Schleswig-Holstein Razzia bei Tiermehl-Exporteur


Weil Tiermehl Seuchen wie BSE verbreiten kann, darf es weltweit nicht mehr verfüttert werden. Nun haben Ermittler eine norddeutsche Firma durchsucht, die nach stern-Informationen seuchengefährliches Tiermehl nach Südostasien exportiert hat.
Von Matthias Brendel

Ermittler haben am Dienstagvormittag Büros des Fehmarner Kaufmanns Friedrich von S. durchsucht und dabei zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt. Friedrich von S. steht nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft Lübeck im Verdacht, Tausende Tonnen möglicherweise seuchengefährliches Tiermehl als Dünger gekauft und anschließend illegal als Tierfutter vorwiegend nach Südostasien verkauft zu haben. Das hatte der sternbereits vor Monaten berichtet (33/2008).

Das Verfüttern dieses Tiermehls der so genannten Kategorie 2 - überwiegend hergestellt aus verendeten oder tot aufgefundenen Schlachttieren - ist weltweit verboten, um den Wiederausbruch von Rinderwahnsinn (BSE) und anderen Tierseuchen zu verhindern. Denn ganz ausgerottet ist BSE bis heute nicht: In Deutschland gab es 2008 noch zwei Fälle von Rinderwahnsinn, in Großbritannien wurde BSE bei 25 Rindern festgestellt, in Irland bei 17 und in Portugal bei 12 Tieren.

Tiermehlverschiffung heimlich verfolgt

Im Mai dieses Jahres hatten Journalisten im Auftrag der Verbraucherorganisation "Foodwatch" eine Tiermehlverschiffung heimlich verfolgt. Mit falschen Zollpapieren, ausgewiesen als Mineraldünger, hatte die Firma Subs-Trade von Friedrich von S. im Mai rund 500 Tonnen Tiermehl in Containern aus Süddeutschland über Singapur nach Penang in Malaysia verschoben, wo das Tiermehl als Futter an Tierfarmen ausgeliefert wurde.

Darauf hatte der stern eine weitere Lieferung von 500 Tonnen nach Vietnam ermittelt, die ebenfalls im Auftrag von Subs-Trade zum nordvietnamesischen Hafen Haiphong unterwegs war. Vom stern alarmiert, wurde das Tiermehl von der vietnamesischen Polizei noch im Hafen sichergestellt. Diese Ladung war mit einem offiziellen Begleitpapier des Kreises Viersen in Nordrhein-Westfalen ausgestattet. Danach enthielt das nach Hai Phong gelieferte Tiermehl der Firma Subs-Trade nur Schwein und war "für die Verfütterung geeignet". Nach Auskunft des Kreises Viersen ist das Dokument jedoch gefälscht.

Nach Informationen des stern begannen die illegalen Exporte spätestens im Oktober 2006. Allein über ein süddeutsches Hauptzollamt wurden etwa 6300 Tonnen Tiermehl in Überseecontainern ausgeführt.

Handel mit "organischen Düngemitteln"

Der Kaufmann Friedrich von S. gilt seit Jahren als Deutschlands größter Händler mit "organischen Düngemitteln" - eine Umschreibung für Tiermehl, das wegen der BSE-Gefahr seit 2001 EU-weit nicht mehr verfüttert werden darf. Eigentlich muss dieses Material der Kategorie 2 verbrannt werden, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Friedrich von S. hatte sich ein Schlupfloch im Gesetz zunutze gemacht, wonach Bauern das Kat 2-Material unter bestimmten Bedingungen als Dünger verwenden dürfen.

Um Verbrennungskosten zu sparen, waren manche Tierkörperbeseitigungsanlagen offenbar allzu gern bereit, den pfiffigen Händler zu beliefern. So war es von S. gelungen, das Tiermehl praktisch zum Herstellungspreis um 20 Euro je Tonne zu bekommen. In Südostasien, wo in den vergangenen Jahren große Tierfarmen mit riesigem Futterbedarf entstanden sind, ließ sich die heiße Ware zum zehnfachen Preis losschlagen.

Zulassung entzogen

Hauptlieferanten des Tiermehls waren dabei die Firma Saria aus Selm, nach eigenen Angaben das "größte familiengeführte europäische Unternehmen im Bereich der Schlachtabfall- und Tierkörperentsorgung und -verwertung", sowie die Vertriebsgemeinschaft Deutscher Fleischmehlfabriken (VDF) in Hamburg. Sowohl Saria als auch VDF haben ihre Handelsbeziehungen zu von S. nach eigenen Angaben eingestellt, nachdem die illegalen Exporte publik wurden. Die Zulassung als Lagerbetrieb für Tiermehle ist den Firmen von von S. nach Angaben der Bundesregierung inzwischen entzogen worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Friedrich von S. wegen Verstoßes gegen des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Danach droht dem schleswig-holsteinischen Unternehmer eine Haftstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldbuße.


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