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Schuldspruch im Fall von Amanda Knox: Engel mit Eisaugen beteuert Unschuld

26 Jahre Haft für den "Engel mit Eisaugen": Die US-Studentin Amanda Knox ist in der Nacht zum Samstag von einem Gericht im italienischen Perugia wegen Mordes und sexueller Nötigung ihrer britischen Mitbewohnerin verurteilt worden.

26 Jahre Haft für den "Engel mit Eisaugen": Die US-Studentin Amanda Knox ist in der Nacht zum Samstag von einem Gericht im italienischen Perugia wegen Mordes und sexueller Nötigung ihrer britischen Mitbewohnerin verurteilt worden. Ihr Ex-Freund, der Italiener Raffaele Sollecito, muss für 25 Jahre ins Gefängnis. Trotz dünner Beweislage und Unschuldsbekundungen der Angeklagten erklärten die Geschworenen beide für schuldig, Meredith Kercher vor zwei Jahren grausam getötet zu haben.

Das 21-Jährige Opfer wurde am 2. November 2007 mit aufgeschnittener Kehle aufgefunden. Ein dritter Verdächtiger, ein Mann aus der Elfenbeinküste, wurde bereits 2008 schuldig gesprochen und zu 30 Jahren Haft verurteilt. Er hatte vor Gericht ebenfalls seine Unschuld beteuert.

Knox, die von den italienischen Medien wegen ihres kindlichen und zugleich undurchdringlichen Gesichtsausdrucks "Engel mit Eisaugen" genannt wurde, brach bei der Urteilsverkündung nach 13-stündigen Beratungen kurz nach Mitternacht in Tränen aus. "Nein, Nein", murmelte sie und klammerte sich an einen ihrer Anwälte. Wenige Minuten später wurden die 22-Jährige und ihr drei Jahre älterer Ex-Freund mit Blaulicht zurück ins Gefängnis gefahren. Der Nachrichtenagentur ANSA zufolge standen beide in der Nacht wegen Selbstmordgefahr unter Beobachtung.

Mit dem Urteil ging einer der spektakulärsten Prozesse Italiens zu Ende. Das Verfahren dauerte elf Monate. Knox sagte in ihrer Abschlusserklärung am Donnerstag, sie habe Angst und wolle nicht als Mörderin gebrandmarkt werden. Sie und Sollecito wurden kurz nach dem Mord festgenommen. Der Italiener hatte seiner damaligen Freundin ein Alibi geliefert.

In dem Prozess sagten rund 100 Zeugen aus. Strittig waren vor allem als Beweise vorgebrachte DNA-Spuren. Der Anklage zufolge wurden auf einem in der Wohnung Sollecitos gefundenen Messer die DNA-Spuren der Amerikanerin und des Opfers entdeckt. Die Verteidigung machte dagegen geltend, die Klinge passe nicht zu den tödlichen Verletzungen der Britin.

Knox' Familie und die Anwälte Sollecitos kündigten an, das Urteil anzufechten. Er werde auf jeden Fall weiter für die Unschuld seiner Tochter kämpfen, sagte ihr Vater Curt Knox. "Das ist einfach falsch", sagte Knox' Stiefmutter zu der Verurteilung. Vor dem Gerichtsgebäude beschimpfte eine Gruppe Jugendlicher auch die Angehörigen indes als Mörder.

Die Familie der ermordeten Britin zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Der Schuldspruch "bringt ein bisschen Gerechtigkeit, für uns und für sie", sagte Kerchers Schwester Stephanie. Ihr Bruder Lyle erklärte, endlich gebe es eine Gerichtsentscheidung.

Die Austauschstudentin Kercher aus der nordenglischen Stadt Leeds wurde am 2. November 2007 erstochen in der Wohnung in Perugia aufgefunden, die sie mit der aus Seattle stammenden Knox teilte. Nach Überzeugung des Gerichts war sie in der Nacht zuvor von ihrer Mitbewohnerin, deren damaligem Freund sowie einem weiteren Mann vergewaltigt worden. Um die Tat zu vertuschen, hätten die drei die Britin dann umgebracht, resümierten die Geschworenen. Die Angeklagten sollen zuvor Drogen genommen haben.

Der Prozess war von einem immensen Medienecho begleitet, das die intimsten Details aus Knox Privatleben an die Öffentlichkeit spülte. In einem Internetnetzwerk soll sie sich selbst als "foxy Knoxy" bezeichnet haben, was dazu beitrug, dass sie von den Medien als frivol dargestellt wurde.

AP / AP