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Schulschiff kehrt zurück in die Heimat: Die Todesfahrt der "Gorch Fock"

Die "Gorch Fock" - sie war der Stolz der Marine, heute ist sie deren Skandalschiff. Der stern protokolliert die folgenschwere Fahrt, die mit der Rückkehr nach Kiel zu Ende ging.

Von Uli Rauss und Franziska Reich

Nun kehrt sie also heim in ihren Hafen in Kiel. Die weißen Segel, stolz und rein, das Deck aus Teakholz gewienert – die "Gorch Fock", schönstes Schiff der deutschen Marine. Historische Schiffe werden sich zur Empfangsflotte formieren, Hunderte Yachten sie begleiten, Tausende Menschen von den Ufern aus winken – alle werden die "Weiße Lady" feiern. Endlich. Trotz allem. Oder – gerade deshalb.

Eine merkwürdige Spannung liegt über dem Tag der Rückkehr. Jubel und Freude, einerseits. Die Erinnerung an die Verwerfungen im vergangenen Winter, andererseits. An den tödlichen Unfall der Offiziersanwärterin Sarah Lena Seele. An Vorwürfe von Drill und Drangsale, Saufgelage und Meuterei. An Abbruch der Ausbildung, vorläufige Entlassung des Kommandanten und politische Wirren bis hinauf zum Minister. Wochenlang haben Staatsanwaltschaft, Wehrbeauftragter, Havarie-Beauftragter und eine Marine-Kommission die Vorgänge untersucht. Es ist unklar, was wird. Es ist ja nicht einmal klar, was war. Eigentlich, so erzählen die Mosaiksteinchen der Zeugen, eigentlich ist etwas sehr Schlichtes passiert: Eine junge Frau ist gestorben, und eine Mannschaft zerbrach daran. So tragisch. So einfach.

Doch zwei Monate später entwickelt sich aus diesem traurigen Ereignis ein politischer Orkan mit tagelangem Gezeter und wochenlangem Gezerr. Dabei ging die wichtigste Frage verloren: Was geschah wirklich an Bord der "Gorch Fock"? Jenseits von Gerücht, Unterstellung und Kolportage? Der stern recherchierte das Logbuch der Fakten.

+++ Juli 2010 – Crew VII/2010 beginnt die einjährige Offiziersausbildung an der Marineschule Mürwik+++

Seit Kaisers Zeiten haben 28 000 Marineoffiziere im "Roten Schloss am Meer" die elitäre Ausbildung durchlaufen – seit 1958 auch die besonders harte Etappe auf der "Gorch Fock". Ziel laut Bundeswehr: "Die Heranbildung eines modernen Menschenführers in einem hoch technisierten maritimen Umfeld." Crew VII/2010 wird die vorerst letzte sein, die zur legendären Dreimastbark aufbricht. Doch das ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand.

Eine Teilnehmerin des Lehrgangs ist Sarah Lena Seele aus Bodenwerder, 25 Jahre alt, eine erfahrene Marinesoldatin, die als Obermaat schon viele Monate lang zur See gefahren ist. Eigentlich fällt ihr schon zum Zeitpunkt des Ausbildungsbeginns die Trennung von Freund und Familie schwer. Eigentlich will sie Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft studieren. Doch vorher, so hat sie es sich vorgenommen, will sie sich noch durch die Offiziersausbildung beißen. Ein Jahr Härte gegen sich selbst. Und 30 Dienst-Tage, so will es Weisung 710 204, auf der "Gorch Fock".

Für diesen Dienst wird die Crew in drei "Törns" aufgeteilt. Sarah Lena Seele gehört zum 3. Törn, der im November in Richtung Brasilien aufbrechen wird, um an Bord nach alter Tradition geschliffen zu werden: 99 Stunden "Praktische Seemannschaft", 28 Stunden Wetterkunde, 18 Stunden Enterübungen, zehn Stunden "Takelagekunde", zwei Stunden "Einweisungen und Belehrungen", darunter Dienstvorschrift 165/1: "Unfallverhütung in der Marine", außerdem Wind berechnen, Wettermeldungen kodieren, Ozeanografie, dicht an dicht in schaukelnden Hängematten schlafen, Wind, Enge, nervende Nähe...Für viele Kadetten ist das Schönste an der "Gorch Fock" nicht das "Jetzt", sondern das "Danach".

+++Prüfung der Borddienstverwendungsfähigkeit+++

Zu Beginn der Ausbildung werden alle Marine-Offiziersanwärter von Ärzten auf ihre Borddienstverwendungsfähigkeit geprüft. Dazu gehört auch die Frage nach Höhenangst. Nur wer diese Frage verneint, darf später in die Takelage. Darf. Oder: muss. So klar ist das den Kadetten zu diesem Zeitpunkt nicht.

Alle Anwärter des 3. Törns verneinen die Frage nach Höhenangst. Nur einem wird die Tauglichkeit abgesprochen – aufgrund seiner Körperlänge. Alle anderen erhalten die Zulassung, auch Sarah Lena Seele, die mit 1,57 Metern eigentlich drei Zentimeter zu klein ist. Doch die 25-Jährige legt eine Sondergenehmigung vom Admiralarzt in Glücksburg vor, die sie am 31. Juli 2007 für ein Praktikum auf der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" bekommen hatte.

