte Einweisung in die Psychiatrie, sahen die Richter keinen Grund. 

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger, der eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung beantragt hatte, will jetzt prüfen, ob er Revision einlegen wird.

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Eva-Maria Mester / DPA