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Ermittlungen wegen Betrugs: 1500 Euro für ein Schloss: Schlüsseldienst-Netz soll über Jahre Wucherpreise verlangt haben

Ein unachtsamer Moment - und schwups ist die Tür ins Schloss gefallen. Meist bleibt dann nur noch der Anruf beim Schlüsseldienst, will man zurück ins eigene Heim kommen. Ein Netz solcher Firmen soll derartige Notsituationen über Jahre schamlos ausgebeutet haben.

schlüsseldienst - Mafia - Abzocke

Der Anruf beim Schlüsseldienst kann teuer werden - vor allem wenn dort Betrüger am Werk sind (Symbolbild)

Ein Netz von Schlüsseldienstfirmen soll in mehr als 1000 Fällen überteuert abgerechnet haben. Ein entsprechender Prozess beginnt am 16. Januar vor dem Landgericht Kleve, wie Oberstaatsanwalt Günter Neifer am Montag sagte. Zuvor hatte der "Kölner Stadt-Anzeiger" (KSTA) darüber berichtet. Die beiden Angeklagten, die in Haft sind, bestreiten die Vorwürfe.

Ihnen werden unter anderem und bandenmäßiger und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Im ganzen Bundesgebiet hätten ihre Truppe von knapp 300 Monteuren überhöhte Rechnungen etwa für neue Schlösser ausgestellt. Laut "KSTA" sollen für Noteinsätze in besonders drastischen Fällen bis zu 1500 Euro verlangt worden sein. Eine Geschädigte musste demnach für ein neues Schloss knapp 900 Euro zahlen, obwohl die geleistete Arbeiten eigentlich nicht mehr als 250 Euro hätte kosten dürfen. In einem anderen Fall habe sich ein Monteur Material im Voraus bezahlen lassen, ehe er verschwand um dieses zu holen, dann aber einfach nicht mehr bei dem Kunden auftauchte, heißt es in dem Bericht. 

Schlüsseldienst stellte horrende Summen in Rechnung

Die Geschädigten riefen nach Darstellung der Staatsanwaltschaft vermeintlich einen örtlichen Schlüsseldienst an, landeten aber in der Telefonzentrale des Firmengeflechts in Geldern am Niederrhein. Von dort wurde dann ein Monteur losgeschickt, teilweise mit langen Anfahrtswegen. Eine Masche, die funktionierte, weil die Betrüger durch massenhafte Anzeigen in den Gelben Seiten und im Internet vorgaukelten, in der Nähe des Kunden zu wohnen. Der Zeitung zufolge zählte sogar die Kreispolizeibehörde Wedel zu abgezockten Opfern.

Das Verfahren sei kompliziert, da in jedem einzelnen der 1009 Fälle nachgewiesen werden müsse, dass der Monteur eine Wucher-Rechnung ausgestellt habe, sagte Neifer. Insgesamt sollen sich die beiden Angeklagten, die das Netzwerk mutmaßlich koordinierten, eine halbe Million Euro ergaunert haben. 

mod mit DPA