Niemandem fällt auf, dass diese Sondergenehmigung nicht dauerhaft gilt. Sarah Lena Seele wird als "borddienstverwendungsfähig" erklärt.

+++13. August - Vereidigung der Crew+++

Ein Ehrentag für die Nachwuchselite. Die Offiziersanwärter treten an zum Appell. Der Bundespräsident ist angereist. Er hält eine weihevolle Rede. Er appelliert an die Ausbilder: "Gehen Sie sorgsam mit Untergebenen um, denn sie sind das kostbarste Gut, das Ihnen anvertraut ist. Bilden Sie die Ihnen anvertrauten Soldaten fair und umsichtig aus. Wecken Sie in ihnen Begeisterung für ihre Aufgaben und Achtung vor Ehre und Würde jedes einzelnen Menschen."

Auch Sarah Lena Seele lauscht diesen Worten. Gleich danach wird eine Journalistin sie fragen, ob sie nicht ein bisschen Angst habe vor dem Dienst auf der "Gorch Fock". Schließlich seien schon Menschen dabei umgekommen. "Nein", antwortet sie, "nein, denn passieren kann überall etwas, und ich habe mich mit Leib und Seele dafür eingesetzt, hierherzukommen."

+++20. August - Kiel: Die "Gorch Fock" sticht in See+++

Bei strahlendem Sonnenschein nehmen Familien und Freunde Abschied von den 229 Besatzungsmitgliedern, die sich unter vollen Segeln auf den Weg Richtung Südamerika machen. 23 000 Seemeilen liegen vor ihnen, Las Palmas, Salvador in Brasilien, Buenos Aires in Argentinien, Montevideo in Uruguay, Kap Hoorn – eine Traumreise, zu der die Stammbesatzung und die Kadetten des 1. Törns aufbrechen.

Die Verantwortung für das Gelingen wird in den kommenden Monaten auf den Schultern eines Mannes lasten: Norbert Schatz, 12. Kommandant, 53 Jahre alt, Vater zweier Kinder. Ein besonnener Mann. Seebär alter Schule – wettergegerbt, hart und gerecht. Schon als kleiner Junge träumte er davon, auf dem legendären Windjammer zu segeln. Nach dem Abitur ging er zur Marine, fuhr zum ersten Mal 1976 auf der "Gorch Fock", Ende der 90er Jahre wieder als ihr Erster Offizier und – endlich – seit 2006 als Kommandant. An diesem sonnigen Freitag macht sich Schatz auf den Weg, den größten seiner beruflichen Träume zu verwirklichen: die Umfahrung des sagenumwobenen Kap Hoorn.

+++1. November - Bodenwerder in Deutschland+++

Vier Tage bevor Sarah Lena Seele nach Brasilien aufbricht, besucht sie ihre Mutter Angelika. Sie will sich in Ruhe verabschieden. Das Wohl der Mutter liegt ihr am Herzen. Schließlich wurde sie vor allem von ihr großgezogen. Und so fährt Sarah Lena Seele an diesem tristen Novembermontag noch mal in ihr Heimatdorf Bodenwerder. Nach der Schule hatte sie hier eine Ausbildung im Supermarkt gemacht, doch die Langeweile trieb sie schon bald hinaus in die Welt. Hinaus zur Marine. Bis zur Piratenjagd vor Somalia. Und nun bis ins brasilianische Salvador da Bahia. Später wird Angelika Seele erzählen, die letzten Worte der Tochter seien gewesen: "Weihnachten sehen wir uns wieder."

+++2. November - Ankunft der "Gorch Fock" in Salvador da Bahia+++

Neben Schaulustigen und Würdenträgern wartet an der Pier auch der deutsche Pfarrer Hans Bönisch auf die "schönste Botschafterin Deutschlands". Seit vielen Jahren betreibt er ein Kulturzentrum im verwahrlosten Altstadtviertel Saúde. Er kennt sich gut aus in der Stadt. Und so hat er zugesagt, in den kommenden Tagen das Ausflugs- und Besuchsprogramm für die Schiffsmannschaft zu organisieren.

Weil Kommandant Norbert Schatz noch keinen Antrittsbesuch in Salvador machen konnte, ist laut Regelwerk der Besatzung an diesem Tag der Landgang "nur in ordentlichem Zivil gestattet". Weitere Anweisungen laut Bordbefehl 20/10: Landgang nur in Gruppen von drei bis fünf Personen. Niemals einen Kameraden allein zurücklassen. Kein übermäßiger Alkoholkonsum. Keine Gegenwehr bei Überfall und Diebstahl. Sonnen- und Mückenschutz benutzen. Und: "Bei Prostituierten hohe Durchseuchung mit HIV/Aids und den klassischen Geschlechtskrankheiten, Enthaltsamkeit empfohlen! Ansonsten immer Kondome nutzen!"

+++4./5. November - Anreise der Offiziersanwärter nach Salvador+++

Für die Offiziersanwärter des 3. Törns beginnt die Reise mit einer Panne. Ein Tag Warterei in Frankfurt, weil das Flugzeug nach São Paulo defekt ist. Frühmorgens um fünf schickt Sarah Lena Seele ihrem Lebensgefährten Daniel W. eine letzte SMS: "Ich melde mich, sobald ich kann. Ich liebe Dich." Erst 20 Stunden später erreichen sie und ihre 77 Kameraden die "Gorch Fock". Gegen zwei Uhr nachts, nachdem ihnen das System der Toiletten und die ordnungsgemäße Anbringung der Hängematten erklärt worden ist, dürfen sie sich zum Schlafen legen. Erschöpft und erledigt.

