Schuldspruch Dutroux als dreifacher Mörder verurteilt


Die Geschworenen haben Marc Dutroux des Mordes an zwei Mädchen und seinem Komplizen schuldig gesprochen. Dem Belgier droht nun eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Marc Dutroux wird wohl den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Alle wesentlichen Anklagepunkte im belgischen Mädchenmordprozess quittierte die Vorsitzende der Geschworenen am Donnerstag mit fester Stimme: "Die Antwort ist Ja." Mit diesem klaren Schuldspruch droht dem Entführer, Vergewaltiger und Mörder im späteren Urteil zum Strafmaß lebenslängliche Haft - und kein belgischer Politiker wird es je wagen, womöglich eine Urkunde zur vorzeitigen Entlassung Dutrouxs zu unterschreiben.

Hart fiel auch der Juryspruch zur Tatbeteiligung von Dutrouxs Ex-Frau Michelle Martin aus. Die 44-Jährige, die sich stets als willenlose Helferin ihres Mannes dargestellt hatte, muss mit 30 Jahren Gefängnis rechnen, wenn voraussichtlich kommende Woche über die Höhe der Strafe entschieden wird. Den Komplizen Michel Lelièvre sprachen die Geschworenen am Donnerstag im südbelgischen Arlon ebenfalls in allen entscheidenden Punkten der Anklage schuldig.

Überraschender Schuldspruch für Michel Nihoul

Für viele überraschend kam der Schuldspruch für den vierten Angeklagten im Dutroux-Prozess, den vorbestraften Betrüger Michel Nihoul. Zwar waren nur sieben von zwölf Jury-Mitgliedern der Meinung, der 63-Jährige sei an der Entführung des letzten Dutroux-Opfers Laetitia Delhez beteiligt gewesen. Hier musste die Stimme der Berufsrichter den letzten Ausschlag geben. Eindeutig fiel jedoch das Urteil der Geschworenen zu der Frage aus, ob Nihoul als Bandenchef mit Drogen und Menschen handelte: "Die Antwort ist Ja."

Auch auf diese Straftat stehen mehr als zehn Jahre Haft. Und das Argument der Nihoul-Verteidiger, ihr Mandant habe nur als Tippgeber der Polizei gehandelt, ließen die Laienrichter nicht gelten. Damit ist die Jury den Vermutungen vieler Belgier gefolgt, die Nihoul als Verbindungsmann der Mädchenentführer zu einem Kinderschänder-Netzwerk sehen. Nun bleibt abzuwarten, ob Nihoul eine Wiederaufnahme des Verfahrens wegen möglicher Formfehler versuchen wird. Eine Berufung gegen das Urteil der Volksjury ist nicht möglich.

Für die Geschworenen reichte die "innere Überzeugung" von der Tatbeteiligung der Angeklagten, um diese zu verurteilen. In einigen Anklagepunkten mit eher dünner Beweislage hätten Berufsrichter möglicherweise im Zweifel für die Angeklagten entschieden. Doch sicherlich hatten die Aussagen der beiden überlebenden Mädchen Sabine Dardenne und Laetita Delhez sowie der Ortstermin im Dutroux-Haus von Charleroi einen tiefen Eindruck bei den Geschworenen hinterlassen.

Abstieg in die Hölle

Teilnehmer schilderten den Besuch in dem winzigen Kerker als Abstieg in die Hölle: 80 Tage war die damals zwölfjährige Sabine Dardenne in einem kaum zwei Quadratmeter kleinen Kellerloch eingesperrt, wo zuvor die beiden Dutroux-Opfer Julie und Mélissa elend verdursteten. Dardennes Bericht von ihrer Leidenszeit geriet zu einem der bewegendsten Momente des dreieinhalb Monate dauernden Verfahrens vor dem Schwurgericht von Arlon.

Bei der Urteilsverkündung am Donnerstag waren auch Sabine Dardenne und Laetita Delhez wieder im Saal. Und sie verließen ihre Plätze nicht wie manchmal während der Verhandlung, als Dutroux und dessen Anwälte das Wort ergriffen. Betty Marchal, die Mutter eines ermordeten Opfers, kam ebenfalls. Sie habe schlecht geschlafen, erzählte sie Reportern vor der Urteilsverkündung: "Aber ich bin froh, dass es mit dem Urteil heute vorbei ist."

Roland Siegloff/DPA DPA

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