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Doppelmord von Schnaittach: Für seine Frau erschlug er seine Eltern und mauerte sie ein. Nun wurden beide verurteilt

Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen: In einer beschaulichen Gemeinde bei Nürnberg soll ein Paar die Eltern des Mannes erschlagen und dann die Leichen im Haus eingemauert haben. Jetzt sind die Urteile gesprochen worden.

Das Ehepaar wurde wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt

Das Ehepaar wurde wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt

DPA

Die Vorsitzende Richterin Barbara Richter-Zeininger blickt kurz auf, als sie zum entscheidenden Punkt ihrer Urteilsbegründung kommt. Im vollen Gerichtssaal des Landgerichts Nürnberg-Fürth gucken sie etliche Menschen aus der fränkischen Gemeinde Schnaittach gespannt an. Sie wollen wissen, warum das dort lebende Ehepaar P. Ende 2017 so brutal ermordet wurde - und das ausgerechnet vom eigenen Sohn Ingo, den die Eltern stets verhätschelten.

"Es gab für den Angeklagten zunächst schlichtweg keinen Grund, seine Eltern zu töten - und dennoch hat er es getan", sagt die Richterin mit Blick auf den gerade zu lebenslanger Haft verurteilten 26-Jährigen. Der sieht aus wie ein Milchbubi, kaum vorstellbar, wie er mit einem Zimmermannshammer beiden Eltern den Schädel einschlug. Ein freundliches Gesicht, die lockigen Haare allerdings auffällig zerzaust.

Vielleicht hat sich P. noch vor dem Urteil die Haare gerauft über das, wozu er sich hat treiben lassen. Denn dass er getrieben wurde, davon ist die Richterin überzeugt. Die treibende Kraft hinter dem Doppelmord war für sie die ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilte Stephanie P.. Die unscheinbare 23-Jährige sitzt blass neben ihrem Mann.

Dass die beiden verheiratet sind, ist eine der Absonderlichkeiten des Falls: Denn nach Weihnachten 2017 meldete das Paar die vorher ermordeten Eltern vermisst, um einen Tag später zu heiraten. Das Misstrauen der Polizei war schnell geweckt, bald entdeckten Ermittler die in Salz eingelegten, in einem Anbau des Elternhauses eingemauerten Leichen.

Schnaittach: Frau "manipulativ, dominant und aufbrausend"

In der Persönlichkeit von Stephanie P. liegt nach der Überzeugung der Richterin der Ursprung der Bluttat. P. werde als "unsicher und naiv", aber auch "manipulativ, dominant und aufbrausend" beschrieben. "Die Kammer ist davon überzeugt, dass die Angeklagte sich gern der Unwahrheit bedient und diese Lügen zur Manipulation einsetzt", sagt die Richterin.

Erst wenige Monate vor der Tat bandelte Stephanie mit Ingo an, den sie auch schnell mit ihrer Dominanz in den Griff bekam. Arbeitskollegen von ihm berichteten, wie der Informatiker immer schweigsamer wurde im Laufe der Beziehung. Alle wussten, dass er den Lebensplan einer jungen Heirat und schnellen Familiengründung hatte - dies sollte mit Stephanie P. gelingen.

Dass die Eltern, wie zu Prozessbeginn vermutet, gegen die Beziehung waren, ließ sich nicht beweisen. Nur eine Zeugenaussage deutet auf Skepsis hin. Demnach hatte Ingo P. seine Eltern gefragt, was sie sagen würden, wenn er bald heiraten und sie zu Großeltern machen würde. Da habe die Mutter ihn gefragt, ob er denn spinne - schließlich kenne er seine Freundin doch erst kurze Zeit.

Dass diese nachvollziehbare Zurückhaltung einer frischen Beziehung gegenüber das Todesurteil der Eltern war, glaubt die Richterin nicht. Es war demnach die fatale Abhängigkeit, die das Paar miteinander verband.

Ob Revision eingelegt wird, ist noch offen

Ingo habe Stephanie heiraten wollen. Er habe aber verlangt, dass sie vorher bei ihm einzieht. Seine Eltern hätten das nicht abgelehnt. Stephanie habe aber nur einziehen wollen, wenn die Eltern weg sind. Ihr sei klar gewesen, dass dies deren Ermordung bedeuten würde. Spätestens wenige Wochen vor der Tat habe sie auch gewusst, dass ihr Freund dies konkret plante.

Als die Richterin ihre Urteilsbegründung abgeschlossen hat, bleibt Stephanie P. noch einige Minuten auf der Anklagebank sitzen. Sie weint, drückt hilfesuchend ihrem Verteidiger die Hand. Er will jetzt Revision einlegen - ob er seine Mandantin auch für eine chronische Lügnerin hält, will er nicht beantworten.

Ob Ingo P. auch Revision einlegt, ist offen. Nach den Worten seines Verteidigers will er endlich seine Trauerarbeit beginnen können - eine Trauer um die geliebten Eltern, denen er für eine verhängnisvolle Liebe die Schädel einschlug.

Tatort Mordplatz
fin / Ralf Isemann / AFP