+++6. November - erster Ausbildungstag an Bord+++

Nach vier Stunden Schlaf werden die Neuen geweckt. Um acht Uhr: Morgenmusterung. Danach Einweisung in die grundsätzlichen Bestimmungen. Schiffsarzt Wolfgang Fohr erklärt, dass sich der Wachführer bei jeder Musterung nach Neuerkrankungen erkundigen und nachfragen wird, ob sich alle in der Lage zum Aufentern fühlen. Nach dem Mittagessen: "Reinschiff" – eineinhalb Stunden wienern und putzen.

Diesen ersten Ausbildungstag will die Schiffsführung nicht zu hart gestalten. Sie weiß um die Strapazen der Anreise, die Erschöpfung auch durch fremde Welt und heißes Klima. Nach einer Stunde Unterricht zum Thema "Bordzeremoniell" bekommen Sarah Lena Seele und ihre Kameraden den "Toppsgurt" ausgehändigt, einen Sicherheitsgurt, der sie vor dem Absturz schützt, wenn sie auf die Rahen klettern, die Querstreben, an denen die Segel hängen. Das dauert bis halb sechs. Die Offiziersanwärter sind hundemüde. Kaum einer geht am Abend an Land.

Später, als sich Frust und Wut auf allen Seiten Bahn brechen, wird ein Offiziersanwärter dem Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus berichten, in dieser Nacht hätten Mitglieder der Stammbesatzung noch lange und laut gefeiert. Einer der Betrunkenen sei in die Schlafräume der Offiziersanwärter getorkelt und habe dort einen Monolog gehalten: "Ich hasse Offiziersanwärter. Ich werde sie alle töten."

Ein dummer Spruch oder Schikane? War das wirklich so, oder ist es übertrieben? Im Nachhinein streiten die Offiziersanwärter selbst über die Bewertung dieser Art Szenen. Doch gerade die Berichte des Wehrbeauftragten über solcherlei Beschwerden werden zwei Monate später in Deutschland zu heftigen Turbulenzen führen.

+++7. November - zweiter Ausbildungstag+++

4.30 Uhr: Wecken und Hängemattenmusterung. 5.00 Uhr: "Backen und Banken", wie an Bord alle Mahlzeiten heißen. 5.40 Uhr: Wachmusterung auf dem Mitteldeck. Befohlener Anzug: Blaumann, Stiefel, Toppsgurt. Ab 6.05 Uhr: Enterübungen, fünf Stunden lang. Alle freuen sich auf das geruhsamere Nachmittagsprogramm: Schiffsbesuch für die Öffentlichkeit und ein echt brasilianisches Fußballspiel in der Stadt. Weil Kommandant Schatz heute mit seiner Frau seinen letzten Urlaubstag an Land verbringt, vertritt ihn der Erste Offizier Markus Hey. An Deck soll die Ausbildung von einem Divisionsoffizier geleitet werden – einem Mann, der heute zum ersten Mal in dieser Verantwortung steht, seit er den Job Ende September bekam. Später wird er einräumen, dass er nur zu 50 bis 70 Prozent der Zeit die Segelvorausbildung im Blick hatte. Ansonsten sei er mit anderem beschäftigt gewesen. Zum Zeitpunkt des Unfalls ist er nicht an Deck. Die beiden anderen Divisionsoffiziere haben Urlaub.

Ebenfalls noch nicht lange im Job: der Segeloffizier an Deck. Zwar gehört die Frau Leutnant zur See seit Juli zur Mannschaft, doch in die Aufgaben wurde sie nie detailliert eingewiesen. Ihr Vorgänger hat ihr die Abläufe eher nebenbei beigebracht. Und so vertraut sie an diesem heißen Novembertag vor allem auf den Wachführer, den sie für einen erfahrenen Ausbilder hält. Doch auch der darf erst seit Ende September eigenverantwortlich die Seewache führen. Die Hauptverantwortlichen an diesem Morgen also: nicht grün hinter den Ohren, aber beileibe nicht erfahren.

Bordbefehl 25 sieht vor jedem Aufentern eine Sicherheitsbelehrung vor sowie zwei Fragen: "Fühlt sich jeder in der Lage zu entern?" Und: "Gibt es Krankheiten oder Gebrechen, oder nimmt jemand Medikamente?" Keiner meldet sich. Ein Offiziersanwärter erzählt später: "Durch das Stammpersonal wurden wir dahin gehend motiviert, dass wir uns dieser Herausforderung stellen sollten. Viele Anwärter hätten in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich trotz anfänglicher Bedenken nach einiger Übung mit der Höhe vertraut gemacht haben. Ein einfaches Nein, ohne es probiert zu haben, wurde nicht akzeptiert."

Und so klettern Sarah Lena Seele und ihre Kameraden um kurz vor halb sieben in die Wanten der "Gorch Fock"– zum ersten Mal in ihrem Leben. Unsicher. Zittrig. Vorsichtig bei jedem Schritt. Vor allem in den schwindelnden Momenten in 40 Meter Höhe, wenn sie vom Mast auf die Rahen müssen, ist jede Faser jedes Muskels zum Reißen gespannt. Sie halten sich krampfhaft mit einer Hand und versuchen, mit der anderen den Karabinerhaken ins Sicherheitsseil einzupicken. Ein Kraftakt. Physisch. Psychisch auch.

Eigentlich sollten die Ausbilder vor dem ersten Aufentern konkret in ihre Positionen eingewiesen werden. An diesem 7. November aber wird ihnen das selbst überlassen. Und so verteilen sie sich wie gewohnt in der Takelage und führen die Füße der Anfänger.

+++7. November, 10 Uhr - Aufentern bis zur Erschöpfung+++

Das Klima: 27 Grad Lufttemperatur, Sonnenschein, leichter Wind aus wechselnder Richtung.

Nach mehreren Durchgängen dürfen die Offiziersanwärter verschnaufen. Sie bekommen Obst und Getränke. Der Schweiß rinnt. Sarah Lena Seele hockt erschöpft an Deck, spricht von einem "Kraftloch". Später wird ein Fünftel der Kadetten angeben, an diesem Morgen Schwierigkeiten mit den Übungen gehabt zu haben. Doch zu diesem Zeitpunkt macht davon kaum einer Meldung.

Ein paar Minuten Erholung, dann heißt es für Sarah Lena Seele wieder: die Wanten hinauf. Dort fällt einem erfahrenen Ausbilder auf, dass die junge Frau sehr erschöpft wirkt. Er weist einen Unteroffizier darauf hin und rät, die Anwärterin nur noch im unteren Bereich klettern zu lassen. "Ich habe da ein ungutes Bauchgefühl", sagt er.

Auf der Plattform in mittlerer Höhe des Mastes begegnet er ihr wieder. Er fragt, bis wohin sie hinaufwolle. Sie antwortet: "Bramsaling" – eine noch höher gelegene Plattform. Der Ausbilder findet das zu gewagt. Er rät, sich lieber erst mal mit dem Karabinerhaken zu sichern. Sie befolgt den Rat. Der Mann kümmert sich nun um andere. Als er sich wenig später nach der Frau umsieht, kann er sie nicht mehr sehen. Sarah Lena Seele ist weitergeklettert – höher und höher.

Schiffsarzt Wolfgang Fohr, seit 2004 an Bord der "Gorch Fock", wird später erklären: "Ein Entern nach Lust und Laune hat es nie gegeben, sondern jeder, der körperlich in der Lage war, hat das Entern auch gemäß der Ausbildungsweisung durchzuführen oder es mindestens zu versuchen. Ziel der Takelageausbildung war der Gewinn von Selbstvertrauen in die eigene körperliche Leistungsfähigkeit. Ein voreiliges Befreien vom Entern hätte dieses Ausbildungsziel gefährdet."

Es geht also um mehr als ein bisschen Abenteuer-Klettern – so wie es bei der gesamten Ausbildung auf dem alten Windjammer um mehr geht als ein bisschen nautische Wissensvermittlung vor romantischer Kulisse. Die Marine hat immer betont, sie wolle auf der "Gorch Fock" vor allem die Persönlichkeit entwickeln. Aus braven, beflissenen und wohlstandsverwöhnten jungen Menschen sollen belastbare, teamfähige und selbstbewusste Führungspersönlichkeiten werden. Oder, wie später die Stammmannschaft in ihrem offenen Brief vom 28. Januar 2011 schreibt: "Der Lehrgangsteilnehmer soll behutsam und unter Aufsicht physisch und psychisch bis an die Grenzen seiner individuellen Belastbarkeit geführt werden, damit er ruhig, sicher und beherrscht handeln kann, wenn er im Einsatz in die Lage höchster Gefahr für das eigene Leben kommt."

+++7. November, 10.18 Uhr - der Unfall+++

Wenige Minuten nach ihrem kurzen Gespräch mit dem Ausbilder macht sich Sarah Lena Seele auf den Weg nach unten. An der Bramsaling bietet ein Unteroffizier an, ihr beim Übersteigen zu helfen. Sie lehnt ab. Entert weiter nieder. Übersteigt die Bramsaling. Der Ausbilder sagt, sie solle langsamer machen. Auch eine Kameradin, die direkt hinter ihr klettert, rät zu mehr Ruhe. Dann ist Sarah Lena Seele unterhalb der Bramsaling. Anders als vorgesehen ist diese Position von keinem Unteroffizier besetzt. Der Ausbilder nimmt die Frau kurz in den Blick, sie scheint sich sicher festzuhalten, er wendet sich wieder nach oben. Da hört er einen Schrei, Worte wie: "Ich habe keine Kraft mehr!"

In diesem Moment rutscht sie aus – keiner weiß genau, wie. Packt noch nach einem Abspannseil, kann sich nicht halten, der Körper dreht sich, und sie stürzt 27 Meter über die linke Körperhälfte kopfüber aufs Deck.

10.27 Uhr. 20 Mann hängen im Großmast. Keiner bewegt sich. Stocksteife Stille. Die Ausbilder schreien: "Alle einpicken und Augen frei geradeaus!" Schiffsarzt Wolfgang Fohr eilt mit Sanitätern herbei. Die junge Frau liegt da mit offenen Augen. Fohr schneidet den Toppsgurt auf. Das Becken: zertrümmert. Arme, Schultern, Beine: alles kaputt.

Um 10.29 Uhr alarmiert das deutsche Konsulat den Rettungsdienst. Während endlose 41 Minuten vergehen, bis der Krankenwagen eintrifft, holen die Ausbilder Kadett um Kadett aus der Takelage, teils mit Sicherungsseil. Sie werden sofort in die Gemeinschaftsräume gebracht und mit süßen Getränken versorgt. Einer der Offiziere erzählt: "Den Unfall habe ich unmittelbar auf dem Mitteldeck erlebt. Nachdem ich Sofortmaßnahmen eingeleitet hatte, sorgte ich dafür, dass die Offiziersanwärter vom Vortopp in die Division runterkommen. Einer Soldatin ging es richtig schlecht." Alle stehen unter Schock. Viele weinen – auch die Veteranen der Crew.

Um 10.49 Uhr gibt der Divisionsoffizier eine kurze Info durch den Bordlautsprecher. Er weist darauf hin, dass die Nutzung von Mobiltelefon, Internet und E-Mail bis auf Weiteres verboten sei. Über Handy erreicht er Kommandant Schatz erst Stunden später und informiert ihn über den Unfall. Der Kommandant macht sich auf den Weg und erreicht – endlich – um 17.51 Uhr sein Schiff.

+++7. November, ab 11 Uhr - erste Schockbewältigung+++

Kurz nach 11 Uhr klingelt bei Pfarrer Hans Bönisch das Handy. Es ist Wolfgang Fohr, der Schiffsarzt, den Bönisch vor fünf Tagen kennengelernt hatte. Der Arzt schildert die Lage und bittet, an Bord zu kommen, Bönisch fährt los. Die Stimmung an Bord ist bedrückend. Der Pfarrer betet mit den jungen Leuten. Einige nehmen sich in den Arm, schweigen, weinen. Bönisch spricht stundenlang, und als er am späten Nachmittag nach Hause fährt, fühlt er sich "völlig erschöpft von den unglaublich dichten und an die Substanz gehenden Gesprächen mit jungen, traurigen, ängstlichen Soldaten".

In der Klinik wird Sarah Lena Seele notoperiert. Am späten Nachmittag kehrt Schiffsarzt Fohr aus dem Krankenhaus zurück aufs Schiff und teilt der Mannschaft mit, ihr Zustand sei einigermaßen stabil.

+++7. November, 22.30 Uhr MEZ - Bodenwerder in Niedersachsen+++

Bei Angelika Seele klingelt das Telefon. Der stellvertretende Lehrgruppenkommandeur der Marineschule Mürwik teilt ihr das Unglück mit. Angelika Seele will sofort los. Doch es ist zu spät und der Weg zu weit. Um 23.05 Uhr Ortszeit stirbt Sarah im Krankenhaus von Salvador. Zweieinhalb Stunden später, in Deutschland ist es 5.30 Uhr, erreichen Schiffsarzt Fohr und Kommandant Schatz den Bruder von Angelika Seele und informieren ihn über den Tod seiner Nichte.

+++8. November - Tag 1 nach dem Unfall+++

6 Uhr Wecken, danach "Backen und Banken". Anschließend Morgenmusterung. Noch wissen die Rekruten nichts vom Tod ihrer Kameradin. Sie hören nur, der Kommandant sei zurück an Bord.

Bei der Musterung eröffnet Schatz die schlimme Nachricht. Er spricht 20 Minuten. Später wird sich ein Offiziersanwärter beschweren, die Rede sei "unangebracht" und "unsensibel" gewesen. Pfarrer Bönisch hat einen anderen Eindruck. Auch er steht zu dieser frühen Stunde schon an Bord: "Die Worte des Kommandanten waren klar gewählt und angemessen und drückten sein Mitgefühl aus. Es war aus meiner Sicht alles würdevoll. Ich fand nichts Anstößiges daran, was die angemessene Trauer verletzen könnte, ganz im Gegenteil." Nach einer Gedenkminute legt Schatz fest, dass die Ausbildung in der Takelage bis auf Weiteres ruhe.

Dann demonstriert die Stammbesatzung, wie man Segel setzt. Kommandant Schatz und der Erste Offizier Hey entern selbst ins Großtopp auf, den Mast, an dem Sarah Lena Seele vier Tage zuvor verunglückte. Die Offiziere, die Portepeeunteroffiziere, die Unteroffiziere – alle steigen in die Wanten. Um zu zeigen, dass sie eine Mannschaft sind. Alle zusammen! Alle gleich! Danach sollen die Kadetten sich in kleinen Gruppen zum "Seesack-Nähen" zusammenfinden – eine psychologische Maßnahme "zur ersten Schockverarbeitung und zur Aufnahme der Trauerarbeit, indem jedermann Gespräche in seiner Gruppe führen konnte".

Später wird Schiffsarzt Fohr berichten, wie mitgenommen Stammsoldaten und Crew durch den Unfall sind: "Wir haben fünf besonders belastete Soldaten identifiziert, wovon eine Person in psychiatrische und psychologische Behandlung repatriiert wurde."

Im Kommandantensalon steht der Pfarrer für Gespräche bereit – sieben Stunden lang. Bei einer Unterhaltung mit Kommandant Schatz schlägt Bönisch vor, drei Tage Zeit für die Trauerarbeit zu geben. Eigentlich will die Schiffsführung eine Trauerfeier auf der Pier. Aber der Pfarrer bittet, die Feier zusammen in seinem Gemeindehaus vorbereiten und abhalten zu dürfen. Norbert Schatz willigt ein.

Außer dem Geistlichen kümmern sich zwei dienstältere Kadetten um die Offiziersanwärter – ein Fähnrich und ein Oberfähnrich, beide von den Offiziersanwärtern als Vertrauensleute gewählt. Gleich nach dem Unfall hatten sie dem Ersten Offizier Markus Hey mitgeteilt, dass einige nach Hause wollten. Sie hatten auch darauf hingewiesen, dass viele nicht mehr aufentern wollten. Einen Tag später nun streiten die beiden Vertrauensleute mit dem Ersten Offizier darüber, wie der Unfalltod zu bewerten sei. Hey findet, wenn ein Soldat im Einsatz sterbe, werde auch nicht gleich der ganze Einsatz abgebrochen. Die Vertrauensleute entgegnen, der Job auf der "Gorch Fock" sei kein Einsatz, sondern Ausbildung. Sie streiten laut. Sie streiten heftig.

Ein erster Riss zwischen Stammbesatzung und Kadetten.

An diesem Tag meldet ein Soldat dem Ersten Offizier, einer der Vertrauensleute habe Vorgesetzte als "Mörder" und Menschen "ohne Gewissen" bezeichnet. Weitere Meldungen darüber folgen; der Beschuldigte bestreitet den Vorwurf.

Um 16.15 Uhr müssen die Offiziersanwärter antreten zum "Reinschiff". Jene Stelle an Deck, auf die Sarah Lena Seele aufgeschlagen ist, wird repariert. Offiziersanwärter entsorgen das zersplitterte Holz. Später beschweren sich einige über das "mangelnde Fingerspitzengefühl" der Stammbesatzung, sie diese Aufgabe erledigen zu lassen.

+++9. November - Krankenhaus in Salvador da Bahia+++

Weil das Flugzeug für die Überführung des Leichnams keine Kühlung hat, präparieren die Mediziner den Körper mit 20 Kilo Formaldehyd. Das Gewicht der Verstorbenen steigt damit von 63 auf 83 Kilo. Später werden deutsche Medien berichten, Sarah Lena Seele habe in wenigen Wochen so viel zugenommen, dass sie eigentlich dienstuntauglich gewesen sei. Erst Tage später räumt die Marine ein: "ein Übertragungsfehler".

+++10. November - Trauerfeier in Salvador da Bahia+++

Seit dem frühen Morgen dekorieren Pfarrer Bönisch und seine freiwilligen Helfer den Saal im Gemeindehaus – mit Blumen, der deutschen Fahne und einem Bild der Verstorbenen. Am Nachmittag der Gottesdienst. Freunde sprechen Bekenntnisse und erzählen Erinnerungen, sie beten gemeinsam und lauschen dem Klang der Orgel. Am Ende der Feier bemüht sich Pfarrer Bönisch, ein wenig Hoffnung zu vermitteln. Er sagt: "Jetzt, nach drei Tagen intensiver Trauer, ist es an der Zeit, sich wieder dem Leben zuzuwenden."

+++11. November - 6.00 Uhr: Dienstbeginn+++

Die Besatzung versammelt sich auf dem Mitteldeck. Kommandant Schatz beginnt seine Ansprache. Er gibt bekannt, dass bis auf Weiteres das Aufentern freiwillig gestellt sei. Er erklärt, dass er Verständnis habe für die mögliche Angst der Kadetten. Er sagt aber auch, dass es jedem Einzelnen vielleicht helfen könne, wieder aufzuentern, um die seelische Erschütterung abzuarbeiten. Eineinhalb Stunden dauern Ansprache und anschließendes Gespräch.

Dann soll es wieder hinauf in die Takelage gehen. Wieder steigt Schatz mit seinen Offizieren voran. 54 Offiziersanwärter folgen, Schock und Trauer zum Trotz. 20 Offiziersanwärter weigern sich. Sie haben Angst. Auch einige alte Hasen der Stammbesatzung fühlen sich tief verunsichert. Ein Ausbilder: "Auch ich hatte Probleme. Ich wurde nicht hochbefohlen, sondern habe mich freiwillig langsam wieder rangetastet. Auch heute habe ich beim Aufentern noch ein ängstliches Gefühl. Ich bin vorsichtiger geworden."

Später werden einige der an Deck gebliebenen Kadetten von Sticheleien der Stammbesatzung berichten. Es habe an Verständnis gemangelt für die Trauer der Offiziersanwärter. Mehr noch – einer erzählt dem Wehrbeauftragten, es sei sogar mit Konsequenzen gedroht worden, sollte man bei der Weigerung bleiben. Dieser Darstellung widersprechen die Mitglieder der Stammbesatzung heftig. In ihrem offenen Brief schreiben sie: "Einige Offiziersanwärter wollten nicht mehr aufentern. Dies war problemlos möglich, sie erhielten vom Decksmeister sinnvolle Aufgaben."

+++Im Verlauf des 11. November - Spannungen an Bord+++

Auch Pfarrer Bönisch ist an diesem Morgen wieder da. Inzwischen hat der Bedarf an seelsorgerischen Gesprächen nachgelassen. Doch er wird von Offiziersanwärtern angesprochen, die sich über die Ausbildung beschweren. "Ich merkte stärker als zuvor, dass es unter den Offiziersanwärtern auch Trittbrettfahrer gab, die die aufgebauten Energien anders als in Trauer abfließen sehen wollten", erinnert sich Bönisch später. Er misst dieser Missstimmung keine größere Bedeutung bei. Dem Kommandanten sagt er: „Das Schlimmste ist vorbei. Ich glaube, die Gruppe ist etzt auf einem guten Weg, auf der weiteren Reise gut zusammenzuwachsen."

Doch weit gefehlt. An Bord spitzt sich die Situation zwischen einigen Offiziersanwärtern und der Schiffsführung zu. Vom Schiff schickt einer der Anwärter eine Beschwerde-E-Mail über die Stammsoldaten und mangelnden Raum zur Trauer direkt an den Wehrbeauftragten Königshaus. Später beschweren sich Offiziersanwärter, einige Stammmitglieder hätten lautstark Karneval gefeiert – das sei geschmacklos nur vier Tage nach dem Tod einer Kameradin! Das wiederum weist die Stammbesatzung entschieden zurück. Es sei nicht gefeiert worden. Ein paar Kameraden hätten bei einem Bier zusammengesessen, einer mit einer dämlichen roten Perücke versehen – nach Karneval sei keinem zumute gewesen.

Die Vorwürfe und Anschuldigungen wogen hin und her. Schon am 11. November scheint es zu spät, um gemeinsam als Mannschaft den Schock zu verkraften. Stattdessen: Streit und Vorwurf und Rechthaberei. Dabei geht es allen Anwesenden um die gleichen Fragen. Wie trauert man um den Verlust eines Menschen? Wie viel Disziplin braucht ein Soldat? Was bedeuten Befehl und Gehorsam? Und was Innere Führung nach diesem Tod? Das Unglück von Sarah Lena Seele reißt eine tiefe Kluft.

+++12. November - die Zerwürfnisse eskalieren+++

Heute bleiben 14 Kadetten unten, während ihre Kameraden in die Wanten steigen. Obwohl Kommandant Schatz das Aufentern zur freiwilligen Entscheidung erklärt hat, fühlen sich manche doch von der Stammbesatzung unter Druck gesetzt.

Als Disziplinarvorgesetzter geht der Erste Offizier mit aller Härte gegen zwei Offiziersanwärter vor. Den Obergefreiten und die Obergefreite sowie die beiden Vertrauensleute sieht die Schiffsführung als Unruhestifter an. Bei späteren Gesprächen geben die Betroffenen an, ihnen sei vorgeworfen worden, die Kadetten aufzuhetzen. Drei von ihnen sollen nach Deutschland ausgeflogen werden. Schlimmer noch: Der Erste Offizier legt ihnen Ablöseanträge vor, in denen ihnen unter anderem "Lustlosigkeit" und "Untergrabung der Autorität der Ausbilder" vorgeworfen werden. Sie sollen entlassen werden. Das Ende ihrer Marinekarriere. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Offiziersanwärtern und Schiffsführung. Die Beschuldigten diskutieren, ob sie nach Hause wollen. Ob sie den Wehrbeauftragten einschalten sollen. Die Kluft zwischen Offiziersanwärtern und Stammbesatzung – unüberbrückbar. Später wird der Wehrbeauftragte Königshaus für diese Vorgänge das Wort "Meuterei" aussprechen. Noch hofft Kommandant Schatz, die Situation zu meistern und die Mannschaft durch die Strapazen der Kap-Hoorn-Umfahrung zu führen.

Und so begrüßt er abends einigermaßen gefasst seinen Vorgänger, den ehemaligen "Gorch Fock"-Kommandanten Michael Brühn, der als Leiter der Havarie-Kommission aus Deutschland eingetroffen ist. Auch ein Team der Staatsanwaltschaft Kiel will am nächsten Tag ermitteln. Sie alle sollen untersuchen, ob Fehlverhalten zum Unfall führte.

+++13. November - die Befragungen an Bord beginnen+++

Das Ausbildungsprogramm der Kadetten findet kaum mehr statt. Nach der Musterung am Morgen und einer halben Stunde Reinschiff, "Schwerpunkt Nasszellen und Aborte", beginnen um 8.30 Uhr die Ermittler mit den Befragungen. Sie stoßen auf einen Fall, in dem ein Ausbilder nachweislich einen Kadetten zum Aufentern in die Takelage genötigt hat. Kommandant Schatz reagiert prompt: Der Mann wird mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert, muss das Schiff verlassen. Die Ermittler finden ansonsten zwar keine schwerwiegenden Mängel oder grobes Fehlverhalten, doch im später erstellten Havarie-Bericht verweist Brühn auf Schwachstellen in der Ausbildung im Allgemeinen sowie an diesem tragischen Morgen im Besonderen. So seien zum Unfallzeitpunkt nicht alle kritischen Stellen in der Takelage von Ausbildern besetzt gewesen. Trotz dieser Mängel – Schuld am Tod von Sarah Lena Seele treffe keinen.

+++16. November - der Tag der Entscheidung+++

Eigentlich sollte heute alles vorbereitet werden für das Auslaufen der "Gorch Fock" am nächsten Tag. Bordbefehl 20/10 hatte einen Ausrüstungstag vorgesehen. Proviant laden. Kraftstoff tanken. Müll entsorgen. Stattdessen heißt es für die Kadetten nun wieder Aufentern im Blaumann. Sie haben schon jetzt viel Unterricht verpasst: Segelsetzen, Halse, Wende, so vieles, was sie längst können sollten. Der Termin zum Auslaufen wird um einen Tag verschoben. In Deutschland sitzt die Marineführung zusammen. Der Unfall, Ermittler an Bord, der Zeitverzug bei der Ausbildung, die Anfragen des Wehrbeauftragten – am späten Abend beschließt man, die laufende Ausbildung auf der "Gorch Fock" auszusetzen. Zunächst für ein Jahr. Grund für diese Entscheidung sei vor allem die Fürsorgepflicht gegenüber den Kadetten. Viele hätten den Sturz mit angesehen, etliche das Unglück nicht verkraftet. Und so bestimmt die Marineführung, die Offiziersanwärter umgehend zurückzuholen. Die Stammbesatzung soll mit einer neuen Segelcrew die Reise fortsetzen.

Am nächsten Tag um 12 Uhr verlässt der Havarie-Beauftragte das Schiff. Er gibt Kommandant Schatz Order, die neue Segelcrew vernünftig in ihre Aufgaben einzuweisen. Noch an Bord müssen die Offiziersanwärter namentlich gekennzeichnete Feedback-Bögen über ihre Zeit auf der "Gorch Fock" ausfüllen. 40 Prozent empfinden das Verhältnis zur Stammbesatzung als negativ.

+++19. November - Beerdigung in Bodenwerder+++

Die Familie nimmt Abschied von Sarah Lena Seele. Vor dem hellen Sarg liegt ein Herz aus weißen Rosen.

Epilog

Die "Gorch Fock" sticht wieder in See, nächster Halt: Buenos Aires. Alles scheint ruhig. Alles scheint wieder im Lot. Weihnachten. Silvester. Die Mannschaft verbringt harmonische Tage. Und dann, am 14. Januar, erfüllt sich des Kommandanten Traum: Norbert Schatz führt sein Schiff um Kap Hoorn.

Währenddessen braut sich in Deutschland ein Orkan zusammen von so ungeheurer Wucht, dass er für die "Gorch Fock" gefährlicher wird, als jedes Kap es je sein könnte. Am 13. Januar hat sich ein Ermittlerteam des Wehrbeauftragten Königshaus an der Marineschule Mürwik eingefunden, das alle Mitglieder der Crew VII/2010 befragt. Nach Befinden und Erlebtem. Und vor allem: nach Kritik. Später werden sich Kadetten beschweren, dass Positives gar kein Gehör gefunden habe. Nur das Schlechte. Wie menschenverachtend die Stammmitglieder gewesen seien. Wie die gesoffen hätten. Und gedrillt, genötigt und gebrüllt.

Am 17. Januar berichtet der Wehrbeauftragte dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über die Ergebnisse. Auch der Verteidigungsausschuss erhält den Bericht. Marineinspekteur Axel Schimpf befiehlt die "Gorch Fock" zurück in den Hafen von Ushuaia, Argentinien. Sie soll dort warten, bis eine neue Marine-Kommission zu weiteren Ermittlungen eintrifft. Doch innerhalb weniger Stunden werden nun pikante Details öffentlich. Von Ekel-Äquatortaufen ist die Rede, von Meuterei und sexistischen Wetten – von sexuellen Übergriffen gar.

Längst weiß keiner mehr, was wahr ist und was üble Kolportage. Doch die Welle der Skandale rollt weiter. Am 21. Januar macht im Verteidigungsministerium das Gerücht die Runde, ein Boulevardblatt plane die Veröffentlichung von noch skandalöserem Material. Noch in dieser Nacht gibt Karl-Theodor zu Guttenberg den Befehl, Kommandant Schatz des Amtes zu entheben. Ohne Gespräch. Ohne Prüfung der Fakten. Ohne Befragung der Beschuldigten. Und so steht nun also der Mann, unter dessen Kommando das Schiff einst die Reise antrat, bei der Heimkehr nicht mehr an Bord. Auch wenn in den folgenden Monaten alle Untersuchungen Kommandant Norbert Schatz entlastet haben – seine Zukunft ist bis heute ebenso ungewiss wie die der "Gorch Fock".

Mitarbeit: Oliver Schröm / print
18jähriger Kater und Welpe geht das?
Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich eigentlich nicht So gut auf Hunde zu sprechen also wenn ein Hund an seinem Garten vorbeigeht springt er schon hinterm Zaun ein bisschen hoch und fängt an zu fauchen. Denkt ihr nicht das Man wird vorsichtiger Eingewöhnung es schaffen könnte dass die beiden sich verstehen? LG und danke im Voraus
  • Franziska Reich